Langenfeld: Zusammenhalt macht stark gegen Krebs

Langenfeld: Zusammenhalt macht stark gegen Krebs

Das Musical "Die Kinder von Station 6B" begeisterte mit gelungenen Kompositionen und sprühender Spielfreude.

Ein bisschen Drama, ein bisschen Liebesgeschichte, ein bisschen Märchen, gewürzt mit einem Schuss Jugendkultur und vor allem - letztlich einem Happy End: Das ist der Stoff, aus dem das Musical "Die Kinder von Station 6B" ist. Am Freitag war Premiere, und nun soll schon Schluss sein? Zum 70. Geburtstag der Stadt Langenfeld präsentierte die Musikschule eine zauberhafte Eigenproduktion, die in Langenfeld an Wochenende insgesamt fünfmal aufgeführt wurde. Nach anderthalb Jahren Vorarbeit und einigen Hindernissen brachten die Musikschullehrer Sándor Pergel und Berthold Scheuß ihr Werk auf die Bühne der Stadthalle. Das Thema: Sechs Jugendliche einer Krebs-Station finden durch Freundschaft und Zusammenhalt einen Weg aus ihrem Schicksal.

Vorab erst mal ein dickes Lob für die sechs jugendlichen Hauptdarsteller. Sie spielten und sangen mit Inbrunst auf hohem Niveau. Maike Schommer konnte ihre glockenhelle Sopranstimme bestens einsetzen und in einem wunderbaren Dialog mit Nele Scheuß, der Tochter des Komponisten, positionieren. Timo Aust bewies als herzkranker Leon echtes Bühnentalent. Und dem sehr schmalen Hendrik Paetzold war die Rolle des zurückhaltenden Zynikers Frank mit Verdacht auf Hirntumor auf den Leib geschrieben. Und genau daran war den Machern gelegen: ein Stück selbst zu schreiben, das die Talente der einzelnen Darsteller in den Vordergrund rückt. Martin Prange und Simon Köster sprühten als Krebspatienten mit trockenem Humor nur so vor Spielfreude. Sie überzeugten als Jugendliche zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Leiden und Lachen. Selbst berührende Balladen wie "Ich will leben!" gelangen einfühlsam, ohne kitschig zu sein.

Ganz groß waren alle Darsteller zum Beispiel bei einer schwungvollen Tanzeinlage in einer Traumszene am Strand. So flott choreografiert war dieser Auftritt gegen Schluss der Aufführung zweifelsohne ein Höhepunkt. Auch im großen Chor bewies die Truppe stimmliche Stärke, war nur mitunter manchmal aber etwas schlecht zu verstehen.

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Dass es am Schluss sogar ein romantisches Liebes-Duett zwischen Krankenschwester Sabine (Jenny von Franken) und Pfleger Denny (Thomas Greiner) gab, hatte etwas sehr Charmantes, das in leichte Ironie abdriftet. Hier brillierten auch die Erwachsenen im Jugendmusical mit sehr schönen Gesangseinlagen. Ebenso wie der König der Töne, Egaf, (Andreas Hall) mit seinem markanten voll tönenden Bass und seine Gemahlin Mysteria (Sabrina Neff) mit kraftvoller Musical-Stimme. Schön, dass Berthold Scheuß bei seinen Kompositionen auch an die Musiker im Orchestergraben und deren Vorlieben gedacht hatte. So gab es einige bemerkenswerte kleine Instrumenten-Soli . Das Team um Scheuß und Pergel hatte Erstaunliches zustande gebracht. Immerhin hatten die Amateure einen großen Teil ihrer Freizeit in die Eigenproduktion gesteckt. Das Premieren-Publikum honorierte die mehr als zweistündige Aufführung mit kräftigem Applaus.

Gerne lassen sich die Darsteller auch anderswo zur Aufführung bitten. Interesse hat sogar schon eine kulturelle Einrichtung aus Amsterdam bekundet. "Da wären wir überglücklich", sagt Berthold Scheuß.

(RP)
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