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Zehn Jahre Rhein-Rock: Monheims coolstes Ehrenamt

Kultur in Monheim : Zehn Jahre Rhein-Rock: Monheims coolstes Ehrenamt

Am Samstag feiert der Rhein-Rock e.V. großes Jubiläum mit Live-Musik. Denn das Vereins-Team rund um Jan von den Driesch, Peter Gatzen und Jacqueline Beck ist vor allem für eins bekannt: Richtig gute Konzerte und ein berüchtigtes Open Air Festival.

2011 war der Verein aus einem freiem Organisations-Team des Rhein-Rock Open Air entstanden. „Als die das Festival nicht mehr weiterführen wollten, haben wir als Teil des damaligen Orga-Teams gesagt, wir wollen das nicht sterben lassen“, erklärt Gatzen. Mit Ach und Krach trommelten sie die notwendigen sieben Personen zur Vereinsgründung zusammen. „Wir hatten tatsächlich einen Notnagel anwesend, der eigentlich gar nicht wollte aber dann doch musste. Das eigentlich angedachte Mitglied stand im Stau“, grinst Gatzen.

Neben dem Erhalt des Festivals planten sie auch die Förderung lokaler Nachwuchsmusiker aufzubauen. Mit Erfolg: Sowohl Bands als auch Solo-Künstler haben mittlerweile ihren Weg zu Rhein-Rock gefunden. Abgesehen von einem Solo-Musiker, der Kinderlieder produziert, ist Rock hier das vorherrschende Genre. Egal ob die Organisation von Konzertauftritten, Fan-Artikeln oder die Gestaltung des Internetauftritts – Rhein-Rock bietet seinen Künstlern ein Rundum-Sorglos-Paket. Doch nicht nur die profitieren von der Arbeit des Vereins, sondern auch die Mitglieder selbst. „Das ist wie ein unbezahltes Praktikum, nur cooler“, sagt Beck. Vor allem aber ermögliche die Arbeit im Verein den Einstieg in die Musikbranche. „Denn das funktioniert nur über ein persönliches Netzwerk“, weiß Gatzen.

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Aktuell hat der Verein aktive 16 Mitglieder, die bei der Planung der Veranstaltungen und Konzerte mit anpacken. Neue Mitglieder sind indes immer willkommen. „Wir würden uns über Schüler und Studenten freuen, die frischen Wind und neue Ideen mitbringen“, sagt Beck. Möglichkeiten zur freien Entfaltung gibt es genug, denn die Arbeit des Vereins gestaltet sich vielfältig. Von dem Erstellen von Grafiken und Bildern, über die Tontechnik, bis hin zur Kommunikation mit Bookern und der Organisation von Konzerten und Festivals ist alles dabei. „Jeder soll die Möglichkeit haben, das zu machen, worauf er Bock hat, und wo er sich weiterbilden will“, so von den Driesch. Eine gute Möglichkeit für alle, die einmal ins Event- oder Künstlermanagement einsteigen wollen. „Es gibt keine Grenzen. Wenn jemand mit einer geilen Idee um die Ecke kommt, sind wir die Letzten, die Nein sagen“, sagt von den Driesch. Gatzen bestätigt: „Wir sind sehr basisdemokratisch. Bei uns hat jeder die gleiche Stimme“.

Die Konzerte ihrer Künstler richtet Rhein-Rock insbesondere im Sojus 7 aus, das sich derzeit im Umbau befindet. „Das war unsere Hauptveranstaltungsstätte. Da sich hier in der Gegend die möglichen Räumlichkeiten und deren Ausstattung in Grenzen halten, betrifft uns der Umbau schon sehr“, sagt Beck. „Wir unterstützen es, dass dort weitere Probenräume entstehen und hoffen, dass das Sojus schnellstmöglich fertiggestellt wird. Die Nachfrage dafür ist da. Daher ist das wieder ein guter Schritt der Stadt im Rahmen der Kulturförderung“, findet von den Driesch. Voraussichtlich 2023 soll der Neu- und Umbau des Sojus 7 komplett abgeschlossen sein.

Bis dahin freuen sich die drei auf viele weitere Konzerte und Festivals. „Wir freuen uns darauf, das Open Air bald wieder stemmen zu dürfen“, sagt Beck. Bei dem Gedanken an die Veranstaltung kommen Erinnerungen hoch. In zehn Jahren ist viel passiert. Zum Beispiel beim Open Air 2019: „Wir hatten von jetzt auf gleich ein krasses Gewitter, das nicht vorherzusehen war. Das war ein turbulentes Erlebnis, das uns alle noch einmal auf unsere Stressprobe gestellt hat“, erinnert sich Beck. „Aber wir haben das echt gut gemeistert.“ Als sich der Himmel gelichtet habe, seien alle Besucher nass gewesen. Gestört habe das niemanden: Sie hätten fröhlich weiter gefeiert und im Matsch zur Musik getanzt. Bei Gatzen weckt das Erinnerungen an 2011: Auch damals habe es den ganzen Tag geregnet. „Am Ende standen nur noch ein paar Grüppchen auf der Wiese. Da habe ich jeden mit Handschlag verabschiedet und mich fürs Durchhalten bedankt.“ Eine familiäre Atmosphäre, die sich auch im Publikum widerspiegelt. „Unser Open Air ist nicht das klassische Rock-Konzert, wie man es sich vorstellt, bei dem besoffene Metalheads im Kreis rennen,“ sagt von den Driesch. „Das ist ein Familienfest.“ Viele kämen mit Kindern und Großeltern. Sein Lieblingsformat sei das ‚Rocken ohne Socken’ im Allwetterbad Mona Mare. Das Besondere: Die Bühne steht direkt am Beckenrand, das Publikum schwimmt im Wasser und kann zu Live-Musik rutschen oder im Whirlpool entspannen.

Bevor Open Air und weitere Formate bald wieder anlaufen können, heißt es jetzt erstmal: Geburtstag feiern. Am Samstag lädt Rhein-Rock zur musikalischen Geburtstagsfeier im Bürgerhaus Baumberg. Einlass ist ab 16 Uhr, die Show startet um 18 Uhr. Tickets gibt es unter www.rhein-rock.de.

Und worauf kann sich das Publikum am Samstag freuen? Da sind sich die drei einig: „Auf endlich wieder Live-Musik“. „Hausgemachte Musik“. Und: „Eine geile Geburtstagsparty“.

(lauw)