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Leichlingen: Babypuppen-Test: "Das Ding" nervt, ist aber lieb

Leichlingen : Babypuppen-Test: "Das Ding" nervt, ist aber lieb

Julian Engels (16) ist bedient. Zwei Tage lang kümmerte er sich mit Mitschüler Yagizhan Birinci (15) um einen Babysimulator. "Es war sehr nervig und anstrengend", meint Yagizhan und stöhnt. "Obwohl ich eine kleine Schwester habe."

Von Donnerstag bis Samstag kümmerten sich zehn Schüler der Hauptschule jeweils zu Zweit um fünf programmierte Babypuppen. Das Projekt ist Teil des Wahlpflichtkurses "Kinder-Kinder". "Der diesjährige Durchlauf hat ähnlich gut geklappt wie in den Vorjahren", bilanziert Lehrerin Bettina Broermann-Fiss,.

Das beste Ergebnis erzielten ausgerechnet Yagizhan und Julian mit 100 Prozent. "Wir wurden in der Nacht 27 Mal von dem Ding aus dem Bett gequält", beklagt Julian. Er und sein Freund hatten sich gut abgesprochen und kümmerten sich abwechselnd um die Babypuppe. Andere Gruppen teilten sich diese Aufgabe, indem jeder eine der beiden Nächte komplett übernahm. "Das war unfair, weil es bei mir total ruhig war, aber in der anderen Nacht die ganze Zeit gequengelt hat", klagt Lea Sieben (16).

Trotz der nächtlichen Ruhestörungen gewöhnten sich alle Schüler schnell an ihre Aufgabe. Bereits nach der ersten Nacht konnten sie an den unterschiedlichen Geräuschen des Babys erkennen, woran es der Babypuppe fehlt. "Mir ist es ans Herz gewachsen", gibt Lea zu. "Ich habe sogar eine Nacht ,nachdem ich es wieder abgegeben musste, noch die Stimme im Ohr gehabt".

Auch "Glücksgeräusche" kann das Baby bei guter Pflege von sich geben. "Das gefiel uns allen deutlich besser, als das nervige Geschrei," sagten die Schüler. "In diesem Jahr gab es kein einziges Mal den Fall, dass die Babys nicht gut behandelt wurden", sagt Gudrun Bormacher vom Amt für Jugend und Schule. "Im Protokoll wurde alles aufgezeichnet, außerdem wurde von den Schülern ein Babytagebuch geführt." Mehr als dass ein paar mal die Kopfstützen falsch gehalten wurden, sei nicht passiert. Aber das seien Kleinigkeiten. "Das führte zu guten Ergebnissen. Wie in den Vorjahren war eine Verbesserung in der zweiten Nacht zu sehen. Dann haben die Schüler sich schon etwas daran gewöhnt und wissen was zu tun ist", berichtet Broermann-Fiss.

An eigene Kinder denkt noch keiner der Jugendlichen. "Auch wenn es sehr anstrengend war, will ich trotzdem noch Kinder kriegen, aber erst später", sagt Yagizhan. "Natürlich will ich eines Tages Kinder kriegen, aber das Projekt hat mir gezeigt wie anstrengend es ist", sagt Lea.

Für die nächsten Jahre plant Broermann-Fiss, die "Probe-Elternzeit" auf drei Tage zu verlängern. So soll den Schülern das Gefühl des Elternseins noch näher vermittelt werden.

(RP)