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Leichlingen: Anwohner retten Überfall-Opfer

Leichlingen : Anwohner retten Überfall-Opfer

Nachbarn ließen einen von brutalen Schlägern verprügelten Mann ein. Sie kritisieren die Polizei.

Ein 20-jähriger Anwohner unweit des Leichlinger Jugendzentrums in der Oskar-Erbslöh-Straße und seine Mutter haben einem Pärchen, das dort am Dienstag von sieben bis acht unbekannten Männern brutal attackiert worden ist, Zuflucht geboten und so offenbar Schlimmeres verhindert.

Das junge Paar war am späten Abend von mehreren Männern mit Fäusten, einem Messer und Reizgas angegriffen worden (wir berichteten). Nach Angaben der Polizei waren die 21-jährige Frau und ihr 29-jähriger Freund gegen 22.50 Uhr auf einer Wiese in der Nähe der Wupper hinter dem Jugendzentrum unterwegs, als sich der Angriff ereignete.

Der 20-jährige Anwohner, der namentlich nicht genannt werden will, berichtete am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung, kurz vor 23 Uhr habe es an seiner Haustür plötzlich Sturm geschellt. Auf der Schwelle habe das 29-jährige Opfer gestanden. "Der Mann war blutüberströmt und stand deutlich unter Schock", sagt der Leichlinger: "Er hatte es geschafft, wegzulaufen und an mehreren Häusern geklingelt." Daraufhin seien die Angreifer geflohen.

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"Polizei brauchte 30 Minuten"

Während der Leichlinger sich um den verprügelten Mann kümmerte und die Nachbarn um die inzwischen ebenfalls aufgetauchte Freundin, die zunächst in eine andere Richtung geflüchtet war, rief die Mutter einen Rettungswagen und die Polizei .

Doch über deren Reaktion ärgerte sie sich dermaßen, dass sie sich jetzt in einem Schreiben an die Kreispolizeibehörde, das sie öffentlich machte, beschwerte. "Der Krankenwagen kam unverzüglich", heißt es darin: "Die Polizei tauchte erst zirka 30 Minuten später auf, nachdem sich das ganze Geschehen schon längst wieder beruhigt hatte. Polizeitechnisch passierte gar nichts. Gegen 23.35 Uhr war der Spuk vorbei."

Ihr Sohn fügte am Donnerstag noch hinzu, die Beamten hätten auch nach ihrem Eintreffen am Ort des Überfalls weder die Nachbarn befragt, noch sonst großartig etwas unternommen.

In dem Beschwerde-Schreiben heißt es dazu: "Der Krankenwagen sowie die Polizei, die wohl tatsächlich zirka zwei Minuten anwesend war, fuhren weg. Kurze Zeit später fuhr ein anderes Auto mit auffallend hoher Geschwindigkeit vorbei. Vielleicht waren dies sogar die Täter. Dieser Teil der Oskar-Erbslöh-Straße ist eine Sackgasse. Die Täter konnten also nur abwarten oder aber zu Fuß flüchten." Es könne nicht gewollt sein, "dass in solchen Situationen die Sanitäter unverzüglich zur Stelle sind und die Täter seelenruhig davonkommen, weil die Polizei eine Anfahrt von 30 Minuten braucht".

Die Polizei versicherte am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung, man nehme die Beschwerde sehr ernst und prüfe sie zurzeit intensiv. Sobald dies abgeschlossen sei, werde man sich auch öffentlich äußern. "Haben Sie aber bitte Verständnis, dass wir erst die Beschwerdeführer persönlich informieren wollen", erklärte ein Sprecher der Behörde.

(RP)