Leichlingen: Anschlag-Serie auf Jäger

Leichlingen : Anschlag-Serie auf Jäger

Neunmal haben Unbekannte seit Beginn dieses Jahres im Jagdrevier von Uwe Völz nahe St. Heribert Ansitze zerstört. Erst vor wenigen Tagen wurden wieder drei abgesägt. Die Jäger setzen jetzt eine Belohnung aus.

Uwe Völz steht im Feld am Rande eines kleinen Wäldchens und zeigt auf den umgestürzten Ansitz. "Sehen Sie, hier sind die Stützen eindeutig durchgesägt worden", sagt der 52-Jährige. Gerade erst sei die Holzkabine renoviert worden, in der die Jäger in einigen Metern Höhe das Wild beobachten: "Jetzt können wir wieder von vorn anfangen."

Seit etwa einem Jahr hat der Solinger das etwa 300 Hektar große Jagdrevier nahe St. Heribert gemeinsam mit seinem Jagdpartner Frank Ern gepachtet. "Der überlegt aber schon, ob er wieder aufhören soll", berichtet Völz. Grund: Unbekannte haben im Laufe dieses Jahres neun Anschläge auf Jägeransitze in dem Revier verübt. Umgeworfen, abgesägt — "uns sind 13 000 bis 14 000 Euro Schaden entstanden", berichtet der Tischlermeister.

"Mindestens drei Personen"

Allein am vergangenen Wochenende wurden wieder drei dieser Holzkonstruktionen zerstört. "Mindestens drei Personen" seien das gewesen, berichtet Völz. Das habe die Polizei anhand der Fußabdrücke im Feld feststellen können.

  • Leichlingen : Debatte um Attacke auf Jäger
  • Leichlingen : Gezielte Attacken auf Jäger?
  • Stichwort : Jagdrevier

Der Jagdpächter, der gestern mit dem Leichlinger Volker Birkhölzer die den Schaden noch einmal in Augenschein nahm, vermutet militante Jagdgegner hinter den Attacken. Die, so erklärt Birkhölzer, habe es zwar immer schon gegeben, doch das Ausmaß der Gewalt sei neu und ziemlich erschreckend: "Ein paarmal waren die Ansitze auch nur angesägt. Da hätte werweißwas passieren können." Schließlich seien solche Beschädigungen nachts, wenn Jäger aktiv sind, nicht unbedingt zu bemerken. Am kommenden Montag tagt der örtliche Hegering. Dann soll auch über die Anschläge gesprochen werden.

Birkhölzer und Völz betonen: Wenn die Attentäter wüssten, worin die Hauptarbeit der Jäger besteht, würden sie so etwas wahrscheinlich nicht tun. "Wir legen Winteräcker an, damit Hasen, Rehe und andere Wildtiere auch in der kalten Jahreszeit genug Futter finden." Hinzu kämen Absprachen mit den Landwirten, dass diese ihre Felder nicht wildschädlich bewirtschaften. Auch um Fördermittel für den Wildbestand kümmere man sich. "Der Abschuss macht den geringsten Teil unserer Arbeit aus", sagt Völz, "ist aber auch wichtig, damit sich beispielsweise die Wildschweine nicht unkontrolliert vermehren. Die graben dann nämlich plötzlich die Vorgärten um." Wer Jäger angreife begünstige letzten Endes auch solche Schäden.

Einfach so hinnehmen wird Uwe Völz die Attacken nicht. Er hat Anlieger gebeten, die Augen offen zu halten und eine Belohnung ausgesetzt. Auch die Polizei betonte gestern, sie sei für jeden Hinweis dankbar. Spaziergänger oder Anwohner, die etwas Auffälliges bemerkten, sollten lieber einmal zu viel als einmal zu wenig bei den Ordnungshütern anrufen.

(RP/jt)
Mehr von RP ONLINE