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Zoch in Langenfeld: Tausende bejubeln den Karnevalszug am Samstag

Am Karnevalssamstag : Tausende bejubeln den Langenfelder Zoch

Beim Karnevalszug am Samstag durch die Innenstadt boten etwa 1400 Teilnehmer einen jecken Augenschmaus und reichlich Kamelle.

Das war am Samstag echtes Narrenglück: Obwohl der verhangene Himmel den Eindruck macht, jeder Zeit die Schleusen öffnen zu wollen, kommt der Langenfelder Zug trocken und bester Stimmung durch die Innenstadt. Der Straßenrand ist dicht gesäumt von Tausendenden prima gelaunten Menschen, die Grills und Bars und sogar eigene Toiletten mitgebracht haben.

Abgasfrei sind die meisten Gruppen mit Rädern oder zu Fuß unterwegs. Die Bewohner von Lummerland (Richrath-Nord) haben sogar menschliche Pferde vor ihren Planwagen gespannt. So wird der Zug zum sportlichen Ereignis für die kräftigen Herren. Kerosinfrei bewegen sich auch Juppes und die Pfadfinder vom Stamm Castanea mit zig selbst gebastelten Pappflugzeugen aus aller Welt unterm Langenfelder Himmel. Alles hübsch bemalt mit den jeweiligen Landes-Flaggen.

 Die Jecke Langenfelder Familie erfreut als Geishas mit Feuerdrachen tänzelnd das Publikum am Wegesrand.
Die Jecke Langenfelder Familie erfreut als Geishas mit Feuerdrachen tänzelnd das Publikum am Wegesrand. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

An Fantasie mangelt es den mehr als 1400 Teilnehmern auch diesmal nicht. Die meisten Kostüme sind selbstgeschneidert und zusammengebastelt. Wahrscheinlich inspiriert vom gleichgeschlechtlichen Prinzenpaar Tino I. und Sebastian I. hatten sich die Jecken vom St.-Martinus-Krankenhaus aus Poolnudeln farbenprächtige Regenbogen gebastelt. Ob nun als Plädoyer für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben gemeint oder einfach nur als Schar bunter Himmelsbewohner präsentiert – das bleibt der eigenen Interpretation überlassen. Die Pappnasen hatten sich als Vorgruppe zum Prinzenwagen auf jeden Fall die berühmte „Rosa Garde“ aus Köln zum Vorbild genommen. Die trabt nun im Langenfelder Zoch auf aufblasbaren rosa Ponys vor den Herrschern her.

 In Regenbogenfarben aus Poolnudeln erscheinen die Jecken vom Richrather Krankenhaus St. Martinus.
In Regenbogenfarben aus Poolnudeln erscheinen die Jecken vom Richrather Krankenhaus St. Martinus. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Karneval kann auch ernste Aspekte haben. Zum Beispiel, wenn es um die Umweltverschmutzung geht. Dieses Themas hat sich sehr schön die Grundschule Richrath-Mitte angenommen. „Jägen den Klimawandel op d‘r Welt“ lautet das Motto. Im blauen Müllsack, behängt mit Plastik-Unrat machen Schüler, Lehrer und Eltern auf die verdreckten Meere aufmerksam. Der RKV hat sich den außerordentlich unbeliebten „Trumpelfant“ auf den Wagen gepinselt, der alles ohne Rücksicht auf Verluste niedertrampelt.

 Die HSV-Karnevalsfrauen sorgen für eine rot-weiße Farbnote.
Die HSV-Karnevalsfrauen sorgen für eine rot-weiße Farbnote. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

Ob die Jecke Langenfelder Familie, die bereits in den vergangenen Jahren mit ausgefallenen Verkleidungen glänzte, nun als Geishas mit Feuerdrachen ein politisches Statement verfolgte, wissen wir nicht. Sie ist aber mit ihren einheitlichen roten Kostümen und der ausgefallenen Schminke wieder der absolute Hingucker.

 Tief ins Meer taucht die Kindertagespflege ab.
Tief ins Meer taucht die Kindertagespflege ab. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

Ausgesprochen hübsch sindauch die Darsteller der bunten Meereswelt, die sich behangen mit Fischen und Meeresfrüchten sowie Krabbenhut auf dem Kopf präsentieren. Mit Kopfbedeckungen, die sogar beim Pferderennen und Ascot nicht unbemerkt bleiben würden, macht TuSpo Richrath auf sich aufmerksam. Die Mitglieder tragen einen Rasenplatz mit Tor auf dem Hut. Eine wirklich bewundernswerte feine Bastelarbeit, bei der sogar winzige Torschützen nicht fehlten.

 Tausende bejubeln beim Karnevalszug in der Innenstadt die vorbeiziehenden Gruppen und Wagen.
Tausende bejubeln beim Karnevalszug in der Innenstadt die vorbeiziehenden Gruppen und Wagen. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Das Interesse an Weltraum und NASA ist übrigens nicht nur bei den silbern-bunten Verkleidungen im Zug offensichtlich, sondern auch am Straßenrand, wo sich einige Papas ein paar Pet-Flaschen als Sauerstoff-Gerät auf den Rücken geschnallt haben. Ein kleiner Junge starrt verwundert seine Mutter an, die ihm als Zombie mit weißem Gesicht und zugenähtem Mund zuwinkt. Ihren beruhigenden Einwand „Ich bin es doch“, mag er nicht ganz glauben. Da hat es die kleine Prinzessin mit ihrem Vater in FBI-Kluft schon besser. Sie hat keine Mühe, in ihren Vater im schlichten dunkelblauen Anzug zu erkennen. Auch das Wikinger-Gen scheint viele erfasst zu haben. Immer wieder werden Rotten von ihnen am Wegesrand gesichtet.

 Hoch auf dem Prinzenwagen:  Sebastian I. (l.) und Tino I.
Hoch auf dem Prinzenwagen:  Sebastian I. (l.) und Tino I. Foto: Matzerath, Ralph (rm)/Matzerath, Ralph (rm-)

Was negativ auffällt ist der viele Plastikmüll, der besonders nach Ende des Zuges von Windböen erfasst durch die Luft wirbelt. Eine Passantin kritisiert kopfschüttelnd: „Das muss doch nicht sein. Jedes Bonbon einzeln verpackt. Und die ganzen Plastiktüten. Da sollten die Karnevalisten aber im nächsten Jahr mal drauf achten!“