Integration durch Bildung: Das „Dorf der Könige“ gibt Geborgenheit

Integration durch Bildung : Das „Dorf der Könige“ gibt Geborgenheit

NRW-Innenminister Herbert Reul informierte sich in der katholischen Grundschule Kirchstraße über das Kunstprojekt für Flüchtlingskinder.

Was müssen Kinder erlebt haben, die Sätze wie „Unsere Schuhe waren ganz voll Blut“ oder „Ich weiß nicht mehr, wie meine Mama aussieht, aber ich höre sie“ oder „Hinter meinen Augen weine ich“ sagen?

Einen kleinen Einblick in die tiefen Narben, die Flucht und Gewalt auf Kinderseelen hinterlassen, gibt das Projekt „Integration durch Bildung“, das seit zwei Schuljahren in der katholischen Grundschule Kirchstraße läuft. Kunsttherapeutin Marie Fenske arbeitet dort mit Kindern, vor allem aus Afghanistan, Irak und Syrien. Entstanden ist das „Dorf der Könige“ mit selbstgebauten Häusern aus Pappe und mit ganz vielen kleinen Details, die in ihrer Bedeutung oftmals erschrecken.

„Die Kinder hatten das Bedürfnis, zuhause zu sein, deshalb entstand das Dorf“, erzählt Fenske. Erstes Bauwerk: die hohe Schutzwand, auf der ganz viele kleine Figuren stehen, die Wächter. Sie dürfen niemals fehlen, damit sich die Kinder sicher fühlen. Oder die Kummerwand, in die die Schüler alles stecken können, was sie belastet.

Warum die Häuser den imposanten Namen „Das Dorf der Könige“ tragen? „Weil Könige Würde haben“, sagen die kleinen Bewohner. In den zwei Jahren sind die Jungen und Mädchen zu Königen geworden, haben schlimme Erlebnisse verarbeitet. „Es sind die Fortschritte, die gezeigt werden sollen. In jedem Pinselstrich, in jedem Bild, in jedem selbst gebauten Haus der Kinder steckt Stolz, Lob, gesehen werden“, erklärt Marie Fenske bei der Präsentation am Freitag, die auch NRW-Innenminister Herbert Reul und Bürgermeister Frank Steffes besuchten.

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„Einer, der nur Gewalt kennenlernte und damit allein gelassen wird, hat die beste Chance, einmal selber Gewalt hervorzubringen“, mahnt die Therapeutin. Ein Kind, das in seiner Tiefe gedemütigt und erniedrigt worden sei und keinen Beistand erfahren habe, habe die größten Chancen, selber einmal zu demütigen. „Wir sind aufgefordert, Kindern das Gefühl zu geben, zu Hause zu sein, an einem sicheren Ort anzukommen, geachtet zu sein“, sagt Fenske.

Die Arbeit mit den Flüchtlingskindern ist zugleich Vorbeugung gegen Extremismus. „Radikale jeder Art verstehen ihr Handwerk leider nur zu gut. Nur ein junger Mensch mit Selbstwertgefühl kann solchen Häschern widerstehen“, fordert die Kunsttherapeutin auf, den Kindern zu helfen, ihre eigene Identität zu entwickeln: „In den Ohren unauslöschlich den Schrei des ertrinkenden Bruders, im neunjährigen Schoß die Gewalt der IS Männer, in den Händen das Brot der Verhungernden, im Herzen die verschwundenen Eltern: Weiß man dann noch, wer man ist, erst sieben, acht oder neun Jahre alt?“

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