Langenfeld/Monheim: "Zickenkrieg" beim Kirchentag

Langenfeld/Monheim : "Zickenkrieg" beim Kirchentag

Morgen beginnt das protestantische Fest des Glaubens in Bremen. Der Immigrather Pfarrer Pasquay ist mit einem Bibliodrama zu Abrahams Frauen dabei. Auch junge Leute aus Langenfeld wie Monheim feiern und helfen mit.

Annegret Duffe hat schon einige Kirchentage seit ihrem ersten 1985 in Düsseldorf erlebt und einen sogar monatelang mit vorbereitet. 1993 war das, in München, die heutige Reusrather Pfarrerin Mitarbeiterin der Kirchentags-Geschäftsstelle.

Das Wetter, weiß die 44-Jährige, ist beileibe nicht alles, wenn es darum geht, mit tausenden anderen seinen Glauben unter freiem Himmel zu feiern — und doch hofft sie für die Tage ab morgen auf überwiegend heiteres Nordseewetter: "Bremen bei fast sommerlichen Temperaturen — das wäre herrlich für diese Festzeit der Christen!"

Mehr als 2500 Veranstaltungen

Morgen wird sich Duffe mit fünf weiteren Langenfeldern, 18 bis etwa 70 Jahre alt, in den Zug setzen, um rechtzeitig zum "Abend der Begegnung" im Zentrum der Hansestadt zu sein. Etwa 300 000 Menschen werden allein zu diesem Auftrakt-Straßenfest erwartet.

Für die darauffolgenden vier Tage rechnen die Organisatoren mit rund 100 000 Dauerteilnehmern. Weit mehr als 2500 einzelne Veranstaltungen stehen zur Auswahl, von der Bibelarbeit über Gesprächsrunden zu wichtigen Themen der Zeit wie Wirtschaftskrise, Klimaschutz oder Migration bis hin zu einem christlich inspirierten Unterhaltungsprogramm mit Freiluft-Konzerten, etwa der Kölner A-capella-Gruppe "Wise Guys".

Einen der vielen Workshops in Bremen wird Andreas Pasquay anbieten. Mit seiner Frau Marjan Meeuwsen beschäftigt sich der Immigrather Pfarrer seit langem mit der theatralischen und ästhetischen Darstellung von Bibeltexten.

"In dem Bibliodrama, das wir auf dem Kirchentag erarbeiten wollen, geht es um die Frauen von Abraham, von denen sich die Weltreligionen ableiten", erläutert der 53-Jährige. "Zickenkrieg im Herrenzelt" heißt das Stück, das zum interreligiösen Dialog beitragen soll. Der bezieht auf dem 32. Kirchentag neben dem Judentum erstmals betont auch den Islam mit ein — aus dem Dialog soll so ein Trialog werden.

Pasquay will den Workshop-Teilnehmern zeigen, wie lebendig die Bibel vermittelt werden kann — auch daheim in ihren Gemeinden, in die sie die Impulse aus Bremen mitnehmen sollen. Damit die "große Schnupperparty" (so der Erlöserkirchen-Pfarrer) reibungslos abläuft, bedarf es aber auch tausender Helfer. 19 von ihnen kommen ebenfalls aus Langenfeld.

Unter der Leitung der Reusrather Studentin Sabrina Schumacher (26) machen sie sich bereits heute auf gen Norden, um sich auf ihre Ordneraufgaben, unter anderem beim Eröffnungs- und beim Schluss-Gottesdienst vorzubereiten. Beim Kölner Kirchentag vor zwei Jahren waren es die Monheimer, die geholfen haben — mit einem Verpflegungsstand am "Abend der Begegnung".

Diesmal können die 15 jungen Leute, die an die Weser reisen, die Großveranstaltung und ihre "besondere Atmosphäre" pflichtfrei genießen. Peter Rischard (52), evangelischer Jugendleiter in der Gänseliesel-Stadt und seit 1977 bei jedem Kirchentag dabei, beschreibt diese spezielle Gesprächskultur so: "Es wird sehr intensiv diskutiert, aber nicht so, wie wir das nach dem Links-rechts-Schema von der Politik gewohnt sind, sondern differenzierter. Es wird natürlich auch richtig contra gegeben — aber erst nachdem man einander zugehört hat."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kirchentag in Köln

(RP)
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