Leichlingen: Arbeitsagentur nennt Flüchtlingskurs-Panne "unfassbar"

Leichlingen: Arbeitsagentur nennt Flüchtlingskurs-Panne "unfassbar"

Im Eklat um Kriegsvokabular in einem Deutschkurs zur beruflichen Eingliederung von Flüchtlingen hat die Agentur für Arbeit gestern lückenlose Aufklärung versprochen.

Christoph Löhr, Sprecher der NRW-Regionaldirektion, in deren Zuständigkeitsbereich die dubiosen Arbeitsblätter mit Kriegs-Inhalten aufgetaucht waren, kündigte für kommende Woche ein Treffen mit dem Trägerverein des Sprachkurses an. Das soll endgültig Aufklärung bringen, ob es sich um den Alleingang eines einzelnen Kursleiters handelt oder ob am Ende doch mehr Blätter dieser Art von der Internet-Plattform "mein Deutschbuch.de" heruntergeladen worden sind.

Die Übungssätze aus einem Deutschkurs für Asylbewerber, den die Arbeitsagentur Bergisch Gladbach als "Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung" vermittelt hatte, waren von Ärzten als Trauma-verstärkend kritisiert worden.

Unsere Zeitung hatte den Fall mit Hilfe eines in Leichlingen wohnenden Asylbewerbers aus Afrika bekannt gemacht. In seinem Deutschkurs hatte er Sätze wie "Die Geiselnehmer ermordeten ihre Geisel, ohne mit der Wimper zu zucken", bearbeiten müssen.

Der aus Bergisch Gladbach stammende CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach betonte gestern auf Anfrage, solche Sätze hätten in Deutschkursen "absolut nichts verloren", egal, ob es sich bei den Teilnehmern nun um Flüchtlinge oder andere Ausländer handele: "So etwas macht man einfach nicht", sagte Bosbach.

Arbeitsagentur-Sprecher Löhr nannte den Vorgang "unfassbar". Dabei genieße der Trägerverein des Kursangebotes eigentlich einen sehr guten Ruf. Zudem gebe es jedes Jahr mehr als 1000 stichprobenartige Kontrollen bundesweit, und über sogenannte Maßnahmenbegleiter werde jeder einzelne Kurs auch durchgängig betreut und qualitativ bewertet. Die Zahl der Teilnahmeberechtigungen an solchen Kursen hat sich mit 400.628 im vergangenen Jahr noch einmal stark erhöht.

(RP)