1. NRW
  2. Städte
  3. Leichlingen

Leichlingen: 30 Jahre Diakoniestation

Leichlingen : 30 Jahre Diakoniestation

Die soziale Einrichtung der evangelischen Gemeinden Leichlingen und Witzhelden kümmert sich heute um 130 hilfs- und pflegebedürftige Patienten und ist damit der größte Anbieter entsprechender Leistungen in der Stadt.

Die Älteren werden sich noch daran erinnern, als früher die Gemeindeschwester im Ort unterwegs war, um Alten und Kranken unentgeltlich ihre Hilfe anzubieten oder junge Familien zu unterstützen, in denen gerade ein Kind geboren war. In Leichlingen war Schwester Gerda ganz bekannt, heute genießt sie ihren Ruhestand. Vor etwa 30 Jahren sind die Gemeindeschwestern aus dem Straßenbild verschwunden, weil überall Sozialstationen eingerichtet wurden, die dem Evangelischen Kirchenkreis unterstanden. Am 1. Januar 1981 nahm auch die "Diakoniestation Burscheid-Leichlingen-Witzhelden" in Witzhelden an der Schulstraße ihren Betrieb auf.

Diakonissentracht ist passé

Die Gemeinden gaben ihre Schwestern ab für die nun gemeinsame Sache, auch Schwester Gerda wechselte so zum neuen Träger. In diesem Jahr besteht die Diakoniestation 30 Jahre, und dieser runde Geburtstag soll am 12. März im Gemeindehaus an der Marktstraße gebührend gefeiert werden. Leiterin Edith Schmitz ist erst seit knapp zehn Jahren dabei, Gemeindeschwestern in Diakonissentracht hat sie in ihrem Berufsleben nicht mehr angetroffen. Aber sie kennt den Anblick noch aus ihrer Kindheit.

  • Langenfeld/Leverkusen : Kirchenkreis schrumpft auf zwölf Gemeinden
  • Kamp-Lintfort : Neue Wege in evangelischen Gemeinden
  • Foto: Bours
    Klimaschutzsiedlung in Leichlingen : Das ist in Dierath geplant

In diesen 30 Jahren seit Beginn der Diakoniestation hat sich manches geändert, insbesondere mit Beginn der Pflegeversicherung in den 90ern. Schon vorher, Anfang 1994, war die Kirchengemeinde Burscheid aufgrund geänderter gesetzlicher Regelungen aus dem Verbund ausgeschieden und führte von da an ihre eigene Diakoniestation. Zwei Jahre später wechselte auch in Leichlingen und Witzhelden die Trägerschaft. Der Kirchenkreis gab die Zuständigkeit zurück in die Gemeinden, wo sie auch heute noch liegt. Mit Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes war die Finanzierung der Station vollkommen neuen Regeln unterworfen. Aus kirchlicher Nächstenhilfe wurde ein Dienstleistungsunternehmen, das sich dem Markt stellen musste. Der Gedanken der Wirtschaftlichkeit war für die Beschäftigten neu und sorgte damals auch für Unruhe. Heute ist die Diakoniestation Leichlingen und Witzhelden (inzwischen an der Kurze Straße 7) nicht nur der größte Anbieter am Ort, sondern mit 25 Mitarbeitenden auch die größte im Kirchenkreis. 130 Patienten werden derzeit versorgt, nicht alle täglich, andere werden dafür bis zu vier Mal am Tag angefahren. Seit Edith Schmitz die Leitung übernommen hat, änderte sich manches. "Wir sind immer mehr ein Wirtschaftsunternehmen geworden", sagt sie. Zudem habe sich die Art des Angebots verändert. Zur Behandlungs- und Grundpflege ist die Versorgung von Demenzkranken, neben Einzelpflege die Einrichtung des Demenzcafés, und Palliativpatienten hinzu gekommen.

Von hier ging der Impuls zu einem Palliativ-Netzwerk mit 24-Stunden-Präsenz im Kirchenkreis aus. Das werde von den Menschen ebenso dankbar angenommen wie von den Hausärzten, sagt Edith Schmitz. Die neueste Statistik weist den Erfolg aus. 95 Prozent der Palliativpatienten dürfen heute zu Hause sterben. Laut Bundesstatistik waren es vor einigen Jahren nur 30 Prozent. In Zukunft will die Diakoniestation an der Verbesserung der Betreuung von Demenzkranken arbeiten und sich darauf einstellen, dass es bald viel mehr alte Menschen geben wird.

(RP)