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Andreas Wengel war mit Traktor und Wohnwagen in Irland

Andreas Wengel und sein Traktor : Mit „Mäuschen“ auf ganz großer Fahrt

Andreas Wengel aus Leichlingen sammelte auf seiner Reise mit einem Oldtimer-Traktor nach Irland viele Geschichten.

Rund 250 Kilometer vor Leichlingen nahe der niederländischen Grenze ging „Mäuschen“ dann doch die Puste aus. Mehr als zweieinhalb Monate hatte der alte Traktor, der wahrscheinlich auch in einem Museum stehen könnte, das Gespann mit einem gut eine Tonne schweren Wohnwagen von der Blütenstadt nach Irland und zurück gezogen. Für Wengel der Trip seines Lebens.

Doch all die Strapazen, die unzähligen Landstraßen, Feldwege und Großstädte, hatten dem alten Eicher ED 25N ordentlich zugesetzt: die Achse brach. Nach einem undefinierbaren Geräusch war der treue Untersatz nicht mehr zu retten. „Ich bin abgestiegen, habe zuerst gar nichts gesehen“, berichtet Wengel jetzt nach seiner Rückkehr. „Dann fiel mit auf, dass ein Rad 20 Zentimeter raus stand.“ Die messerscharfe Analyse: „Da war nichts mehr zu machen.“

Für Wengel eine harte Einsicht. Schließlich hatte er die Maschine über die Zeit lieben und schätzen gelernt. Ein zunächst eventuell angedachter Verkauf rückte in den Bereich des Unmöglichen. 15 Kilometer pro Stunde kam das fast neun Meter lange Gespann weit. Wie sehr der Trip entschleunigte, wurde Wengel erstmals im Wagen des ADAC klar. Der fuhr, den Traktor abschleppend, nur Tempo 80 auf der Autobahn – für Andreas Wengel nahezu Lichtgeschwindigkeit.

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Kurz vor seinem Abenteuer hatte der 54-Jährige nahezu seinen gesamten Besitz verkauft. Den Job und die Wohnung gekündigt, und für ihn überflüssigen Besitz losgeworden. Er wolle Geschichten sammeln, erläuterte er vor seiner Abreise im Mai im Gespräch mit der RP. Ein Unterfangen, das gelingen sollte. „Leute haben mich auf der Straße angehalten, wollten ins Gespräch mit mir kommen. Ich wurde zu Feiern, auf Kaffee und Mittagessen eingeladen“, erzählt Wengel. „Die Menschen waren so offen, so neugierig.“

So nahm er auf einer Landwirtschaftsausstellung für seinen Traktor spontan den Preis für das schönste Fahrzeug sowie 100 Euro mit auf die Weiterfahrt. Einmal habe er ein Rennteam getroffen, das ihn bat, auf der Rennstrecke von Santa Pod bei Podington in England, ihren Ford Shelby GT auf die Startposition zu ziehen. Also bugsierte sein rund 25 PS starker Traktor ein Muscle Car, das über 500 PS unter der Haube besitzt und in der Spitze fast 300 Stundenkilometer schnell ist an die Linie. „Da bist du natürlich der Held“, bekennt Wengel.

Der stellte zudem fest, dass die Menschen in den Niederlanden, England und Irland ohnehin insgesamt etwas offener seien als die Leute in Deutschland. Hierzulande werde ihm viel schneller Argwohn und Skepsis entgegen gebracht. „Da ist keine Neugier“, sagt er.

Die jedoch treibt den 54-Jährigen schon seit einer Weile um. Vor der Fahrt nach Irland hatte er bereits einige Zeit in Costa Rica verbracht, schlief im Dschungel. Doch könne die Erfahrung keineswegs mit dem Trip auf die grüne Insel mithalten. „Ich wusste gar nicht, dass es so viele Grüntöne gibt“, zeigte sich der Abenteurer erstaunt.

Momentan befindet sich Wengel in Dresden, schaut nach eigener Aussage, was es in der Hauptstadt Sachsens zu tun gibt. Ewig dieses ungeordnete Leben weiterführen, das ginge schließlich auch nicht.

Wenngleich, berichtet er, habe er bereits ein neues, sehr ehrgeiziges Ziel ins Visier genommen. Sollte sich ein guter Zweck ergeben, würde er die europäische Grenze abgehen – nur mit einer Schubkarre als Transportmittel. Die Idee kam ihm, als er in Irland Karen Penny kennenlernte. Die nämlich läuft seit ein paar Jahren die Küste Großbritanniens ab – und sammelt so Geld für die Alzheimerforschung.Daraus zieht Andreas Wengel die Motivation. „Wenn sich ein guter Zweck findet, würde ich das sofort machen.“