1. NRW
  2. Städte
  3. Leichlingen

Leverkusen: Die Briefe des Malers Peiner erzählen Geschichte

Leverkusen : Die Briefe des Malers Peiner erzählen Geschichte

Die Familie Peiners, der Ende der 1940er Haus Vorst kaufte, hat dem Stadtarchiv jetzt den Schriftnachlass überreicht.

Als Werner Peiner 1948 die Burg Haus Vorst kaufte, war er bereits ein bekannter Maler. Einer, der drei Epochen deutscher Geschichte miterlebt hatte von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik bis zur Zeit des Nationalsozialismus. Wie er diese Epochen und auch die BRD bis zu seinem Tod 1984 erlebt hat, das kann das Stadtarchiv Leichlingen jetzt verfolgen - anhand von Peiners Schriftnachlass. "Die Familie Albanus übergab im Januar den Schriftnachlass des bekannten Leichlinger Malers und ehemaligen Hausherren von Haus Vorst an das Stadtarchiv", berichtet Archivleiter Dr. Thorsten Schulz-Walden. "Und das freut mich wahnsinnig. Es ist eine große Sache für unser Archiv, weil Werner Peiner eine bundesweite Bedeutung hat."

Der in Düsseldorf geborene und an der dortigen Kunstakademie nach Ende des Ersten Weltkriegs ausgebildete Maler baute zu Beginn der 1930er Jahre in Kronenburg (Eifel) seine bekannte Malerschule auf, die in der NS-Zeit zur "Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei" avancierte. Als deren Leiters entwarf Peiner auch Monumentalwerke für die Reichskanzlei. Und ein Frauenakt von ihm zum Beispiel hing über Görings Bett in dessen Herrenhaus Carinhall.

  • Kastriot Krasniqi hat zwar nicht das
    Bundestagswahl in Leichlingen : Warum die SPD der wahre Gewinner ist
  • Der 57-Jährige musste mit einem Rettungshubschrauber
    Mit einem Auto in Leichlingen zusammengestoßen : Motorradfahrer bei Unfall schwer verletzt
  • In Nordrhein-Westfalen sind 12,9 Millionen Menschen
    Grüne mit höchstem Frauenanteil : NRW wählt 106 Männer und 49 Frauen in den Bundestag

In die Renovierung von Haus Vorst steckte Peiner viel Energie, er lebte dort bis zu seinem Tod 1984, seine Familie bis Anfang dieses Jahres. Sein schriftlicher Nachlass umfasst rund zehn Umzugskartons, angefüllt mit seinem persönlichen Schrifttum von etwa 1912 - da war Peiner 15 Jahre alt - , bis 1984.

Dazu kommen Bücher, Korrespondenzen, Loseblattsammlungen, Fotomappen und -bände, Sekundärliteratur und fotografische Werkdokumentationen. "Der Nachlass ist so ziemlich vollständig", merkt Schulz-Walden an. Freilich bis auf seine Werke. "Der künstlerische Nachlasse bleibt in Familienbesitz."

Zwei bis drei Jahre wird es dauern, so schätzt Schulz-Walden, bis in einem Findbuch den Nachlass vollständig erfasst ist. Wofür er der Familie besonders dankt, ist, "dass sie offen mit der Nazi-Zeit in Peiners Leben umgehen und auch dazu die Unterlagen des Malers zur Verfügung stellen." Das käme nicht so häufig vor. Oft hätten Familien Probleme mit diesem Abschnitt im Leben ihres Angehörigen und würden die entsprechende Dokumente aussortieren, bevor sie den Nachlass weiterreichten, erzählt Schulz-Walden.

Grundsätzlich soll der Peiner-Nachlass offen für wissenschaftliche Recherchen bleiben, habe sich seine Familie gewünscht, "denn schon in der Vergangenheit arbeiteten zahlreiche Historiker und Universitätsforscher mit dem Material, das jetzt im Stadtarchiv erstmals systematisch aufgenommen und verzeichnet werden wird", ergänzt Schulz-Walden. Und vielleicht könnte er auch für Schüler bereitgestellt werden, die für entsprechende Facharbeiten Informationen über Peiner und die Epochen, die er miterlebt hat, benötigen, schließt der Archivar der Stadt an.

(RP)