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Ausstellung im Sinneswald: Wo sich Donald Trump wohl wiederfindet

Ab Mai neue Ausstellung im Sinneswald : Wo sich Donald Trump wohl wiederfinden wird

„Würde“: Für ihre jährliche Skulpturen-Ausstellung im Sinneswald haben sich Wicze Braun und Wolfgang Brudes ein besonders herausforderndes Thema ausgesucht. Künstler, die noch mitmachen wollen, sind willkommen.

Wie lange Donald Trump seine Termine wohl im Voraus plant? Nicht erschrecken (oder sich begeistert zeigen, je nachdem), doch es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der scheidende US-Präsident im Mai in Leichlingen einfallen wird. Genauer gesagt: im Murbachtal. Dann vielleicht mit einem weniger orangefarbenen Gesicht. Möglicherweise zehn Kilo leichter. Und eventuell ohne Bodyguards. Der 74-Jährige könnte tatsächlich in allen denkbaren Farben, Formen und Größen auftauchen, aus Ton geformt, Stein gehauen oder in Holz geschnitzt. Denn wohl niemand passt so gut zum Thema der nächsten Ausstellung im Sinneswald wie der US-Amerikaner. Es lautet nämlich „Würde“. Und „wenn es jemanden gibt, der sich auf ganzer Linie unwürdig verhält, dann doch Herr Trump“, sagt Wolfgang Brudes und lacht.

Seit fast 30 Jahren, konkret seit 1993, richten er und seine Partnerin Wicze Braun die weit über die Stadtgrenzen bekannte Skulpturen-Ausstellung aus, jedes Mal zu einem neuem Motto. Beide sind sich sicher, dass ihr Jahresthema für 2021 zu ganz besonderen Werken führen wird. „Schließlich handelt es sich bei ‚Würde’ nicht um einen einfach fassbaren Begriff“, erklärt Wicze Braun. „Auch wenn sie ein zentrales Thema unseres Lebens darstellt.“

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Wie also lässt sich das höchste Gut des Menschen festhalten? Derzeit reichen lokale Künstler ihre Vorschläge ein; manche arbeiten aber auch schon längst an ihren Entwürfen. Verraten wollen Braun und Brudes dazu noch nichts, nur so viel: Selbst wenn sich Ideen ähnelten, was in drei Jahrzehnten durchaus schon vorgekommen sei, so entstünden am Schluss doch immer ganz unterschiedliche Werke. Alle Arbeiten sollen wie gewohnt einen Platz auf dem fünf Hektar großen Grundstück der Initiatoren finden.

Ob das Paar die Eröffnung der Ausstellung am 9. Mai erneut per virtuellem Rundgang abhalten muss, so wie schon 2020, weiß es noch nicht. Schließlich ändern sich die Corona-Schutzmaßnahmen gefühlt alle fünf Minuten. „Natürlich hoffen wir darauf, dass wir dann wieder alle zu uns einladen können“, sagt Braun. Insbesondere freue sie sich auf den Auftritt des „Jungen Theaters Leverkusen“, das gerade dabei sei, Ideen zu sammeln, das Thema schauspielerisch umzusetzen.

Vielleicht lasse sich bis dahin auch ein Problem lösen, das indirekt ebenfalls mit der Pandemie zusammenhängt. Im vergangenen Jahr kamen während des Lockdowns vermehrt Besucher aus der ganzen Region, um sich die Kunstobjekte der vorherigen Ausstellung „Glück“ anzusehen, als beispielsweise eine XXL-Sonnenbrille mit Gläsern in Herzchenform zu sehen war. Oder ein riesiges, in ein Baum gesetztes Endorphinmolekül. „Es waren tatsächlich viele Menschen hier“, erinnert sich Braun, „was dazu geführt hat, dass der Parkraum knapp wurde.“ Hinzu kamen zwei Straßenbaustellen, die die Verkehrssituation verschärften. Selbst die Nachbarn hätten sich ob des Ansturms genervt gezeigt. Deswegen hoffen Braun und Brudes nun, dass im Fall eines erneuten „High Life“ im Murbachtal die Stadt hilft und zum Beispiel auf einem brachen Gelände in Balken Parkplätze einrichtet.

Wobei Braun und Brudes derzeit über viel Raum verfügen, denn wegen des Lockdowns muss auch ihr Sinneswald geschlossen bleiben. „Das Gute an dieser Auszeit ist, dass wir als Gesellschaft mehr über uns selbst nachdenken und unser Handeln hinterfragen können“, sagt Braun. „So kamen wir auf das neue Motto.“ Möglich also, dass ein gewisser Herr in Washington demnächst auch noch zu Würde findet – oder eben ins Rheinland kommt. Florida kennt er ja zur Genüge.