Langenfeld: Zu wenig Zeit für Zivis

Langenfeld: Zu wenig Zeit für Zivis

Ob bei der Patienten-Pflege oder der Begleitung von Kindern mit Förderbedarf – junge Männer, die den Wehrdienst verweigern, finden als Zivi viele Aufgaben. Wird der Dienst gekürzt, hat das Folgen für die Einrichtungen.

Ob bei der Patienten-Pflege oder der Begleitung von Kindern mit Förderbedarf — junge Männer, die den Wehrdienst verweigern, finden als Zivi viele Aufgaben. Wird der Dienst gekürzt, hat das Folgen für die Einrichtungen.

Samim Kaderie möchte Zahnmedizin studieren. Seinen Zivildienst leistet der 20-Jährige deshalb im Awo-Seniorenzentrum "Karl-Schröder-Haus" an der Langforter Straße. Dort reicht er den Bewohnern Medikamente an, begleitet sie zum Arzt und hält einen guten und persönlichen Kontakt mit den Senioren. "Ich lerne viele Dinge, die auch für meine spätere Arbeit als Arzt wichtig sind", betont der Langenfelder. Sein Zivildienst dauert neun Monate.

"Das ist nicht lange. Man braucht Zeit, um eine Bindung mit den Menschen einzugehen", sagt er. Und die Bewohner müssten sich schon jetzt oft genug an neue Gesichter gewöhnen. Werde der Zivildienst — wie von der Politik geplant von neun auf sechs Monate gekürzt — "lernt man wesentlich weniger", ist der angehende Student überzeugt.

Eine Einschätzung, die Manuel Komorowski teilt. Bewusst hat sich der 20-Jährige für seinen Zivildienst das Richrather Krankenhaus ausgesucht. "Ich habe dort mit Menschen zu tun, für die ich auch Verantwortung übernehmen muss." Patienten waschen, sie lagern, das Essen austeilen, gehört zu seinen Aufgaben. Eine ganz neue Erfahrung für den Abiturienten.

In der Schule musste er sich nur um seine eigenen Belange kümmern. Habe man den groben Tagesablauf in zwei Wochen gecheckt, erfasse man die vielfältigen Aufgaben auf einer Station erst nach Monaten richtig, sagt Manuel Komorowski. Eigentlich endet sein Zivildienst im März, doch weil er sein Japanologie-Studium erst im Wintersemester aufnimmt, hat er den Arbeitseinsatz freiwillig bis September verlängert.

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Verbände ziehen Konsequenzen

Die Wohlfahrtsverbände, Krankenhäuser und Förderschulen, ziehen aus der geplanten Kürzung Konsequenzen. "Wir werden wohl weiter mit Zivildienstleistenden arbeiten", erklärt Susanne Brinkmann, stellvertretende Pflegedirektorin am Richrather Krankenhaus. Jedoch sei geplant, verstärkt junge Menschen einzustellen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ableisten — die blieben zwölf Monate. Denn egal wie lange die Helfer da sind, sie bekommen in jedem Fall eine theoretische Einführung und müssen eingearbeitet werden. Für sechs Monate lohne sich dieser Aufwand kaum noch.

Sabine Klotz, Leiterin der Virneburgschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung in Reusrath, hält eine Reduzierung für "nicht zumutbar für unsere Kinder". Schließlich würden die Zivis nicht fürs Fegen eingesetzt, sondern sie begleiteten junge Menschen, die auf zusätzliche Hilfen angewiesen seien, in ihrer Entwicklung.

Die von Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg (CSU) so plötzlich angekündigte Verkürzung des Zivildienstes stellt Christa Reinders, Leiterin des Seniorenzentrums "Karl-Schröder-Haus" der Arbeiterwohlfahrt vor "organisatorische und strukturelle Probleme". Das werde für beide Seiten schwierig, sagt sie. Qualitative Arbeit im Umgang mit den Bewohnern sei dann nicht mehr möglich. Kaum hätten sich Zivis und Senioren kennengelernt, hörten die jungen Männer auch schon wieder auf.

Statt den Zivildienst zu kürzen, sollte er besser auf ein Jahr verlängert werden, schlägt Samim Kaderie vor. Endet er nach einem halben Jahr, blieben noch sechs Monate bis zum Beginn des Studiums im Herbst. "Was macht man dann mit der Restzeit?"

(RP)