Leichlingen: 120 Gymnasiasten lernen Konfliktstärke

Leichlingen : 120 Gymnasiasten lernen Konfliktstärke

Theaterpädagogen trainierten gestern alle siebten Klassen unter dem Motto "stark im Konflikt", wie sie verbaler und körperlicher Gewalt begegnen können. Nach vier Wochen wird überprüft, ob das Anti-Gewalt-Training gefruchtet hat.

Im Gymnasium Leichlingen werden junge Menschen nicht nur fachlich gebildet, sie werden auch zu sozialen Persönlichkeiten erzogen: Zum zweiten Mal fand gestern für die siebten Klassen des Gymnasiums ein Konfliktbewältigungstag in Zusammenarbeit mit den Theaterpädagogen der Steimel-Menschner-Projekte aus Düsseldorf statt. 120 Zwölf-bis 13-Jährige erlebten zunächst eine packende Theateraufführung als Einstieg zum Thema Gewalt.

Anschließend ging es klassenweise mit den Trainern unter anderem in Rollenspielen darum, sich das eigene Konfliktverhalten bewusst zu machen. Dabei lernten die Jugendlichen vor allem, wie sie ruhig und souverän auf Provokation und Aggression reagieren und Streitsituationen damit deeskalieren können. Nach diesem Projekttag können die Klassenlehrer vier Wochen lang das Thema weiter vertiefen. Zum Abschluss kommen die Theaterpädagogen dann noch einmal ins Leichlinger Gymnasium und überprüfen, ob das Anti-Gewalt-Training gefruchtet hat.

Zum Konzept des Gymnasiums in der Erziehung der Kinder zu sozialer Kompetenz werden die ersten beiden Eingangsjahre zur Findung der Gemeinschaft genutzt. Die Siebtklässler sind dann in einem Alter, in dem sie nicht zu früh und nicht zu spät, die nötige Reife haben, um mit ihren Emotionen umgehen zu lernen. Theaterregisseur und -pädagoge Simon Steimel trainierte gestern eine der siebten Klassen. Zeitgleich trainierten seine Kollegen nach dem gleichen Schema den übrigen Klassen.

Unter dem Motto "stark im Konflikt" verdeutlichen die Pädagogen den Kindern zunächst mit Übungen, was Gesichtsausdruck, Körpersprache, verbale Provokation ausdrücken und bewirken können. Alleine schon die Übung, sich 30 Sekunden lang tief in die Augen zu schauen, nicht zu lachen und nicht zu sprechen, stellt eine große Herausforderung dar. Und immer weiter steigerte der Pädagoge den Schwierigkeitsgrad: Paarweise sollten sich die Schüler beschimpfen und im Gegenzug die Provokation regelrecht von sich abgleiten lassen. Ein Beispiel: "Du bist voll behindert!", provoziert ein Jugendlicher einen Rollstuhlfahrer. "Weiß ich, ich hatte einen Unfall", sagt der nur dazu.

Steimel schildert den Kindern in seinem Theaterstück, aber auch im Klassentraining tatsächlich geschehene Fälle von Mobbing und körperlicher Gewalt in Schule, aber auch im Elternhaus. Er rät den Kindern, das Gespräch mit den Eltern zu suchen, aber auch, professionelle Hilfe einzufordern. "Wenn Ihr Suizidgedanken habt oder magersüchtig seid, dann können Euch Eure Freunde nicht mehr helfen, dann braucht Ihr fachlichen Rat", verweist er auf Beratungslehrer und Schulsozialarbeiterin.

Zu diesem Konflikttraining, das die Steimel-Menschner-Projekte übrigens auch Eltern und Lehrern anbieten, gehören unbedingt Konzentration und Disziplin. Das bekamen gestern auch die Leichlinger Gymnasiasten zu spüren. Denn nur so lernen sie zunächst im (Rollen-Spiel, wie sie künftig im Ernstfall einem echten Konflikt aus dem Wege gehen, ihn bereinigen oder gleich im Keim ersticken können.

(RP)
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