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Bundestag: Vier Politiker aus Rhein-Berg gehen nach Berlin

Zur konstituierenden Bundestagssitzung : Die Politikgestalter aus Rhein-Berg

Die alten und neuen Bundestagsabgeordneten Hermann-Josef Tebroke (CDU), Christian Lindner (FDP), Harald Weyel (AfD) und Maik Außendorf (Grüne) stimmen sich aktuell auf ihre Arbeit im neuen Bundestag ein.

Der Anruf kam überraschend. „Ich hätte nicht damit gerechnet, als Neuling im Bundestag gleich in einer der Koalitionsgruppen bei der Regierungsbildung mitzuarbeiten“, sagt Maik Außendorf. Der Bergisch Gladbacher hatte im September das Mandat über Listenplatz 18 geholt und sitzt für das Bündnis 90 / Die Grünen nun zum ersten Mal in Bundestag.

Die Berufung als Mitglied der Koalitionsgruppe „Wirtschaft“ unter Leitung von Cem Özdemir stuft Maik Außendorf als Konsequenz seiner beruflichen Erfahrung ein. Der zweifache Familienvater hat mehr als 20 Jahre lang auf unterschiedlichsten Ebenen in der IT-Branche gearbeitet. „Die Sicht aus der Praxis ist bei den Verhandlungen sicherlich nicht verkehrt“. Und noch eine Empfehlung bringt der 50-Jährige mit: Im Stadtrat von Bergisch Gladbach war er – wie jetzt in Berlin – an der Bildung der Ampel-Koalition beteiligt.

„Es prasselt viel Neues auf einen ein, und die Lernkurve ist steil“, sagt Außendorf. Unterstützung, sich im „Neuland Bundestag“ zurecht zu finden, bekommt er von zwei Mitarbeitern in seinem Büro. Übergangsweise hat er ein Appartement in der sogenannten Abgeordneten-Schlange bezogen. Den Weg zwischen Bundestag und Büro sowie seiner Wohnung legt Maik Außendorf – stilecht für einen Grünen-Politiker – größtenteils mit einem Leihfahrrad zurück. „Es gibt zwar eine Fahrbereitschaft für die Bundestagsabgeordneten, aber die habe ich bislang nur einmal ausprobiert, als ich mit einem schweren Koffer unterwegs war.“

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Für einen anderen Bundestagsabgeordneten aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis sollte die Arbeit vor der konstituierenden Sitzung an diesem Dienstag aufgrund langjähriger Zugehörigkeit eigentlich bekanntes Tagesgeschäft sein. Doch Christian Lindner widerspricht: Auch für den FDP-Fraktionsvorsitzenden sei aktuell vieles neu: „Es konstituiert sich nicht nur ein neuer Bundestag, es hat auch eine Veränderung der politischen Landschaft gegeben“.

An der Bildung einer neuen Bundesregierung mitwirken zu dürfen, empfindet Christian Linder als große Ehrung – und Verantwortung. „Auch dies durfte ich zwar schon zuvor, aber niemals waren es Gespräche ohne die CDU“. Somit hat der 42-Jährige in den laufenden Koalitionsverhandlungen Neuland betreten.

Hermann-Josef Tebroke gehörte am Abend des 26. September zu den Siegern in CDU-Kreisen. Mit fast exakt 30 Prozent und einem Vorsprung von über 12.000 Stimmen vor Kastriot Krasniqi (SPD) holte der Lindlarer im Rheinisch-Bergischen Kreis das Direktmandat. Im Gegensatz zu einigen anderen Bundestagsabgeordneten hat Tebroke darauf verzichtet, im Sommer seine Berliner Wohnung zu kündigen. „Ich bin ein Optimist“, sagt der 57-Jährige, der nun in seine zweite Amtszeit geht.

Folglich kann Hermann-Josef Tebroke die Arbeit in seinem angestammten Büro mit seiner Stammmannschaft fortsetzen. Das Einarbeiten und Zurechtfinden bleibt ihm im Vergleich zu 2017 erspart. „Trotzdem sind es spannende Tage, weil ein paar ehemalige Kollegen nicht mehr in Berlin dabei sind und ein paar neue wiederum hinzugekommen sind.“ Und da wäre noch die neue Rolle, die die Christdemokraten im Bundestag künftig einnehmen werden: „Es war das klare CDU-Ziel, weiterhin Teil der Regierung zu sein. Aber das Wahlergebnis ist so, wie es ist.“

Deutlich kleiner als in den Jahren zuvor bildet die CDU die Opposition – eine Rolle, die Hermann-Josef Tebroke und seine Parteikollegen mit Engagement ausfüllen wollen, denn es gebe inhaltlich viel zu gestalten. Er selbst würde dies gerne in Ausschüssen und Arbeitsgruppen weiterhin in den Bereichen Finanzen, Familie und Kommunales tun.

Tebroke hofft darauf, dass SPD, Bündnis 90 / Die Grünen und FDP so bald wie möglich die Koalitionsverhandlungen abschließen und sich eine Regierung bildet. „Das wäre gut für das Land“, lautet sein Urteil. „Vor vier Jahren hat der ganze Prozess viel zu lange gedauert, und es war schwer, in der Warteschleife zu hängen.“

Wie es ist, in der Opposition zu arbeiten, hat Harald Weyel (AfD) in den vergangenen vier Jahren erlebt. „Der Lack des Zaubers Bundestag ist schon lange ab“, sagt der Bergisch Gladbacher ernüchtert. Das habe laut seiner Aussage damit zu tun, dass „das Neue nicht in Sicht ist und Sachdiskussionen aus dem Weg gegangen wird“. 

Die zweite Amtsperiode beschränkt sich für Harald Weyel auf ein berufliches Nachhause kommen. „Man hat sein Büro, man hat seine Stammmannschaft.“ Und er habe den großen Vorteil, dass er thematisch das machen könne, was er auch beruflich gemacht habe. „Von internationaler Betriebswirtschaft und Außenpolitik ist das Publikum hier in Berlin genauso wenig begeistert wie an der Hochschule“, sagt der 62-Jährige und lacht. Während der Sitzungswochen lebt der AfD-Politiker nun erst einmal in einem Berliner Hotel aus dem Koffer.