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Andreas Meisner läutet Leichlinger Orgelsommer fulminant ein

Gast aus Odenthal spielt zum Auftakt : Andreas Meisner läutet Orgelsommer fulminant ein

Der Altenberger Domorganist eröffnete den traditionellen Sommer-Zyklus – im Corona-Jahr vor 60 Zuhörern. Beim nächsten Konzert am kommenden Freitag sind 100 Gäste in der Kirche zugelassen.

Das war ein üppiger Auftakt. Mit Johann Sebastian Bachs Fantasie und Fuge g-Moll eröffnete der Altenberger Domorganist Andreas Meisner den Leichlinger Orgelsommer 2020, in dem auch der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven gefeiert wird, und der 150. von Louis Vierne. Beiden gratulierte Meisner in diesem ersten Konzert seit Corona. Sehr zur Freude der eingeladenen Musiker und der rund 60 Zuhörer, die beim ersten Konzert die evangelische Kirche füllten. Mehr ging nicht wegen der Abstandsregeln, die aber in dieser Woche weiter gelockert werden.

Dass die beeindruckende Kraft von Bachs Werk 300 Jahre nach seiner Entstehung seine Hörer immer noch in seinen Bann zieht, wundert nicht, wenn es so fein artikuliert, farbig registriert und die Fuge mit so viel Drive gespielt wird, wie es Andreas Meisner auf der Leichlinger Schuke-Orgel tat. Und es wurde noch einmal klar, warum die Menschen in den vergangenen Monaten die Live-Konzerte so sehr vermisst haben. Die beste digitale Technik kann das unmittelbare Erleben im Raum nicht ersetzen, selbst wenn die Akustik in der kleinen Barockkirche nicht so üppig ist. Dem fehlenden Nachhall im Vergleich zu seinem bergischen Dom Begegnete der Gastorganist mit möglichst dichter Spielweise. Nach der energischen, transparent präsentierten Fuge ließ Meisner mit einer leichten Flötenmelodie auf zurückgenommenem Akkordrepetitionen ein wenig Ruhe einkehren. Um dann die ganze Aufmerksamkeit auf das ältere Geburtstagskind zu lenken. Kein donnernder Beethoven in sinfonischer Stärke, sondern ganz innig und ausdrucksvoll mit dem Adagio Cantabile aus der berühmten Grande Sonate Pathétique, das hier natürlich in der dichten Orgelfassung erklang.

Mit Louis Vierne läutete Meisner auf der Orgel die Glocken zum Ausgang. Nicht irgendwelche, sondern die „Carillon de Westminster“, deren Original im Londoner Wahrzeichen derzeit wegen Restaurierungsarbeiten am Big Ben verstummt ist. Vierne hat dem berühmten Geläut in der Orgelliteratur ein wundervolles Denkmal gesetzt, das sich von einem ruhigen, verschwommenen Beginn durchweg steigert zu triumphaler, majestätischer Klangfülle.

Als Anregung für das Kopf-Kino erklang die Orgel-Variante von Franz Liszts Programm-Stück „Der heilige Franziskus von Paula auf den Wogen schreitend.“ Mit vorsichtig tastenden Schritten begann das Klang-Abenteuer, das sich zusehends erhebt mit durchaus dramatischer Wirkung, wenn das zunächst leise glucksen der Wogen den Charakter von Wellenbrechern annimmt. Der kleine musikalische Spaß von Marco Enrico Bossi hob sich dagegen wie ein flüchtiger Sommernachtstraum ab, und wer das Kino noch angeschaltete hatte, mochte Shakespeares wuseligen Puck darin sehen. Beruhigung der Gemüter gelang mit Widors Andante Cantabile aus der IV. Symphonie.

Am Freitag, 3. Juli, um 19 Uhr spielt Carsten Ehret beim zweiten Orgelsommer-Konzert. Dann dürfen 100 Zuhörer in die Evangelische Kirche, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.