Monheim: "Zeiten der Liebe" und der Abschied vom Kunsthaus

Monheim: "Zeiten der Liebe" und der Abschied vom Kunsthaus

Fein gezogene Linien zucken über das Papier. Sie zerfasern, fügen sich wieder zusammen und erinnern irgendwie an Blitze. Die zarten und mit Tusche gezeichneten Striche verdichten sich an einigen Stellen zu dunklen Flecken, die eine abstrahierte Darstellung des weiblichen Körpers umgeben. Zu sehen sind nackte Tatsachen und üppige Kurven. Die Bilder von Martina Jäger strahlen Erotik und Verspieltheit aus - und manchmal sind sie auch ziemlich düster.

Fein gezogene Linien zucken über das Papier. Sie zerfasern, fügen sich wieder zusammen und erinnern irgendwie an Blitze. Die zarten und mit Tusche gezeichneten Striche verdichten sich an einigen Stellen zu dunklen Flecken, die eine abstrahierte Darstellung des weiblichen Körpers umgeben. Zu sehen sind nackte Tatsachen und üppige Kurven. Die Bilder von Martina Jäger strahlen Erotik und Verspieltheit aus - und manchmal sind sie auch ziemlich düster.

Bis zum 27. August zeigt die Würzburgerin ihre Werke im Kunsthaus 1, Frohnstraße 40. "Eigentlich komme ich beruflich gesehen aus dem Schmuck- und Objektdesign", sagt die 54-Jährige. "Aber seit 2003 bin ich auch als Kunst- und Kulturschaffende unterwegs." Dabei haben es ihr vor allem feminine Motive angetan. "Ich interessiere mich für das Kriegerische in der Weiblichkeit - und das ist nicht nur in Bezug auf Gewalt gemeint", erklärt die Künstlerin. Es gehe ihr eher um starke Frauen, die sich durchsetzen und beweisen können. "Außerdem finde ich die Frage spannend, ob in der Liebe Männer Frauen jagen oder ob es eher umgekehrt ist."

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So erklärt sich auch der Name der Ausstellung, bei der auch Werke der Galeristin Luda Liebe zu sehen sind. "Grenzjäger in Zeiten der Liebe" ist der Titel des kreativen Reigens - und das ist mehr als ein Wortspiel mit den Nachnamen der beiden Protagonistinnen. Die Tuschezeichnungen von Martina Jäger werden ergänzt durch Fotocollagen von Luda Liebe, die ebenfalls subtil mit Geschlechterrollen, Sexualität und dem wohl größten aller Gefühle spielen: der Liebe - und den mit ihr verbundenen Schattenseiten wie Schmerz, Trauer und Eifersucht. Es ist die letzte Ausstellung im Kunsthaus 1. Nach ihrem Umzug in das gegenüber liegende Haus an der Parkstraße will die Monheimerin ihre Tätigkeit als Galeristin an den Nagel hängen - nach rund 80 Ausstellungen in knapp 15 Jahren. "Ich will mich in Zukunft wieder verstärkt um meine eigene Kunst kümmern", sagt Liebe. Den Kontakt und Austausch mit anderen Kreativen habe sie indes genossen. "Das war eine spannende Zeit mit vielen tollen Begegnungen, aber ich habe das Gefühl, dass es Zeit für eine Veränderung ist."

Ihre Collagen setzen sich vor allem aus Fotos zusammen, die sie auf ihren Reisen um die Welt gemacht hat. Schaufensterpuppen und Büsten sind ein prägendes Motiv, angereichert mit Zeitungsausschnitten, Werbeslogans sowie hier und da auch ein bisschen Farbe. Jedes Bild trägt zudem eine zweideutige Redewendung aus dem Jagdwesen in sich, die, gepaart mit den Motiven, unwillkürlich frivole Gedanken beim Betrachter auslösen. "Hier riecht's nach guten Böcken" ist ein Beispiel dafür - oder auch: "Füchse umkreisen gerne den Luderplatz". Die komplett gegensätzlichen Arbeiten der beiden Künstlerinnen schaffen durch ihre Unterschiedlichkeit einen besonderen Reiz. Die ungestüme, erotische und teilweise abstrahierte Weiblichkeit in den Werken Jägers ist ebenso spannend, wie die reduzierten, aber stellenweise tiefsinnigen Collagen von Luda Liebe. Die Ausstellung ist mittwochs von 14 bis 18 Uhr geöffnet - außer am 6. August. Zudem sind Besichtigungen auch nach Absprache mit Luda Liebe unter der Rufnummer 02173 2608004 möglich. dora

(dora)
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