Leichlingen: Bäume in Strick für eine schönere Stadt

Leichlingen : Bäume in Strick für eine schönere Stadt

Die Aktion, Gegenstände oder Pflanzen in Leichlingen durch Stricken und Häkeln zu verändern, zieht weitere Kreise.

Besucher zücken ihre Kameras und machen schnell ein paar Fotos. Kinder bleiben überrascht stehen und streichen mit den Händen über die Baumstämme. Doch dort, wo sonst eine raue Rinde ist, stecken die Bäume jetzt in einer bunten Wollhülle. Blumen in allen erdenklichen Farben, Streifen und Punkte zieren sie, gestrickt und gehäkelt an langen Abenden. Die Amerikaner nennen das Guerilla Knitting, Urban Knitting, Radical Stitching, Yarn bombing oder gestricktes Graffito, denn der Trend, Gegenstände oder Pflanzen im öffentlichen Raum durch Stricken und Häkeln zu verändern, stammt ursprünglich aus Texas. Seit geraumer Zeit hat er auch Leichlingen erreicht.

Die Idee, die Brückenstraße damit attraktiver und interessanter zu machen, hatte Geschäftsfrau Ursula Maag vor zwei Jahren zur damaligen Kunst- und Klangmeile. Mittlerweile haben die Bäume zwischen der Bäckerei Willeke und dem Eiscafé Dolomiti schon zweimal neue Mäntelchen bekommen, zu Weihnachten sogar besonders festliche in Rot und Gelb. "Ich könnte mich hier richtig austoben", bekennt Maag, der vor allem am Anfang fleißige Strickerinnen wie Carolin und Ulla Görges, Ulla Vogel und Gisela Aberle zur Seite standen. Aber das Handarbeiten macht ihnen nicht nur Spaß. "Mir liegen vor allem die Sauberkeit und die freundliche Gestaltung der Brückenstraße am Herzen", erklärt Ursula Maag ihr Engagement. Und das sei oftmals mit ganz viel Mühe verbunden. Immerhin gehen für eine Baumstammhülle rund sechs Wollknäuel mit mehr als 800 Metern Garn über die Nadeln. Doch am Material dürfte es nicht scheitern, sitzt die Eigentümerin von Ursels Stoffstube doch an der Quelle. Deshalb kann sich die Schneiderin noch weitaus mehr Kunstwerke aus Strick in und um Leichlingen vorstellen, nur, dass das kein Projekt für sie allein wäre. "Ich habe vor einiger Zeit gesehen, dass eine Stadt am Fluss an dessen Ufer behäkelte Schaufensterpuppen als Kunstobjekte aufgestellt hat", erzählt Ursula Maag. Das könne auch für die Wupper funktionieren. "Doch dafür bräuchte ich natürlich ganz viele Menschen, die Lust hätten, daran mitzuwirken", häkelt sie den Faden weiter. Selbst für Menschen, die nicht unbedingt künstlerisch wirken möchten, aber trotzdem gerne häkeln oder stricken, hat sie kreative Ideen.

"Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass man sich im Park trifft und dort gemeinsam häkelt. Das ist doch einfach eine tolle Atmosphäre", schwärmt sie von den vielzähligen Möglichkeiten, die das Handarbeiten bietet. Wer mitmachen will, kann zur Einstimmung ja schon mal einen Blick auf die Bäume in der Brückenstraße werfen.

(inbo)