Leichlingen Den eigenen Atem erfahren

Leichlingen · Petra Elstermeier ist Atemtherapeutin und bietet Kurse in Leichlingen an. Darin lernt man, den Atem zuzulassen, ohne ihn zu kontrollieren, was zu mehr Selbstbewusstsein und Körpergefühl führen soll. Ein Selbstversuch.

 Petra Elstermeier (M.) mit den Teilnehmerinnen des Kurses in Leichlingen: (v.l.) Ingrid Gohmert, Sabine Schmitz, Nicoletta von Lepel, Andrea Hein und Maria Luise Bartz.

Petra Elstermeier (M.) mit den Teilnehmerinnen des Kurses in Leichlingen: (v.l.) Ingrid Gohmert, Sabine Schmitz, Nicoletta von Lepel, Andrea Hein und Maria Luise Bartz.

Foto: Ralph MAtzerath

Dass das Atmen wichtig ist, lernt man beim Yogakurs. Aber womit beschäftigt sich ein Atemkurs? Nicht nur mit Atmen, das lässt sich nach der ersten Stunde feststellen. Sechs Damen haben sich in einer Praxis an der Moltkestraße versammelt. Die meisten besitzen langjährige Erfahrung mit der Methode und freuen sich, dass der Kurs bei Petra Elstermeier nach den Ferien fortgesetzt wird.

Bequeme Kleidung und dicke Socken an, dann startet der Kurs erst einmal mit Dehnübungen, die jeder individuell ausführt. "Alles nur in Maßen", rät Elstermeier. Sie gibt seit 2003 Atemkurse nach der Methode von Prof. Ilse Middendorf, "Wir lassen den Atem kommen, wir lassen den Atem gehen und warten, bis er von selbst wiederkommt": So lautet Middendorfs Credo.

Selbstbewusst und selbstbestimmt

Denn es geht nicht darum, den Atem zu kontrollieren, sondern ihn zuzulassen und zu erleben. Die Körpererfahrung und die erhöhte Aufmerksamkeit sollen selbstbewusster, selbstbestimmter machen.

Maria Luise Bartz nimmt seit sieben Jahren an dem Kurs teil: "Wegen Stress habe ich immer zu kurz geatmet. Durch die Übungen habe ich mehr Atem und dadurch mehr Körpergefühl", sagt sie. Da, wo der Atem hinginge, nehme man sich mehr wahr, hat sie festgestellt. Auch Nicoletta von Lepel hat durch die Atemarbeit mehr innere Ruhe und Kraft gewonnen. "Man ist mehr bei sich", sagt sie, auch weil man sich einmal die Woche 90 Minuten nur für sich konzentriert.

Weiter gehen die Übungen mit Wippen und Drehen, jeder ganz im eigenen Rhythmus, so lange, bis es einem reicht. Dann setzt man sich wieder auf den Hocker und spürt nach. Auch das kennt man vom Yoga. So schult man das eigene Körpergefühl und die Achtsamkeit gegenüber kleinen Veränderungen. "Ohne sie zu bewerten", rät Petra Elstermeier, das sei ganz wichtig.

Die Übungen steigern sich, werden anspruchsvoller. Schwingübungen, bei denen der Kopf und die gestreckten Arme nach vorne und unten fallen, oder Fußkreise um die eigene Achse, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Dann folgt der "Affengang": Während Arme und Oberkörper nach vorne hängen, stampft ein Bein immer vorwärts, die Arme baumeln locker und unkontrolliert aus. Der Atem fließt, wird aber nicht kontrolliert.

Zwischen den Übungen tauschen sich die Teilnehmerinnen aus, was sie wie empfunden und gespürt haben. Erstaunlich ist, wie sehr sie Details wahrnehmen — das muss man offenbar lernen. Es wird ausgiebig gegähnt, wenn es einen überkommt. "Lachen und Gähnen sind der schönste Atem", erklärt die Therapeutin, die auch Einzelbehandlungen anbietet. Gähnen befreit, macht weich und aufnahmefähig, sei nur leider mit offenem Mund nicht immer gesellschaftsfähig, sagt Elstermeier. Hier schon. Aber man merkt, wie schwer es einem fällt, sich vor anderen gehen zu lassen.

Und wie fühlt sich der Körper danach an? Auf jeden Fall locker und entspannt. Der Atem verhält sich unauffällig. Voller Energie starten wir in den Abend.

(RP/rl)