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Leichlingen: Bahn fragt nach Lärm - und keiner hört hin?

Leichlingen : Bahn fragt nach Lärm - und keiner hört hin?

Die Stadt Leichlingen hilft beim Ausfüllen der Bahn-Formulare - Die Bürgerbeteiligung läuft am 31. Mai ab.

Die Deutsche Bahn beteiligt die Bürger an den Haupteisenbahnstrecken jetzt auch in Leichlingen an der sogenannten Lärmaktionsplanung. Doch davon scheint kaum einer etwas zu wissen. Erst im Leichlinger Stadtrat kam die Forderung auf, die Bürger zu informieren und denen, die kein Internet haben, zu helfen, ihre möglichen Einwände auch abgeben zu können. Das tut die Stadt jetzt, schließlich läuft die Bürgerbeteiligung bereits am 31. Mai ab.

Kein Wunder, dass bei der Deutschen Bahn auf ihrer für die Bürgerbefragung eingerichteten Internetplattform (www.laermaktionsplanung-schiene.de) aus Leichlingen und auch aus dem benachbarten Leverkusen noch keine einzige Bürgerbeteiligung eingegangen ist: Das bestätigte auf Nachfrage der RP ein Sprecher der Deutschen Bahn. Auf die Rückfrage, wie die Bahn die vorgeschriebene Bürgerbeteiligung denn der Öffentlichkeit bekannt gemacht habe, kam bislang keine Antwort. Die Pressestelle der Bahn versprach aber, das im Hause zu recherchieren. Dabei ist das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) bereits seit 1. Januar mit der Lärmaktionsplanung befasst und soll bis Mitte 2016 den ersten bundesweiten Lärmaktionsplan fertigstellen. Dazu müssen auch die Bürger beteiligt werden. Der Lärmaktionsplan ist ein umweltpolitisches Planungsinstrument, das die Belange des Lärmschutzes berücksichtigt.

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Ziel dieses Instrumentes ist es, die Lärmbelastung für Anlieger langfristig zu senken. Die Lärmaktionsplanung ist deshalb ein kontinuierlicher Prozess, der in einem fünfjährigen Zyklus durchgeführt werden soll.

Und was sagen Betroffene dazu? Da ist Till Schumacher, unmittelbarer Anwohner am Leichlinger Bahnhof. Er liest genauso wie eine Nachbarin ganz erstaunt die von der RP mitgebrachte Ankündigung der Öffentlichkeitsbeteiligung: "Da werde ich mich auf jeden Fall melden", sagt er. Gehört habe er jetzt zum ersten Mal von der Aktion, gibt er gestern zu.

Dabei betrachtet sich der Leichlinger Feuerwehrmann mitsamt seiner Familie als in seiner Gesundheit und Lebensqualität vom Eisenbahnlärm geschädigt. Als er das Haus vor zehn Jahren gebaut habe, sei der Eisenbahnlärm noch auszuhalten gewesen. Der Lärm sei aber durch die erhebliche Zunahme des Güterverkehrs, der auch nachts durchrollt, immer mehr zu einer auch gesundheitlichen Belastung geworden. Auch führen die Intercity-Züge viel zu schnell durch den Leichlinger Bahnhof: "Wir bekommen dann die Schwingungen ab", beklagt der Anwohner und sagt: "Ich würde nie mehr an die Eisenbahn ziehen, das war ein großer Fehler."

Schumacher hat zwar eine zwei Meter hohe Mauer als Lärmschutz zu den Schienen hin gebaut: "Die nützt aber auch nicht viel. Ich wollte eine höhere Mauer bauen, die Stadt hat es aber nicht erlaubt", beklagt er. Für den Leichlinger steht fest, dass er aus der Bahnhofsgegend fortziehen und sein Haus verkaufen will, sobald die Kinder ausgezogen sein werden.

Seine bisherigen Eingaben bei der Bahn hätten nichts genutzt: "Das ist ein aussichtsloser Kampf", kapituliert der Anwohner. Im Übrigen nützen auch nicht einmal die 130 Kilogramm schweren Verglasungen, die er eigens angeschafft habe, gegen den Lärm von den Gleisen, den er mit 100 Dezibel gemessen habe: "45 sind nur erlaubt", verdeutlicht Schumacher.

Etwas anders beurteilt eine Nachbarin die Lärmsituation an der Eisenbahnstrecke (Die Anwohnerin hat allerdings auch von der Bürgerbeteiligung noch nichts gehört). Die Leichlingerin fühlt sich von dem Fahrzeuglärm von der gegenüberliegenden Landstraße weitaus mehr gestört und belastet als von den durchrollenden Züge: "Ich bin hier aber aufgewachsen und deshalb daran gewöhnt", sagt sie. Eine Lärmschutzmauer, so wie ihr Nachbar, lehne sie aber ab: "Eine Mauer würde uns das Licht wegnehmen." Die Leichlingerin fände es besser, wenn die Bahn die Anwohner finanziell dabei unterstützen würde, lärmschützende Fensterverglasungen, die auf dem modernsten Stand sind, anzuschaffen.

(RP)