Leichlingen/Rhein-Berg: Buslinien-Streit im Kreis gefährdet 140 Arbeitsplätze

Leichlingen/Rhein-Berg : Buslinien-Streit im Kreis gefährdet 140 Arbeitsplätze

In einer Betriebsversammlung hat die Firma Wiedenhoff jetzt ihre Mitarbeiter über den aktuellen Vergabekrieg mit dem Kreis informiert.

Als Reaktion auf die Bekanntgabe der Pläne des Rheinisch-Bergischen Kreises, sechs Wiedenhoff-Buslinien an die Leverkusener Wupsi zu geben, hat Geschäftsführer Constantin Wiedenhoff eine Betriebsversammlung einberufen und seine Mitarbeiter über das weitere Vorgehen informiert. 140 Arbeitsplätze sind demnach in Gefahr. In einem offenen Brief bezog der Firmenchef gestern erstmals Stellung. Hier Auszüge:

"Seit 1924 betreiben wir Linienverkehre im ÖPNV. Die betreffenden Linien wurden von uns entwickelt und jahrzehntelang ohne öffentliche Zuschüsse betrieben", schreibt er - und weiter: "Auf Wunsch des Landes, des Kreises und der Stadt Leverkusen sind wir 1987 dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg beigetreten. Mit dem Beitritt haben wir die Entwicklung zu größeren, einheitlicheren Verkehrsnetzen mitgetragen und mitgestaltet. Wir haben aber auch unsere Eigenwirtschaftlichkeit zugunsten eines flächendeckenden einheitlichen Tarifs zurückgestellt. Der Differenzbetrag wurde uns von RBK und Stadt Leverkusen ausgeglichen. Das fanden wir fair."

"In den letzten Jahren gab es bemerkenswert starke Einnahme-Verschiebungen im Verbund. Ein Großteil der Tarifeinnahmen, die zuvor dem ländlichen Raum zugestanden wurden, flossen in die städtischen Verkehrsräume. Auslöser war und ist eine Verkehrszählung und Hochrechnung, die bis heute strittig ist. Die Firma Wiedenhoff und andere kritisieren die extrem unangemessene Verteilung der Einnahmen zurzeit auch auf gerichtlichem Wege."

"In dieser für das Unternehmen kritischen Phase einigten sich die Firma Wiedenhoff mit dem RBK und der Stadt Leverkusen auf einen Notvertrag für zwei Jahre bis Ende 2016. Dessen Bedingungen sind auf den ersten Blick für Kreis und Stadt eher teuer, weil bei einem negativen Rechtsstreit die Aufgabenträger die entstehenden Verluste ausgleichen wollten. Im Gegenzug verpflichtete sich die Firma jedoch, die strittige Verkehrszählung und Hochrechnung, die für sie eine ungerechte und existenzbedrohliche Situation darstellt, bis Ende 2016 anzuerkennen."

Aber, so Wiedenhoff weiter, der Rechtsstreit sei bis heute nicht entschieden: "Bei einer fairen Entscheidung werden die Kommunen erheblich finanziell entlastet. Nur hat dies niemand kommuniziert!"

Die Direktvergabe an die Wupsi gefährde 140 Arbeitsplätze.Daher kündigt der Chef an: "Um unsere Rechte zu wahren, werden wir und unsere Mitarbeiter kämpfen und die Rechtmäßigkeit einer Direktvergabe gerichtlich klären lassen."

(RP)
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