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Leichlingen: 1,4 Millionen Euro für die Precise-Gläubiger

Leichlingen : 1,4 Millionen Euro für die Precise-Gläubiger

Laut IG Metall werden die Forderungen der ehemaligen Mitarbeiter des Spindel-Herstellers zu 90 Prozent beglichen – mindestens.

Laut IG Metall werden die Forderungen der ehemaligen Mitarbeiter des Spindel-Herstellers zu 90 Prozent beglichen — mindestens.

Am Montag ist es vier Jahre her. Am 18. Februar 2009 wurde der Belegschaft des Leichlinger Präzisionsspindel-Herstellers Precise offenbart, dass es mit ihrem Unternehmen zu Ende geht. Die Schweizer Muttergesellschaft hatte das Aus beschlossen. Für die Mitarbeiter war es ein Schock. "Für mich war das mein Leben. Ich habe damals alles verloren", erinnert sich ein Betroffener (Name der Redaktion bekannt) an den Tag. Der Schock ist inzwischen etwas gewichen. An seine Stelle ist Ärger getreten. Ärger darüber, dass es bis heute kein Geld und kaum Informationen vonseiten des Kölner Insolvenzverwalters Andreas Ringstmeier an die ehemaligen Beschäftigten gab.

Immerhin: Für sie zeichnet sich nun eine erfreuliche Entwicklung ab. Laut Wolfgang Hensen von der IG Metall stehen rund 1,4 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen Ansprüche von ehemaligen Arbeitnehmern und anderen Gläubigern von Precise beglichen werden sollen. Der Fachsekretär der Gewerkschaft geht davon aus, dass mit dieser Summe — inzwischen sei von Aldi der Kaufpreis für das Gelände und das Grundstück Am Wallgraben geflossen — rund 90 Prozent der Forderung aus dem Sozialplan gedeckt werden können. Der Plan sehe vor, dass das Geld im Laufe des Aprils ausgezahlt wird.

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Im Vergleich zu anderen Insolvenzen, bei denen mitunter nur Promille der Ansprüche gedeckt werden, "ist dies eine außergewöhnliche Quote", merkt Hensen an. "Auch wenn natürlich niemand den Betroffenen den Verlust ihres Arbeitsplatzes ersetzen kann." Üblicherweise belaufe sich die Sozialplan-Forderung eines Beschäftigten auf zweieinhalb Bruttolöhne. Der Betroffene aus Leichlingen bestätigte dies. Bei ihm mache dieser Posten seiner Ansprüche (er hat noch Forderungen, die darüber hinausgehen) rund 7500 Euro aus.

Aus Ringstmeiers Kanzlei wurde dazu gestern nichts gesagt. Anwältin Dr. Ruth Rigol meldete sich zwar auf eine Anfrage unserer Zeitung, berichtete indes, es gebe keinen neuen Stand in Sachen Precise. Darüber hinaus wollte sie auch nichts über den Stand der Gerichtsverhandlung gegen die Muttergesellschaft Fischer-Precise sagen. Gegen die hatte Ringstmeier Ende 2011 Klage erhoben und 678 000 Euro gefordert. Der Vorwurf: Durch die Auslagerung der Bereiche Entwicklung und Vertrieb aus dem Leichlinger Unternehmen in die in Langenfeld neu gegründete Precise Technologies GmbH seien der Insolvenzmasse erhebliche Werte verloren gegangen.

Gewerkschafter Hensen berichtet hingegen, dass es in diesem Prozess durchaus einen Lichtblick aus Sicht der ehemaligen Precise-Mitarbeiter gebe. Zwar sei kein Urteil erfolgt, aber es sei festgestellt worden, dass die Schadensersatzansprüche berechtigt seien. Über die genaue Höhe dieser Ansprüche müssten aber noch Gutachter entscheiden. Hensen geht daher davon aus, dass sich durch diese weiteren Gelder auch die noch offenen zehn Prozent der Sozialplan-Forderungen der Mitarbeiter begleichen lassen müssten. Allerdings: "Das Ende dieses Prozesses ist völlig offen. Zumal die Beteiligten noch die Möglichkeit haben, in Berufung zu gehen."

Vier Jahre nach dem verkündeten Aus von Precise ist somit erst einmal nur das Ende der Gebäude auf dem ehemaligen Precise-Gelände absehbar. Sie werden seit Anfang der Woche abgerissen (wir berichteten). Einer der ehemaligen Beschäftigten — damals verloren 87 Personen ihren Arbeitsplatz — hätten sich gerne noch mal vor Ort umgeschaut. "Das wurde aber nicht erlaubt: zu gefährlich", sagt er. Am fünften Jahrestag wird dort wohl nichts mehr an Precise erinnern. Dann steht dort ein Aldi-Markt.

(RP)