Leichlingen: "Büscherhof" war Kurzzeit-Eisbahn

Leichlingen: "Büscherhof" war Kurzzeit-Eisbahn

Weil wegen eines Rohrbruchs Wasser auf die Straße zu Rathaus und Blütenbad gelangte, wurde die Fläche in Sekunden spiegelglatt. Feuerwehr, Energieversorgung und Bauhof schoben einen bitterkalten Nachteinsatz.

Korrosionsschaden an Ventilanschlussstelle — was klingt wie aus einer Montageanleitung für begabte Heimwerker war der Grund für den Eiseinsatz von Feuerwehr, Polizei, Energieversorgung Leverkusen (EVL) und Bauhof in der Nacht zu gestern.

Gegen 3 Uhr ging bei der Feuerwehr der Alarm ein: Ein Teil der Straße Am Büscherhof habe sich in eine spiegelglatte Eisfläche verwandelt. "Ein Rohrbruch bei einer unterirdisch verlaufenden Wasserleitung", berichtete Thomas Schmitz von der Freiwilligen Feuerwehr, "dadurch lief Wasser aus und in den Kurvenbereich der Straße. Unsere Einsatzkräfte haben die Leitung abgeschiebert, um den Wasseraustritt zu stoppen." Die Feuerwehrler riefen den Bauhof an, dann war für sie der Einsatz beendet.

Pflastern ist nicht möglich

Für andere ging da erst die Arbeit rund um das "Ärztehaus", einem Nebentrakt des Rathauses, in dem etliche Ärzte ihre Praxisräume haben, los: Die Polizei sperrte die Straße, die Mitarbeiter des Bauhofs streuten ab, und der Notdienst der EVL machte sich an die Rohrreparatur — unter schwierigen Bedingungen. "Wir mussten ausschachten. Aber das war wegen des gefrorenen Bodens wie Beton zu stemmen, wir mussten mit dem Kompressor ran, um ins Erdreich zu kommen", berichtete Jörg Witte, bei der EVL zuständiger Netzmeister für Leichlingen.

Erst dann konnten die Arbeiten beginnen. Die Mitarbeiter seien von 3 bis 7 Uhr vor Ort gewesen. "Fertig sind wir noch nicht", betonte Witte: "Wir konnten die Schadensstelle nur mit Sand verfüllen — ein Loch ist immer noch da, das abgesperrt ist. Pflastern ist bei diesen Temperaturen nicht möglich."

  • Leichlingen : Am Büscherhof wieder freigegeben

Auch die Mitarbeiter des Bauhofs mussten mehrfach raus. Das Abstreuen in der Nacht habe nicht richtig gegriffen, berichtete Witte. Die Bauhof-Kräfte hätten am Morgen Eis wegkratzen und erneut abstreuen müssen, berichtete er. Stadtsprecherin Ute Gerhards bestätigte, noch am Nachmittag sei die Fläche vom nochmaligen Abstreuen ganz weiß gewesen. Für Verkehr etwa zum Blütenbad wurde die Straße am Mittag wieder freigegeben.

Apropos freie Fahrt. Die hätten die Einsatzkräfte der Feuerwehr in der Nacht zu gestern auch bei ihrem zweiten Eiseinsatz gerne gehabt. Die Helfer wurden gegen 21 Uhr zu einem Rettungseinsatz in der Ernst-Klein-Straße gerufen. Ein Patient sollte per Drehleiter aus der zweiten Etage zum Transport per Rettungswagen in ein Krankenhaus geholt werden. "Das Treppenhaus war für die Aktion zu eng", erläuterte Feuerwehrsprecher Schmitz. Deswegen wollte die Feuerwehr die Drehleiter über das Gelände der Grundschule Kirchstraße näher zum Haus bringen.

Das Problem: Die Absperr-Poller zum Schulgelände waren festgefroren, ließen sich keinen Millimeter mehr bewegen. Die Feuerwehr handelte kurzentschlossen. "Wir haben die Poller mit einem Trennschleifer abgeflext, damit das Drehleiterfahrzeug aufs Gelände konnte", klärte Schmitz über den ungewöhnlichen Einsatz auf.

Mit schwerem Gerät müssen zurzeit auch Landschaftsgärtner Frank Lori und sein Team raus, um im Auftrag der Stadt Gräber für Beerdigungen auszuheben. "Die gefrorene Erdschicht ist derzeit gut 20 Zentimeter dick", berichtete Firmenchef Frank Lori. "Da hat auch schon mal der Bagger Probleme durchzukommen."

Abhilfe schaffe ein Presslufthammer, mit dem Löcher gebohrt werden können. Sollte der Boden noch tiefer gefrieren, käme der Presslufthammer zur Not noch stärker zum Einsatz, sagte Lori. "In den vergangenen 15 Jahren mussten wir wegen Frosts noch keine Beerdigung ausfallen lassen."

(RP/rl)
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