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Monheim: Zollhaus: Nächstes Bier erst im Herbst

Monheim : Zollhaus: Nächstes Bier erst im Herbst

Die Wiedereröffnung des Zollhauses als Gastronomiebetrieb verzögert sich um ein Dreivierteljahr. Der denkmalgeschützte Altbau barg für die Bauherren kostspielige Überraschungen.

Der Koch ist benannt, die Speisekarte steht, auch die Inneneinrichtung und Küche sind bereits gekauft - aber die Eröffnung des Gastronomiebetriebes "Zollhaus 1257", einst für Ende 2014 geplant, wird nun erst im Herbst sein. "Ist halt so ", sagt Pascal Lütz lakonisch. Unglücklich gelaufen.

Der Umbau der ehemaligen Gaststätte "Im alten Zollhaus" an der Zollstraße 2 hat sich für Bauherrin Edda Poell als eine größere finanzielle Herausforderung entpuppt als ursprünglich angenommen. Denn nachdem im Zuge der Entkernung des Gebäudes die Deckenverkleidung entfernt war, stellten sich gravierende statische Probleme heraus, berichtet Ehemann Manfred Poell, bei dem Projekt für Planung und Bauleitung verantwortlich. "In der Decke zwischen 1. und 2. Stock wurden unter anderem alte Straßenbahnschienen verbaut, die für diese Zwecke viel zu weich sind", sagt der Architekt. Die Decke musste daher durch Stahlträger verstärkt werden. Auch die Decke zwischen Erd- und erstem Obergeschoss musste ertüchtigt werden, weil sich der künftige Gastronomiebetrieb auch auf das Stockwerk erstrecken soll, das bisher die Pächterwohnung beherbergte. "Die Decke muss dann einer ganz anderen Belastung standhalten", sagt Poell.

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Als kniffelig erwies sich auch die Frage, wie man die großen Lüftungsrohre, die üblicherweise unter der Decke verlegt werden, an den Trägern vorbeiführt. Und schließlich muss baulich ausgeglichen werden, dass die alte Holzdecke gut sieben Zentimeter durchhängt. "Wir können daher froh sein, wenn wir eine Raumhöhe von 2,40 Meter erreichen", sagt Poell. Schließlich müssen die Decken auch noch gegen Brände geschützt und schallschutztechnisch optimiert werden.

Poell trafen die statischen Probleme völlig überraschend, denn er hatte das Gebäude zuvor sorgfältig vermessen. "Leider bin ich davon ausgegangen, dass die Baupläne stimmen. Aber der Deckenaufbau war so, wie wir ihn vorgefunden haben, nicht dokumentiert." Von wann genau das Gebäude sei, weiß er nicht. Bei der Recherche zur Namensgebung des Lokals seien die Gastronomen auf die Jahreszahl 1257 gestoßen, der Grundstein im Keller datiere aus dem Jahr 1675. "Ich fürchte, da ist Jahrhunderte lang dran herumgefudelt worden", sagt Poell. Auf alten Fotos habe man das Gebäude, wie es sich heute darbietet, kaum wiedererkannt. Inzwischen habe sich durch die Recherchen der Bauforscherin Maren Lüpnitz ergeben, dass das Gebäude zum Teil in die einstige Befestigung aus dem Mittelalter integriert ist.

Natürlich haben die überraschenden Befunde die Sanierung, die in enger Absprache mit Bauaufsicht und dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege geschieht, erheblich verteuert, erklärt Poell. "Aber wir wollten es jetzt einmal richtig in Ordnung bringen." Gedämmt werde das Gebäude aber nicht, sagt der Grünen-Ratsherr. Eine Fassadendämmung käme aus Denkmalschutzgründen nicht in Frage und von innen würde dies zu Schimmelproblemen führen, weil das Konstruktionsholz die Raumwärme brauche.

Pascal Lütz wartet indessen, dass er "endlich loslegen kann". Über sein Konzept und die kulinarische Ausrichtung verrät er aber noch nichts - erst zur Eröffnung.

(RP)