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Leichlingen: Ausfallbürgschaft für Kulturexperimente

Leichlingen : Ausfallbürgschaft für Kulturexperimente

Die Kommunalpolitiker im Kulturausschuss wollen das städtische Kulturprogramm mitbestimmen. Ute Gerhards, verantwortlich für die städtischen Kulturveranstaltungen, verlangt dann aber eine Ausfallbürgschaft im Haushalt.

Vehement verteidigt wurde gestern Abend im Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport (SKS) der Antrag der SPD-Fraktion auf Mitbestimmung beim städtischen Kulturprogramm. Wie berichtet, hat die SPD Programmvorschläge gemacht, damit das städtische Kulturprogramm aus ihrer Sicht kostendeckender ablaufen könne. Dem haben die "Macher" des städtischen Kulturprogramms aber entgegen gehalten, dass sie bereits kostendeckend arbeiten, weil sie schon publikumsorientierte Veranstaltungen anbieten und demzufolge volle Säle haben.

Im Fachausschuss verteidigte zunächst SPD-Mitglied Erika Horsthemke den Antrag ihrer Fraktion. Man habe entgegen der Zuständigkeitsordnung des Ausschusses, der eigentlich nur vorsehe, über die Rahmenplanung zu entscheiden, untereinander abgemacht, trotzdem eigene Vorschläge zum Kulturprogramm beizusteuern. Ihr stimmten die Redner der übrigen Fraktionen zu.

Kulturamtsleiterin Ute Gerhards versprach den Politikern zunächst, deren Vorschläge zum städtischen Kulturprogramm aufzugreifen: "Es wird da etwas machbar sein." Zum eigentlichen Punkt des SPD-Antrages, der Kostendeckung der städtischen Kulturveranstaltungen, sagte sie aber: "Ich habe eine große Bitte an den Ausschuss. Wir haben für die Sachkosten keine Haushaltsmittel. Wir müssen volle Häuser haben, und bislang haben wir kostendeckend gearbeitet. Ich habe jetzt Bedenken, wenn wir Neues anfangen, dass wir ein Finanzloch bekommen. Deshalb bitte ich den Ausschuss um eine Bürgschaft von 5000 Euro." Ausschussvorsitzender Rainer Hüttebräucker (CDU) meinte, man könne vielleicht für derartige "Experimente" einen Sponsoren finden, der auch die Ausfallkosten trage. Damit stieß er auf Skepsis im Ausschuss.

Auch der von Hüttebräucker im Ausschuss und von Matthias Ebecke zuvor schon gegenüber der RP geäußerten Meinung, man könne durch zusätzliche, von den Kommunalpolitikern gemachte Programmvorschläge, sogar einen Teil der Personalkosten für die Kultur bei der Stadt decken, musste Gerhards widersprechen: Mit 53 000 Euro Eintrittsgeldern und 20 000 Euro Sponsorenmitteln lasse sich derzeit der städtische Kulturbetrieb kostendeckend gestalten: "Wenn wir auch noch Personalkosten decken sollten, dann müssten wir die doppelten Eintrittspreise (bei trotzdem weiterhin vollen Häusern) nehmen und dazu noch die doppelte Menge durch Sponsoring erzielen. Das ist nicht möglich!", sagte sie.

So soll nun im nächsten Jahr über eine Bürgschaft im städtischen Haushalt von 5000 Euro beraten werden, um mögliche Flops bei Veranstaltungen, die aus Politikerkreisen gewünscht wurden, finanziell auffangen zu können.

Der Ausschuss tagte gestern übrigens in Witzhelden, was den Vorsitzenden des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) Witzhelden, Dr. Ulrich Braun, besonders freute. So nutzte er auch gleich die Gelegenheit, auf einen prominenten Witzheldener hinzuweisen: den Komponisten Johann Wilhelm Wilms, dessen Geburtshaus an der Solinger Straße steht. Die neue Vorsitzende der internationalen Johann Wilhelm Wilms-Gesellschaft, Dr. Yvonne Wasserloos, und Beisitzer Heinrich Hendricks präsentierten gemeinsam mit Braun ihre Intention, den in Deutschland "zu Unrecht in der zweiten Reihe rangierenden Komponisten" - wie Wasserloos es formulierte - aus der Vergessenheit zu holen. Sie luden auch gleich zum nächsten Taufkonzert mit Wilms-Werken am 22. März ab 17 Uhr in die evangelische Kirche in Witzhelden ein.

(RP)