Monheim : Der Zwar-Chor schmettert rockige Lieder

Mit „Steppenwolf“ und den „Toten Hosen“ holen sich die Sänger jenseits der 55 ein Stück Jugend zurück.

Auch wenn sie nicht geboren sind, um wild zu sein, sowie seinerzeit die Stars von Easy Rider. So wollen sie dennoch auch jenseits der 50 und 60 abrocken, was das Zeug hält. Mit „Hoch auf dem gelben Wagen“ und „Im Frühtau zu Berge“ kann man die alternde Flower-Power-Generation nicht hinterm Ofen herlocken. Wer in der Jugend Dire Straits und Deep Purple hörte, wer mit Stones und Beatles einst in den musikalischen Widerstand ging, ist auch im Alter nicht unbedingt ein Volksmusik-Fan. Deshalb hat die Untergruppe der Baumberger Zwar-Abteilung (zwischen Arbeit und Ruhestand) jetzt eine Rock AG gegründet.

Unter der Anleitung von Uwe Bahr schmettern die Männer und Frauen, was ihre Herzen in der Jugend in Aufruhr brachte: Rock.  In Karaoke-Manier versuchen sie sich an „Born to be wild“, jenem Easy-Rider-Soundtrack von Steppenwolf, der wohl immer der Inbegriff der ungestümen, unabhängigen Jugend war. Welche Selbstironie, dass die 25 Männer und Frauen jenseits der 55 im Probenraum des Baumberger Bürgerhauses die umgetextete Alten-Variante der „Rollators“ zur Musik aus dem Ghetto-Blaster präsentieren: „In den Gliedern schmerzt die Gicht, altes Eisen rostet nicht. Wir wollen nicht aufs Abstellgleis, dafür ne Harley und nen Drink auf Eis. Auch wenn die Knochen schmerzen, wir Oldies sind noch super fit, wir haben noch feurige Herzen, kommt rockt alle mit“.

Das tun die Teilnehmer mit sichtbarer Freude. „Es muss nicht alles perfekt sein. Wir wollen vor allem Spaß haben und die Leute da abholen, wo sie in der Jugend Party gemacht haben“, klärt  Uwe Bahr auf. „Ich selbst kann gar nicht gut singen. Ich bin auch nicht musikalisch, aber ich mag Musik“, bekennt er. Vielen geht es wie ihm. Die meisten Sänger haben sich bisher nur in der Badewanne und allein im Auto getraut, laut zu singen, was sie glücklich macht. Jetzt in der Gruppe haben sie Mut, auch öffentlich abzurocken. Am liebsten ist ihnen die Fußball-Hymne der Toten Hosen „An Tagen wie diesen“. „Da geht einem das Herz auf, und man fühlt sich wieder jung“, schwärmt  Birgit Gaul mit einem Funkeln in den  Augen. Auch Werner Amman wagt es in der Gruppe gut gelaunt „1000 und eine Nacht“ von Klaus Lage oder „Chöre“ von Mark Forster schwungvoll zum Besten zu geben. „Das sind so nette Leute hier“, stellt er fest, „da ist man einfach gut gelaunt.“

Das Repertoire suchen die Sänger selbst aus. Die Texte dazu stammen aus dem Internet. Über Andreas Bourani, Tote Hosen und Heinz Rudolf Kunze bis zu Uriah Heep, Drafi Deutscher und Leonard Cohen reicht der Querschnitt, den die Gruppe sich mit wachsender Begeisterung vornimmt. Auffällig ist, dass an diesem Abend alle lachen und entspannt sind, dass sie sich voller Elan in den Gesang stürzen. Einen Traum hat Bahr, der auch einer der Moderatoren bei Zwar ist, dann doch noch. „Vielleicht können wir auch irgendwann einmal ohne Musik einfach a capella singen.“ Warum nicht, wenn alle mit so viel Enthusiasmus bei der Sache sind?

Mehr von RP ONLINE