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Das sind die Profiteure der Corona-Krise in Leichlingen

Die „neue Normalität“ : Corona-Krise trifft nicht alle Leichlinger Händler gleichermaßen hart

Wer viel zu Hause ist, hat mehr Zeit zum Lesen oder Nähen. Vielen Unternehmen wie der Leichlinger Buchhandlung Gilljohann oder der Stoffstube geht es nach dem Corona-Shutdown vergleichsweise gut.

Seit zwei Wochen haben in Leichlingen die Geschäfte wieder geöffnet. Mit Mundschutz und Abstand dürfen die Kunden vor Ort einkaufen. Wie erleben die Geschäftsleute diese Zeit nach der mehrwöchigen Schließung ihrer Läden? Wie haben sie den Shutdown durchgestanden, wie sehen sie ihre Zukunft?

Bei einem Thema sind sich alle einig: Die Unterstützung der Leichlinger für ihren lokalen Handel ist riesig. „Es ist Balsam für die Seele und eine enorme Wertschätzung, wie uns unsere Kunden in der Krise unterstützt haben“, sagt beispielsweise Buchhändlerin Lisa Gilljohann dankbar. Dadurch gehe es ihr jetzt mindestens genauso gut wie vor der Corona-Schließung.

Wer daheim bleiben muss, liest mehr. Diese in ihren Augen positive Entwicklung beobachtet Gilljohann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Ihr kommt zugute, dass sie mit ihrem in der Schließungszeit eingeführten Bücherlieferservice schneller war als große Internethändler. „Unser Grossist hatte gedacht, er müsse nur noch ein bis zwei Mal in der Woche Bücher liefern. Aber aktuell kommt er jeden Tag“, erzählt die Händlerin. Für sie ist die Krise vorbei, allerdings fragt sie sich, wie es langfristig weiter geht, wenn die Menschen in Kurzarbeit sind oder länger bleiben. Die Existenz ihres Geschäftes sieht sie aber derzeit nicht gefährdet.

Alles andere als in einer Krise befindet sich Ursula Maag mit ihrer Stoffstube in der Brückenstraße. Schon während der Schließung hatte sie über ihren Stoff-Bestellservice und das Angebot handgenähter Schutzmasken eine dermaßen große Nachfrage, dass sie viel Zeit am Telefon und am Computer verbrachte. „Seit der Wiederöffnung aber ist es ,Hölle“, erzählt Maag. Von morgens bis abends verkaufe sie meterweise Stoff. „So etwas habe ich in 35 Jahren noch nicht erlebt“, sagt sie.

An Gummibänder für Masken sei erst in der kommenden Woche wieder zu kommen, auch einige Baumwollstoffe seien aktuell „aus“. Positiv beobachtet sie, dass die Menschen das Nähen wiederentdeckten. „Sie werden kreativ, wenn sie nicht raus dürfen“, berichtet Ursula Maag über die gestiegene Nachfrage nach Stoffen und Wolle. Auch sie hat den Eindruck, dass die Leichlinger derzeit ganz bewusst vor Ort kaufen, um die Geschäfte zu erhalten.

Noch nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau ist der Umsatz im Spielwarengeschäft Kinderkiste angekommen. „Es finden derzeit keine Kindergeburtstage statt. Das merken wir sehr“, erzählen Monika Jellwitzki und Kathrin Weber. Die Geburtstagskisten, die in normalen Zeiten viel zum Umsatz beisteuern, bleiben aktuell leer. Außerdem sind Spielwarenläden offenbar Geschäfte, in denen die Menschen gucken, lange überlegen, stöbern und suchen. Dazu haben viele mit Gesichtsmaske aber keine große Lust. Die Kinderkiste setzt deshalb seit der Krise vor allem auf noch mehr Service und digitale Medien: Ihr Spielzeug-Lieferdienst während des Shutdowns haben die Leichlinger intensiv genutzt, ihr neuer Online-Shop läuft gut, auf Facebook machen sie viel Werbung. Demnächst wollen sie einen Malwettbewerb anstoßen, um ihre Kunden ins Geschäft zu locken.Trotz der geringeren Umsätze aber sehen sie positiv in die Zukunft, alle Mitarbeiter sind wieder an Bord.

Zufrieden mit den Geschäftszahlen der ersten beiden „wieder offenen“ Wochen zeigt sich auch Luisa Sieker von Mode für Männer. „Die Nachfrage war gerade am Anfang sehr gut, mit beiden Samstagen sind wir zufrieden“, sagt die Geschäftsfrau. Allerdings: Das verlorene Geschäft während des Shutdowns kriegen sie nicht wieder rein und die wegen Corona abgesagten verkaufsoffenen Sonntage im Mai und im August werden ihnen fehlen. Trotzdem ist sie sicher, dass es Mode für Männer auch nach der Pandemie noch geben wird. „Wir werden 100-prozentig überleben“, ist sich Luisa Sieker sicher.