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Annette Langen: Zusammenhalten bleibt zeitlos, keine Frage

Leichlingerin schreibt neues Kinderbuch : „Felix“-Autorin Annette Langen: Zusammenhalten bleibt zeitlos

20 Jahre freie Autorin: Annette Langen feiert Dienstjubiläum – mit einem neuen Bilderbuch. Eine Kriegsgeschichte ihres Vaters inspirierte sie zu ihrer Version der Weihnachtsgeschichte.

Manchen Menschen kommen die besten Ideen unter der Dusche. Anderen beim Reisen quer durch die Welt, wenn sie sich von fremden Ländern und Kultur inspiriert fühlen. Annette Langen geht in den Wald. Genauer gesagt: Sie läuft, und zwar am liebsten morgens. „Dann sprudeln die Gedanken für neue Bücher oft nur so“, erzählt die 53-Jährige. Und das tun sie seit zwei Jahrzehnten. Denn in diesem Jahr feiert die Leichlingerin Dienstjubiläum: Seit 20 Jahren verfasst sie als freie Autorin Kinder- und Jugendbücher. Eine große Sause muss wegen der Pandemie leider ausfallen, feiern kann Langen nicht mit ihren jungen Lesern. Dafür kommt ein neues Bilderbuch heraus. „In einer stillen Nacht“ heißt das gerade im Coppenrath Verlag erschienene Werk, in dem Langen die Weihnachtsgeschichte neu erzählt.

In ihrer Version findet ein junges Paar bei einer Familie Unterschlupf, die zuvor selbst zu Verwandten auf dem Land hatte flüchten musste. Noch in der gleichen Nacht, „in der die Sterne am Himmel so hell leuchteten, wie ich es noch nie gesehen hatte“, kommt das Christkind zur Welt. Was so Wundervolles passiert, beschreibt eine namenlose Ich-Erzählerin. Auch ihr Alter bleibt ein Rätsel. Ein Zufall? Mitnichten. Denn das Buch soll jeden ansprechen, der anderen helfend zur Seite stehen möchte – selbst wenn dies unter den aktuellen Voraussetzungen keinesfalls einfach erscheint.

„In einer stillen Nacht“ ist allerdings nicht während der Corona-Krise entstanden, was durchaus denkbar wäre, beherrschten doch auch Nachrichten des abgebrannten Flüchtlingscamps auf der griechischen Insel Moria die Schlagzeilen. Ihr neues Buch hat Annette Langen schon vor vier Jahren geschrieben, kurz nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Und sie benötigte mehr als eine stille Nacht. „Mit dem Thema beschäftige ich mich seit 2010“, sagt sie. Es brauchte am Ende aber viele „kleine Steinchen, die sich wie ein Mosaik zusammensetzen“, um die Erzählung zu vollenden, beschreibt die gebürtige Leverkusenerin ihren Arbeitsprozess. Und bis das Buch in den Läden stehen konnte, folgten Illustration, Korrektur und Druck. Ein aufwendiger Prozess.

Für „In einer stillen Nacht“ lief Annette Langen nicht nur durch den Wald, um ihre Fantasie anzukurbeln. Auch das Leben inspirierte sie. Der Hinweis „nach einer wahren Begebenheit“ auf der Buchrückseite zielt nämlich auf zwei Ereignisse ab: Zum einen hörte Langen von einer Flüchtlingsfamilie, die bei einer anderen Familie unterkommen konnte, „was mich sehr bewegt hat“. Zum anderen dachte sie an die Kindheit ihres Vaters. 1938 geboren, erlebte dieser den Zweiten Weltkrieg an der Mosel; die Lebensmittelknappheit traf auch seine Familie. Im Keller versteckte er deswegen seinen größten Schatz: ein Stückchen Schokolade, das ihm ein Soldat geschenkt hatte. „Leider wurde es durch die Feuchtigkeit schimmelig, sodass mein Vater es am Ende gar nicht essen konnte“, erinnert sich seine Tochter. Die Erfahrung sei so prägend gewesen, dass Langen entschied: Sie muss Teil des Buches werden.

Und so überreicht die namenlose Erzählerin der jungen Frau nach Christi Geburt eben diese Süßigkeit: „Ich hatte den Riegel aufgehoben. Mir immer wieder vorgestellt, wie süß und zart die Schokolade in meinem Mund schmelzen würde.“ Geben und Zusammenhalten? Auch im 21. Jahrhundert ein Muss. „‚In einer stillen Nacht’ ist ein zeitlose Geschichte mit einer aktuellen Botschaft“, sagt Langen.

(Anja Francesca Richter)