Andreas Wengel aus Leichlingen fährt mit dem Trecker nach Irland

Andreas Wengel auf Tour : Auf dem Traktor immer der Sonne nach

Andreas Wengel ist auf dem Weg nach Irland. Bei der langsamen Fahrt will er vor allem „Geschichten sammeln“.

Eine Tankstelle irgendwo in einem Vorort von Rotterdam. Einmal mehr muss Andreas Wengel pausieren. Die Benzinleitung seines alten Traktors saugt offenbar Luft, so die erste Diagnose. Doch von der abermaligen Verzögerung lässt sich der 54-jährige Leichlinger auf seinem Abenteuer nicht aus der Ruhe bringen. Er fährt – oder besser: tuckert – bis auf die grüne Insel Irland.

Der Weg ist das Ziel: Andreas Wengel hat keinen Zeitdruck auf seinem langen Weg nach Irland. Foto: Andreas Wengel

Über Facebook hält er die Menschen in der Blütenstadt laufend über die neusten Geschehnisse auf seiner langen Reise auf dem Laufenden. Das artet fast in Arbeit aus, sagt der plötzlich so bekannte Abenteurer, der in den vergangenen Tagen 400 neue Freunde in dem sozialen Netzwerk begrüßen konnte.

Nun ist die erste Frage, die sich wohl ein Jeder stellt, die nach dem Grund für eine solche Tortour. Mit allerlei Zwischenstopps und Umwegen wird die Reiseroute rund 2000 Kilometer betragen – auf einem Traktor, der nur 15 Stundenkilometer schnell fahren kann und einem Wohnwagen, der das Gespann auf über neun Meter strekt.

Für Wengel ist die Sache klar: „Ich mache die Tour, um Geschichten zu sammeln“, erläutert er. Eine geplante Route gebe es nicht. „Ich schaue an der nächste Kreuzung“, berichtet der 54-Jährige. Oder er fahre einfach nach der Sonne, das ginge auch. Nur ein paar wenige Dinge wolle er auf jeden Fall sehen: Stonehenge gehöre dazu.

Bis der Reiselustige dort ankommt, dürfte allerdings noch etwas Zeit ins Land gehen. 30 bis 35 Kilometer pro Tag komme er voran, erzählt er. Das ist wahrlich nicht viel. Früher, sagt Andreas Wengel von sich selbst, sei er schnell aus der Haut gefahren. Das habe sich jetzt geändert. „Ich nehme die Dinge mit Gelassenheit“, betont er. Und anders könne man diese Tour auch gar nicht bewältigen.

Vor eineinhalb Wochen tuckerte der Eicher ED 25N, ein altes Gefährt aus der Nachkriegszeit, los. Immer auf der Suche nach neuen Freunden und Geschichten. So fand sich Wengel vor kurzem auf einer Familienfeier wieder. Eigentlich hatte er nur einen Kaffee trinken wollen. „Mit so einem Gespann lernt man so viele Leute kennen“, erfreut sich der 54-Jährige. Viele seiner Weggefährten verewigen sich auf Traktor und Wohnwagen.

Allerdings: vorgestern legte Wengel eine Pause ein. Das Fahren sei mitunter sehr anstrengend, die Oberschenkel brennen. Kupplung und Bremse erfordern großen Kraftaufwand und vorausschauendes Fahren.

So sehr sich Wengel keinen Plan gemacht hat, so klar ist das Ziel in Irland: Arbeit finden – egal was. Früher arbeitete er in Hotels. Dann aber kündigte er und krempelte sein Leben um. Jetzt geht’s also nach Irland – vielleicht sogar für immer.

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