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Langenfeld: Zur Messe gibt's Bier, Brezeln und warme Decken

Langenfeld : Zur Messe gibt's Bier, Brezeln und warme Decken

Katholische Gemeinde Langenfeld lockt regelmäßig freitags mit origineller Messe in die St. Josef-Kirche.

Es ist kein Geheimnis, dass den christlichen Gemeinden die Mitglieder in den Gottesdiensten abhanden kommen. Die katholische Kirche in Langenfeld hat nun den Ton und die Atmosphäre der populären christlichen Jugendkultur aufgegriffen und den Gottesdienst "Vor Ort" konzipiert. Tatsächlich sind sehr viele Leute in die Kirche St. Josef gekommen. Nur wenige Sitzplätze sind frei und das, obwohl die Uhrzeit am Freitagabend eher für das Kino als für die Kirche gedacht ist. Wie im Kino sollen sich offenbar auch die Besucher fühlen. Im Eingangsbereich ist ein Biertisch aufgebaut, im Angebot sind Bier, Africola, Faßbrause und Wasser für je einen Euro, zum Knabbern gibt es kleine Brezeln oder Salzstangen. Dazwischen finden sich Visitenkarten, auf die Fürbitten gedruckt sind - ein unverbindliches Angebot. Die neue Kirche soll nah und menschlich wirken, nicht aufdringlich und fordernd. Vor dem Altarraum ist eine große Leinwand aufgebaut. Sie zeigt das Logo des neuen Konzepts, eine blau-orangefarbene Kompassnadel.

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Zwischen den Sitzbänken sind kniehohe Tische verteilt, auf ihnen wieder. Wärmende Decken liegen bereit. Auch das ist neu: Der Gottesdienst wird nicht von Herrn Pfarrer XY gehalten, sondern von Gemeindemitarbeitern, die sich mit Vornamen vorstellen. Das Thema dieser Messe ist "Wagnis Aufbruch" und den Anfang machen Alinah und Detlef, sie halten die Predigt.

Alinah Rockstroh ist Psychologin und leitet die katholische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Ratingen und erzählt von ihrer eigenen Suche. Pastoralreferent Detlef Tappen ist für die religiösen Themen zuständig. Er erzählt von Abraham, der ins Unbekannte aufbricht. Auf der Leinwand werden Bilder von Menschen mit Rucksäcken oder an Straßenrändern gezeigt, Menschen, die in die Welt hinaus ziehen. Der Gottesdienst soll lebensnah wirken und ein Gesprächsangebot darstellen. Eine Band, spielt "Hymn" von Barclay James Harvest. Einige singen leise mit. Die Messe erinnert stark an die Weltjugendtage und wirkt frisch, aber gewöhnungsbedürftig. Allerdings gehen einige Familien nach der Hälfte der Messe. Vermutlich, weil die Kinder ins Bett müssen. Am Freitagabend einen Gottesdienst zu zelebrieren, der darüber hinaus beim Bier zum Gespräch einlädt, muss vielleicht ein bisschen früher beginnen. Zur Halbzeit spielt die Band "Leichtes Gepäck" von Silbermond. Leicht wirkte die Messe tatsächlich.

(rads)