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Der Rheinisch-Bergische Kreis will das Angebot zentralisieren

Frühzeitig beraten lassen : Stadt pocht auf Seniorenberatung vor Ort

Wer im Alter trotz Einschränkungen in der eigenen Wohnung bleiben will, kann sich bei der städtischen Senioren-, Wohn- und Pflegeberatung Hilfe holen. Beraterin Aleksandra Petz empfiehlt, präventiv tätig zu werden. Der Kreis will das Angebot zentralisieren, die Stadt wehrt sich.

Im neuen Quartierstreff soll ab Sommer auch die Senioren-, Wohn- und Pflegeberatung eine zentrale Rolle spielen. Die städtische Beraterin Aleksandra Petz betonte jüngst noch einmal, wie wichtig es für alte Menschen und deren Angehörige sei, diese Leistungen frühzeitig in Anspruch zu nehmen. „Wir begleiten und unterstützen sie, damit sie so lange wie möglich daheim wohnen bleiben können“, sagte Petz.

Bereits im Jahr 2000 hatte der Gesetzgeber entschieden, der ambulanten Betreuung zuhause den Vorzug vor einer Heimunterbringung alter Menschen zu geben. Das ist für den Staat dauerhaft kostengünstiger, außerdem fehlt zunehmend das Pflegepersonal bei einer weiter alternden Bevölkerung. In die Bresche springen sollen deshalb auch die pflegenden Angehörigen. Seit vielen Jahren wurde das Angebot der Senioren-, Wohn- und Pflegeberatung auch in Leichlingen deshalb immer weiter ausgebaut.  

Sie unterstützt die Menschen und ihre Angehörigen bei Fragen rund um Pflege und Versorgung im Alter. Dazu gehören beispielsweise Informationen über Leistungen der Pflegeversicherung, die Organisation und Finanzierung der Pflege daheim, aber auch über Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige. Die Wohnberatungsstelle gibt darüber hinaus Antworten rund um das Wohnen im Alter bei Menschen mit Behinderung, Pflegebedürftigkeit und Demenz, vor allem auch präventiv. „Es gibt so viele Baustellen, bei denen ich unterstütze“, sagte Petz und nannte weitere Beispiele wie die Bestimmung des Pflegegrades, barrierefreies Wohnen und passende Hilfsmittel im Alter, notwendige Vollmachten und wichtige Patientenverfügungen. Eine Unterbringung im Heim sei heutzutage die Ultima Ratio, auch, weil es viel zu wenige Heimplätze gebe.

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Aktuell legt die Stadt vor allem großen Wert darauf, das Angebot der Senioren-, Wohn- und Pflegeberatung vor Ort in Leichlingen zu halten. Der Kreis überlegt bereits seit längerem, die Pflegeberatung zu zentralisieren, speziell die Kommunen im Nordkreis lehnen ab. „Das wollen wir auf jeden Fall verhindern und hier Ansprechpartner behalten“, betonte Bürgermeister Frank Steffes. Vor wenigen Tagen hatte die SPD-Fraktion deshalb beantragt, eine entsprechende Resolution des Rates nach Bergisch Gladbach zu senden. Gerade die Möglichkeit, kurzfristig zur Stelle zu sein, Kooperationen mit lokalen Hausärzten zu pflegen und eine Vor-Ort-Beratung sofort zu ermöglichen, sei extrem wichtig, hob Steffes hervor. Ein Manko sah er vor allem in der psycho-sozialen Betreuung der Menschen und ihrer Angehörigen. „Da ist der zuständige Kreis bislang schlecht aufgestellt“, forderte der Verwaltungschef mehr Unterstützung aus Bergisch Gladbach.

Wenn die Corona-Pandemie es wieder zulässt, will Aleksandra Petz mit ihren Kollegen im Quartierstreff die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Möglichkeiten der Senioren-, Wohn- und Pflegeberatung wieder verstärken. Dann stehen Informationsveranstaltungen, aber auch Netzwerktreffen auf dem Programm, damit alte Menschen so lange wie möglich in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben können.