1. NRW
  2. Städte
  3. Leichlingen

17 Jahre in Leichlingen: Bioladen gibt nach Anschlag aufs Haus auf

17 Jahre in Leichlingen : Bioladen gibt nach Anschlag aufs Haus auf

Bei der Sprengung des Geldautomaten am Bahnhof wurde auch das benachbarte Geschäft stark beschädigt. Es ist seitdem geschlossen. Inhaberin Marianne Berger-Velten hofft jedoch, einen Nachfolger zu finden. „Unsere treuen Kunden vermissen uns sehr“, sagt sie.

Den 1. September 2021 wird Marianne Berger-Velten nicht mehr vergessen. „Wir saßen in der Küche und waren fassungslos“, sagt die Besitzerin des Bioladens am Leichlinger Bahnhof. „Von einem Tag auf den anderen war keine Arbeit mehr für uns da. Und für mich war ein irrwitziger Schaden entstanden.“ Am frühen Morgen hatten Unbekannte den Geldautomaten gleich nebenan gesprengt und damit nicht nur die Filiale der Kreissparkasse verwüstet, sondern auch den Bioladen schwer beschädigt. So schwer, dass sich die 65-Jährige nun zur Geschäftsaufgabe entschlossen hat. Per Aushang bedankt sie sich mit ihrem Team für die jahrelange Treue ihrer Kunden.

Eigentlich hatte sie vorgehabt, so lange weiterzuarbeiten, bis ein Nachfolger gefunden wäre und es für die Kunden und fünf Mitarbeiter einen nahtlosen Übergang gegeben hätte. Doch die Bankräuber machten dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. „Als ob die nicht überlegen, welches Leid die anrichten“, ärgert sich Berger-Velten. Schließlich seien nicht nur Geschäftsräume, sondern auch Wohnungen beschädigt worden.

  • Der Ofen in der Bäckerei Kohls
    Traditionsgeschäft in Leichlingen : Früherer Geselle übernimmt Bäckerei Kohls
  • Im 70. Geschäftsjahr schließen Gisela Dürselen
    Einzelhandel in Mönchengladbach : In Rheydt geht die Ära Dürselen zu Ende
  • Alpakas haben es auch im Winter
    Kalte Füße in Leichlingen : Einbrecher stehlen Alpaka-Socken aus Reformhaus

Im Bioladen hat die Detonation die gesamte Rückwand in Mitleidenschaft gezogen, die abgehängte Decke wurde gestaucht. „Es musste alles raus“, berichtet die 65-Jährige. „Wir haben deshalb zugemacht und versucht, die Ware noch zu verkaufen und dadurch zu retten. Der Statiker hatte untersagt, dass Kunden in den hinteren Teil des Geschäfts durften.“ Auch die komplette Ladeneinrichtung musste für die dann folgenden Bauarbeiten raus. Wobei es sich nach der Flutkatastrophe schwer gestaltete, überhaupt Handwerker zu bekommen. „Es gab keine Materialien, die Lieferzeit für die neue Decke war sehr lang.“ Erst seit kurzem gebe es wieder Strom im Laden.

Nun hofft sie, doch noch einen Nachfolger für ihr Geschäft zu finden, das sie vor 17 Jahren mit Mitarbeitern eröffnet hatte. „Wir waren der einzige Bioladen in Leichlingen und haben einen treuen Kundenstamm. Für viele, die nicht mehr so mobil sind, waren wir der fußläufige Nahversorger“, berichtet Berger-Velten. „Die Leute vermissen uns.“ Das erfahre sie immer wieder durch Anrufe oder persönlichen Kontakt. Denn nach wie vor schaut die Solingerin in den Räumen gegenüber vom Leichlinger Bahnhof regelmäßig nach dem Rechten. Zumal jetzt endlich wieder das Mobiliar eingeräumt werden kann.

„Ich hatte den schönsten Beruf der Welt“, schwärmt die 65-Jährige. Es mache Freude, frische und fair gehandelte Ware zu verkaufen. Auch der Coesfelder Großhändler „ist wunderbar“, lobt sie. Ihm liege ebenfalls daran, dass der Standort erhalten bleibe. „Das Geschäft ist zwar klein, lässt sich aber rentabel führen“, sagt Marianne Berger-Velten.

Die Auseinandersetzung mit der Versicherung um die Schadensbegleichung nach der Explosion läuft derweil noch. „Es kostet sehr viel Kraft und war alles sehr traurig und traumatisierend. Aber mittlerweile kann ich darüber sprechen, ohne zu weinen.“