Leichlingen: Das Leih-Porzellan kam mit dem Trecker

Leichlingen: Das Leih-Porzellan kam mit dem Trecker

Morgen vor 60 Jahren gaben sich Christine und Günther Grunwald das Ja-Wort. Diamanthochzeit wird daheim gefeiert.

Kälte im März ist nichts Ungewöhnliches. Vor 60 Jahren lag Leichlingen um diese Zeit unter einer dicken Schneedecke. Christine Grunwald erinnert sich ganz genau, denn der 15. März 1958 war ihr Hochzeitstag.

In Diepental kam man kaum den Berg hoch, mit dem Trecker sollte das dort ausgeliehene Porzellan für die Feier transportiert werden. Die fand, vergleichsweise bescheiden, im Haus der Eltern von Günther Grunwald statt. Der wirtschaftliche Aufschwung hatte erst begonnen und für weite Reisen fehlte noch das Geld. Deswegen konnten auch nur die Eltern der Braut, nicht aber die Geschwister aus ihrem Geburtshaus bei Husum anreisen.

Die Diamantene Hochzeit feiern Christine und Günther Grunwald wieder zu Hause. Aber sie haben ein Catering bestellt, Platz genug haben sie in ihrem Haus, das sie schon ein Jahr nach der Hochzeit in Bremersheide gebaut haben. Sie genießen die funktionierende kleine Dorfgemeinschaft, die mit regelmäßigen Frauen- und neuerdings auch Männertreffs lebendig gehalten wird.

  • Kranenburg : Diamanthochzeit in Kranenburg

Deswegen werden auch die Nachbarn am Festtag einen Besuch abstatten. "Das geht den ganzen Tag über", sagt die mäßig aufgeregte Jubilarin, und: "Das wird schon alles klappen." Auch weil viele Hände mit anfassen. Drei Töchter und ein Sohn leben mit ihren Familien auf dem Grundstück oder in der Nähe. Das Paar hat zwölf Enkel im Alter von 16 bis Mitte 30 und einen vierjährigen Urenkel. Beide sind dankbar für 60 gemeinsame Jahre, denn sie wissen gut, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist. Christine Grunwald kann wegen eines Rückenleidens schlecht laufen, die 82-Jährige ist aber geistig noch sehr rege. Ihr ein Jahr jüngerer Mann erkrankte 2005 an Speiseröhrenkrebs. "Da haben wir nicht geglaubt, noch die Goldene Hochzeit erleben zu können", sagt sie, "Und jetzt dürfen wir sogar Diamanthochzeit feiern."

Christine Grunwald stammt aus dem hohen Norden, wo sie Haushalt lernte, aber keine Arbeit fand. Deswegen verschlug es sie nach Leichlingen, im Restaurant Diepental fand sie eine Stelle. Günther Grunwald war mit seiner Familie aus Ostpreußen geflüchtet. In Burscheid machte er seine Schreinerlehre und arbeitete in einem kleinen Betrieb. An den Wochenenden verdiente er sich als Parkplatzbetreiber in Diepental etwas dazu. Ein einträglicher Nebenjob, denn so hat er seine große Liebe kennengelernt. Ein Jahr später haben sie sich verlobt und nach einem weiteren Jahr geheiratet. Später arbeiteten beide in Weltersbach. Das sei nicht immer einfach gewesen mit vier Kindern, aber ihren Jüngsten konnte sie zum Glück mitbringen in den dortigen Kindergarten.

(RP)
Mehr von RP ONLINE