Leichlingen: CDU: "Kutschen" statt Einkaufstempel

Leichlingen: CDU: "Kutschen" statt Einkaufstempel

Hoch her ging es bei der "Mittwochs-in"-Diskussion der CDU in den ehemaligen Räumen der Fahrschule Urban an der Montanusstraße. Beim Thema Innenstadtentwicklung gab es sowohl Beschimpfungen ("Idioten"), als auch Zukunfts-Visionen mit Pferdekutschen und Eselskarren.

Das Interesse am Thema war groß: Bei der Diskussion "Mittwochs in Leichlingen" der CDU waren gar nicht genügend Stühle da, so viele Besucher wollten sich zum Thema Innenstadtentwicklung konkret über die geplante Bebauung des Stadtpark-Geländes, informieren lassen. Das Ganze sollte aber keine Debatte von Experten, Architekten, Stadtplanern und anderen werden, sondern "unter uns" sein, unter Leichlingern.

Dazu stellten sich mit Dominique Rondé, dem neuen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Rat, ein Befürworter der aktuellen Vor-Planung sowie mit Jens Weber ein Gegner der Pläne dem Forum.

Weber, der auch in der Bürgerinitiative aktiv ist, legte aber Wert darauf, dass er als Privatperson bei der Veranstaltung auftrete. Doch Fragen hatten wohl die wenigsten Besucher, sie wollten — mehr oder minder lautstark — ihre Meinung äußern.

Als "Idioten" beschimpft

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Der Ton wurde zunehmend aggressiv, insbesondere von Mitgliedern der Bürgerinitiative. Schließlich wurden Befürworter des Projekts aus dem Zuschauerraum heraus gar als "Idioten" beschimpft. Weber wies mit seiner Präsentation durchaus sachlich auf die Situation, aus seiner Sicht die Probleme und die Perspektiven hin. Noch gehe es Leichlingen gut, Geld sei da, aber "wie sieht das in 15 oder 20 Jahren aus wenn die Mietverträge mit den Ankermietern auslaufen", fragte er. Schlecht, so seine Meinung, die demografische Entwicklung zeige, dass es immer mehr Alte geben werden, die ja schon jetzt drastisch ansteigende Altersarmut verstärke sich, und "wer will denn mit 60 oder 80 jeden Tag bei Media-Markt einkaufen gehen?" Schon jetzt gebe es in Leichlingen viele Leerstände, das sei offensichtlich. Seine Sorge sei, dass aus dem seiner Meinung nach viel zu groß dimensionierten Konsumtempel eine Art City C wie in Leverkusen werden könnte: "Ohne die Sparkasse ist das eine Geisterstadt." Für seine Äußerungen bekam Weber vom Publikum Beifall. Doch nicht von allen: "Was kann man denn jetzt noch in Leichlingen kaufen? Berufstätige haben doch keine Chance, die Läden machen zu früh zu", bemängelte eine Teilnehmerin. Weber meinte, wer jetzt von auswärts in Leichlingen einkaufe, käme wegen der kleinen Läden, der gemütlichen Atmosphäre. Leichlingen solle sich auf seine "Blütenstadt"-Tugenden besinnen. Man könne sich sogar vorstellen, dass später einmal "Pferdekutschen" durch den Ort führen und vielleicht Lieferdienste "Eselskarren" einsetzten. Einige Teilnehmer nahmen dies zum Anlass, von guten alten Zeiten zu schwärmen.

Ein Zuhörer, selbst Inhaber eines Geschäftes auf der Brückenstraße, wies auf die von ihm vermutete Bedrohung aus der Umgebung hin: "In Schwelm plant IKEA einen riesigen Home Park, in Remscheid soll ein Outlet-Center entstehen, die nehmen Leichlingen die Kunden weg".

Dominique Rondé war darum bemüht, Sachlichkeit in die Diskussion zu bringen. Bislang gehe es nur um Planungsentwürfe, entschieden sei noch gar nichts. Der Stadtrat wisse, was man wolle, jetzt seien eben die Planer am Zug. Die müssten etwas vorlegen. Rondé sagte aber auch: "Es gibt keinen Weg zurück in die 1970-er Jahre. Leichlingen hat Stärken. Ja, wir wollen den bergischen Charakter bewahren, aber zurück geht es nicht".

Eins allerdings versicherten beide Referenten, sowohl Weber als auch Rondé: Vorerst, in den nächsten drei Jahren, werde man noch keine Bagger im Stadtpark sehen. Das sei sicher.

(RP/url)