Langenfeld/Monheim: Zugebaute Städte führen zu Hitzestau

Langenfeld/Monheim: Zugebaute Städte führen zu Hitzestau

Studie des Landesumweltamtes sieht vor allem in Großstädten enorme Temperaturbelastungen, aber auch in Langenfeld und Monheim.

Fast 34.000 Menschen in Langenfeld und 23.000 in Monheim leiden bei sommerlichen Wetterlagen unter besonders großer Hitze. Dies geht aus einer neuen Untersuchung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hervor. Im Zentrum der Studie stand die Hitzebelastung, die durch den Klimawandel verschärft worden ist. "Bis zum Ende des Jahrhunderts erwarten wir einen Temperaturanstieg zwischen 1,5 und 4,3 Grad Celsius", stellte LANUV-Präsident Thomas Delschen jetzt bei der Präsentation des Jahresberichtes fest: "Daraus resultieren mehr besonders heiße Tage und in der Folge Hitzeperioden, die stärker ausfallen und länger anhalten."

Vor allem stark verdichtete und hoch bebaute Innenstadtbereiche ohne Grünflächen wirken sich dabei negativ aus. "Hier besteht die Gefahr, dass sich so genannte Wärme- oder Hitzeinseln bilden", erläutert Delschen. "Insbesondere in der Nacht kann hier die Temperatur um bis zu zehn Grad Celsius höher liegen als im Umland. Ursache dafür sind ein verringerter Luftaustausch, Gebäude und Straßen, die Wärme speichern, sowie Industrie und Verkehr, die Wärme abstrahlen." Stadtplaner müssten Vorsorge treffen. Besonders den Anteil an Grün- und Wasserflächen oder Bepflanzung zu erhöhen, helle Fassaden beim Hausbau einzusetzen und die Versiegelung von Flächen zu verringern oder zu vermeiden, seien "sinnvolle Ansätze, um Hitzebelastungen abzumildern".

Die Hitzebelastung sei in der Langenfelder Stadtplanung kein ausdrückliches Thema, sagt Referatsleiter Stephan Anhalt. "Wenn ein Bebauungsplan erstellt wird, dann weisen wir in einem zugehörigen Umweltbericht darauf hin, dass es durch Versiegelung in Sommermonaten zu Wärmeinseln kommen kann." Aber bei der innerstädtischen Verdichtung seien seit 2014 keine solchen Umweltberichte mehr vorgeschrieben - ebenso wenig müssten seither entsprechende Ausgleichsflächen an die Natur geschaffen werden. Der Grüngürtel mit Waldstücken und Feldern, Landschaftspark Fuhrkamp und Freizeitpark Langfort sowie die gegenüber anderen Städten vergleichsweise geringen Gebäudehöhen tragen laut Anhalt zum Luftaustausch bei. "Wir werden uns die LANUV-Studie aber auf mögliche Verbesserungen hin anschauen."

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Monheim habe unter den zehn kreisangehörigen Städten die größte Bevölkerungsdichte, betont Stadtplaner Robert Ullrich. Zudem seien die Gemeinden an der Rheinschiene thermisch stärker belastet, als die im Bergischen Land. Wärmeinseln bestehen laut Ullrich vor allem in der Innenstadt und der Altstadt. "Bei Neubauvorhaben ist das Klimamanagement der Stadt frühzeitig eingebunden." Energie und Begrünung seien immer ein Aspekt der Planung. Dazu gehörten Bäume im öffentlichen Raum und Dachbegrünungen wie etwa im Sophie-Scholl-Quartier oder jetzt beim Gesundheitscampus.

In Monheim sind nach Ullrichs Angaben zwei Luftaustauschgebiete zwischen dem Rhein und dem Hinterland von besonderer Bedeutung, Das Gebiet am Kielsgraben und der Bereich Pfingsterfeld seien wesentlicher Bestandteil der "grünen Acht", die Monheim und Baumberg umschließt. "Dort wird die ökologische Vielfalt weiter entwickelt und aufgewertet." Kleinräumig würden Wohnquartiere durch "grüne Finger" gegliedert, die wie etwa in Baumberg am Hasholzer Grund "neben Aspekten der ökologischen Vernetzung auch den entsprechenden Luftaustausch fördern".

Götz-Reinhardt Lederer von der Kreisgruppe Mettmann des Bundes für Naturschutz Deutschland, zeigt sich von der Studie nicht verwundert. "Eine der schlimmsten Umweltsünden ist unser unglaublicher Flächenverbrauch." Die Hitzeentwicklung könne nur gebremst werden, wenn weniger Flächen bebaut würden. Tatsächlich passiere im Kreis aber seit Jahren das Gegenteil.

(RP)
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