Leichlingen: Bahnkritiker Mende: Lärmplan ist Alibi-Aktion

Leichlingen: Bahnkritiker Mende: Lärmplan ist Alibi-Aktion

Der Leverkusener Fachanwalt für öffentliches Recht kümmert sich auch um Leichlinger Lärmopfer. Er greift das Eisenbahn-Bundesamt an.

Hans-Georg Leffin lebt in Balken, nicht allzu weit von der Eisenbahnbrücke entfernt, die zwischen Leichlingen und Opladen über die Wupper verläuft. Als Bahnlärm-Geschädigten bezeichnet er sich nicht, räumt aber ein: "Wenn wir eine feuchte Wetterlage haben, kann ich vor allem die Güterzüge ziemlich laut hören."

Leffin macht sich Sorgen wegen einer Aussage des Leverkusener Rechtsanwalts und Bahn-Kritikers Dr. Walter Mende gegenüber unserer Zeitung. Der hatte gewarnt: "Die Zahl der Güterzüge auf Hauptstrecken wird dramatisch zunehmen." Die Zahl der Züge werde sich um 70 Prozent erhöhen, wenn man einem Gutachten zur internationalen Güterzugstrecke Rotterdam-Genua glauben könne, fügte Mende an.

Das macht Anwohnern wie Leffin Sorge, weshalb Mende allen Betroffenen - ganz gleich, ob in Leverkusen oder in der Blütenstadt - rät, sich schon jetzt gegen die Bahn abzusichern. Doch vom derzeit laufenden Beschwerde-Verfahren zum Lärmaktionsplan etwa, bei dem jeder Bürger seine persönlichen Bahnlärm-Erfahrungen dem Eisenbahn-Bundesamt mitteilen kann, hat Leffin noch nie etwas gehört - wie die meisten Leichlinger: Gerade einmal 15 haben sich bisher daran beteiligt (wir berichteten).

Dr. Walter Mende hat ein offenes Foto: Miserius, Uwe (umi)

Für Fachanwalt Mende - Spezialist für Öffentliches Recht - legt diese Bilanz, die durch ähnlich schlechte Zahlen aus anderen Städten untermauert wird, einen Verdacht nahe: "Das ganze nimmt sich wie eine Alibi-Aktion aus, die Bürgerbeteiligung suggerieren soll, in Wirklichkeit aber kaum etwas dafür tut", bemängelt der Experte, der lärmgeplagte Anlieger auch rechtlich vertritt.

Wer Bürger wirklich informieren wolle, könne sich ein Beispiel am Landesbetrieb Straßen.NRW nehmen. Dessen Planung zum Ausbau der Autobahn 1 und dem Neubau der Leverkusener Rheinbrücke sei zwar auch umstritten, aber keiner könne sagen, er sei darüber nicht informiert worden. Mit einer eigenen Zeitung, Bürgerversammlungen, Presse-Veranstaltungen und nicht zuletzt einem hervorragenden Internet-Auftritt halte Straßen.NRW die Leute stets auf Ballhöhe.

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Das Eisenbahn-Bundesamt dagegen tue kaum etwas dafür: "Dabei hätte man einen Leitfaden für die Kommunen erarbeiten und diese mit finanziellen Mitteln ausstatten können, dass jeder möglicherweise betroffene Bürger eine Postwurf-Sendung in den Briefkasten bekommt", regt Mende an. 10 000 Euro pro Kommune hätten ausgereicht - und das Geld sei vorhanden.

Jetzt empfiehlt der Rechtsanwalt allerdings nicht nur, bei der Online-Befragung, die gerade bis Ende Juni verlängert worden ist, mitzumachen - er hält es auch für sinnvoll, dass Hausbesitzer den derzeitigen Wert Ihrer Immobilie schätzen lassen. Grund: " Falls es später Aussicht auf Schadenersatz durch die Bahn geben sollte, muss jeder den Wertverlust seines Hauses durch Bahnlärm nachweisen können."

Hans-Georg Leffin, der früher bei der Sparkasse gearbeitet hat, schätzt die Kosten dafür auf 300 bis 500 Euro - "kein Pappenstiel", wie er betont. Mende rät, die in jeder Kommune existierenden Gutachter-Ausschüsse einzuschalten - das sei billiger. "Und wer eine Grundschuld oder Hypothek auf sein Haus aufgenommen hat, kann seine Bank nach einer Kopie fragen, denn in solchen Fällen fertigt diese stets Gutachten an."

Auch Leichlingens Bürgermeister Frank Steffes rät Lärmbetroffenen, zumindest an der Befragung des Eisenbahn-Bundesamts teilzunehmen. Dann sei man voraussichtlich dabei, falls es einmal Möglichkeiten auf Schadenersatz geben sollte. Wer sich dagegen jetzt nicht beschwere, habe später kaum eine Chance.

(RP)