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Langenfeld: Zu Hause leben - so lange es geht

Langenfeld : Zu Hause leben - so lange es geht

Die Fortbildung für Mitarbeiter der Altenhilfe in der Schützenhalle beschäftigte sich mit der Qualität der Pflege.

Die meisten Menschen möchten in den eigenen vier Wänden alt werden. Doch nur in den wenigsten Fällen ist das tatsächlich möglich, weil sie schwerst pflegebedürftig oder dement sind. Oder, weil die Angehörigen diese Aufgabe nicht schultern können. Eine Fortbildung für Mitarbeiter ambulanter und stationärer Einrichtungen, von Beratungsstellen, Krankenhäusern, Selbsthilfegruppen und Hospizbewegungen sowie für Auszubildende beschäftigte sich gestern in der Schützenhalle Richrath mit dem Thema "Wer oder was bewegt Pflege?". Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Gerontopsychiatrie im Kreis Mettmann gemeinsam mit der Kreisverwaltung. Rund 250 Interessierte diskutierten mit den Referenten.

Für Manfred Vollmer, beim Kreis zuständig für die Senioren- und Pflegeförderung, müssten die Weichen langfristig mehr in Richtung "ambulante Pflege" gestellt werden. Zumindest in den Fällen, wo es möglich ist. Dies sei eindeutig der Wunsch der Betroffenen. Im Kreis Mettmann bestünden bereits acht Wohngemeinschaften für Demenzkranke. Ein Signal. Dennoch werde man immer auch Heimplätze brauchen. So merkte Holger Reinders (Geschäftsführer des gemeinnützigen Seniorendienstes Hilden) an, dass die Pflegesituation zu Hause meistens schlechter sei als im Heim. Nicht aufzuwiegen sei aber die freiwillige, persönliche Zuwendung, wenn beispielsweise eine Ehefrau ihren Mann liebevoll betreue. Anders sehe es aus, wenn eine Tochter beispielsweise 40 Jahre lang keinen Kontakt mehr zur Mutter hatte und diese plötzlich an Demenz erkrankt. In einem solchen Fall sei sicher ein Pflegeheim die bessere Lösung für die alte Dame, findet Reinders. "Ehrenamtliche Hilfen und nachbarschaftliches Engagement haben ihre Grenzen."

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Unerlässlich sei es jedoch, dass "mehr Geld ins System" fließe, betonte Vollmer. Steuerzahler und Angehörige seien in der Pflicht, wenn sie im Alter ein qualitativ hochwertiges Angebot vorfinden wollen. Durch die demografische Entwicklung treffen immer mehr Pflegebedürftige auf immer weniger Kräfte. "Uns fehlt der Nachwuchs", bedauert Reinders. Geringe Anerkennung und ein tarifliches Bruttogehalt von 2200 Euro für Berufsanfänger machten den stressigen Knochenjob nicht gerade attraktiv. "Es wird viel unter Zeitdruck gearbeitet", räumt Reinders ein. Wenn Kollegen erkrankt seien, müssten die übrigen im Team deren Aufgaben mit übernehmen und könnten zum Teil freie Tage erst viel später abfeiern. Stetige Überbelastung könne aber zu Fehlern führen. Statt diese zu vertuschen, weil man rechtliche Konsequenzen fürchte, müsse die Heimleitung auf einen "angstfreien Umgang" damit achten. Statt auf Befehl und Gehorsam zu setzen, solle mehr miteinander geredet und die fachlichen Kompetenzen der Mitarbeiter in den Fokus gerückt werden. Doch weil die Heime unter starkem Druck stünden, gelinge das noch zu selten. Ziel müsse es aber sein, aus menschlichen Fehlern organisatorische Maßnahmen zu ergreifen und bei nicht akzeptablem Verhalten die Konsequenzen zu ziehen, sprich: den Mitarbeiter zu entlassen.

(RP)