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Altweiber in Leichlingen: Chef im feinen Zwirn vorerst arbeitslos

Altweiber in Leichlingen : Chef im feinen Zwirn vorerst arbeitslos

Bürgermeister Ernst Müller musste am Donnerstag im Zelt im Alten Stadtpark kapitulieren. Trotz Gegenwehr hatte er gegen das weibliche Dreigestirn keine Chance und musste den Rathausschlüssel abgeben. Da half ihm auch der feine Zwirn nicht.

Rolf Ischerland atmete am Morgen erleichtert auf, nachdem Regen und viel Matsch im Alten Stadtpark dem Veranstalter zwei schlaflose Nächte bereitet hatten. Er nahm den Ärger um den zerstörten Rasen im Stadtpark mit Humor: "Leichlingen versinkt im Matsch. Ein dreifaches Schlamm drüber, wir werden das Ding schon schaukeln", begrüßte Ischerland das närrische Volk, das schon früh bunt kostümiert ins Partyzelt strömte und ausgelassen feierte.

Wo ist denn nur der Bürgermeister wieder?, fragte Prinz Michael II.. Der mischte sich erst Mal unters Volk, in der Hoffnung, dem weiblichen Dreigestirn — Prinz Michael II. (Dembny), Jungfrau Uschi alias Andreas Wegner und Bauer Dirk (Dohr) — doch noch entkommen zu können. "Ist doch klar, der sitzt in seinem Amtszimmer und jammert über die vielen bösen Bürgerinitiativen und über die bekloppten Politiker." Gegen kurz vor zwölf wurde der Stadtchef schließlich entdeckt und prompt auf die Bühne gebeten.

"Halt, halt, halt, was ist denn hier wieder los, letztes Jahr auf der Postwiese, jetzt hier, wo sind die Beschwerdeführer?" — mit diesen Worten betrat der Bürgermeister die Bühne. "Ich musste mir noch eben Gummistiefel kaufen für meinen Einsatz im Stadtpark und die Schranke an der Hochstraße war auch geschlossen" — verkündete der Stadtchef.

"Sach ich doch, der steht an der Schranke. Wolltest wohl abhauen, was, mit der gesamten Stadtkasse ab nach Liechtenstein", bemerkte Jungfrau Uschi spitz.

"Mit der Stadtkasse abhauen, ja was glaubst du denn? Da würd ich nicht mal bis nach Balken kommen", erwiderte der Bürgermeister. Hunderte Narren verfolgten amüsiert das Wortgefecht zwischen Dreigestirn und Bürgermeister im Zelt: "Das ist ja übel, nur Schulden, da fällt es Dir ja nicht schwer, uns mal eben den Stadtschlüssel rüberzureichen." Um Gottes Willen, nein, ich werde meine Verantwortung weiter wahrnehmen, ich kann doch nicht nem Paradiesvogel, ner Fummeltriene und nem Kerl in Strumpfhosen die Geschicke der Stadt überlassen. Nee, nee, das könnt ihr euch abschminken", betonte Müller. Da muss ich weitermachen, wahrscheinlich bis ans Lebensende." Nach gut 40 Minuten gab sich der Stadtchef im feinen Zwirn dann doch geschlagen und übergab den Schlüssel an das Dreigestirn.

Trotz des durchwachsenen Wetters feierten um 11.11 Uhr schon mehrere hundert Jecken im Zelt, darunter auch die 24-jährige Kathrin Pauli (24) mit ihrer einjährigen Tochter Alina, die als Biene verkleidet war. Auch der 90-jährige Ehrenbürgermeister Karl Reul mischte sich mit Kappe unters Volk. Zu den Höhepunkten gehörte gestern eindeutig der Auftritt des Senats — der den "Gangnam Style" präsentierte.

Auch das Kinderprinzenpaar und der TSV Rhein-Wupper versprühten gute Laune. Vom Matsch rund um das Festzelt fühlte sich gestern kaum jemand gestört — jeck gefeiert wurde noch bis in den Abend.

(RP)