Leichlingen: Der singende Springreiter

Leichlingen : Der singende Springreiter

Viele Leichlinger kennen Richard Kunze als Vorsitzenden des Gemischten Chores Germania. Doch der 74-Jährige ist auch erfolgreicher Springreiter – Berichte über nationale und internationale Turnierteilnahmen füllen Aktenordner.

Viele Leichlinger kennen Richard Kunze als Vorsitzenden des Gemischten Chores Germania. Doch der 74-Jährige ist auch erfolgreicher Springreiter — Berichte über nationale und internationale Turnierteilnahmen füllen Aktenordner.

Jochen geht es richtig gut: Aus seiner Box in der Balker Auer Reithalle hat der neunjährige Wallach einen guten Blick in die Stallgasse und nach draußen, kann bequem Kontakt zu seinen tierischen Kollegen nebenan aufnehmen. Auch der 19-jährige Christobalito hat's im hohen Alter prima getroffen: Das erfolgreiche Springpferd darf seine Rente auf dem Sonnenhof verbringen, umgeben von vielen Artgenossen.

Die beiden Pferde gehören dem "singenden Reiter" Richard Kuntze: Den meisten Leichlingern ist er als Vorsitzender des Gemischten Chores Germania Büscherhöfen bekannt. Seit vielen Jahren ist er außerdem ein sehr erfolgreicher Springreiter. Zahlreiche Bilder und Zeitungsartikel über nationale und internationale Turnierteilnahmen füllen Aktenordner und Fotoalben.

Mannschafts-EM-Titel 2002 geholt

Kuntzes größter Erfolg: Im Jahr 2002 hat er bei der Europameisterschaft in Barcelona mit der Senioren-Nationalmannschaft den Titel geholt und ist im Einzel Zweiter geworden. "Das Turnier hat mit acht Nationen im olympischen Reitstadion stattgefunden. Das war wirklich ein Traum", schwärmt der 74-Jährige noch heute. Erstmals international auf sich aufmerksam gemacht hatten Kuntze und sein Pferd Christobalito zuvor im selben Jahr beim Turnier im französischen Dijon, das sie ebenfalls für sich entschieden.

Doch die Pferde-Liebe des Reiters vom Leichlinger Reit- und Fahrverein ist schon viel älter: "Nach dem Krieg habe ich mir durch Feldarbeit beim Bauern Wolter in Büscherhöfen das Reiten verdient", erinnert sich Richard Kuntze. Mit 18 habe ihm sein Onkel Karl sein erstes Pferd Heidi geschenkt, außerdem sei er bei Haus Vorst auf Lipizzanern geritten, die dort gehalten wurden. Damals nahm er noch an Vielseitigkeitsturnieren mit Dressur, Springen und Geländeritt teil, konnte 1969 sogar die prominenten Stubbendorff-Tage auf seinem Pferd Aklan gewinnen.

Später aber überwog die Vorliebe fürs Springreiten. Der Gewinn des Prix du Jumelage Marly-le-Roi anlässlich der 30 Jahre währenden Städtepartnerschaft zwischen Leichlingen und der französischen Stadt war 1992 einer seiner großen Erfolge. Seither ein eingespieltes Team: Richard Kuntze und sein Erfolgspferd Christobalito. "Das ist ein sagenhaftes Pferd, immer kampf- und leistungsbereit", begeistert sich der Unternehmer.

Mit ihm hat er hinbekommen, was Springreiten ausmacht: absolute Harmonie zwischen Pferd und Reiter. Sein Nachfolger Jochen, der seit einem halben Jahr bei Richard Kuntze ist, hat diesen Weg noch vor sich, kann aber ebenfalls schon Erfolge verzeichnen: Gerade vor 14 Tagen hat das Duo das Turnier beim Bergisch Gladbacher RV Eicherhof gewonnen. "Jochen hat alle Voraussetzungen für große Erfolge. Aber alles braucht seine Zeit", stellt sich Kuntze auf sein neues Pferd ein.

Gut soll es allen seinen Tieren gehen. "Ich bin nicht nur Reiter, sondern auch Pferdeliebhaber. Reiter sein, heißt Ritter sein", sagt der erfolgreiche Springreiter überzeugt. Deshalb hat Jochen auch ein extra Fenster in der Stalltür, und Christobalito darf seinen Lebensabend auf dem Sonnenhof genießen.

(inbo)