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Zahl der Schulschwänzer in Langenfeld steigt

Stadt Langenfeld sucht Lösungen : Die Zahl der Schulschwänzer steigt

43 Langenfelder Schüler gehen derzeit nicht regelmäßig zur Schule, aus unterschiedlichen Gründen. Die Stadt will gegensteuern und den Jugendlichen und ihren Familien helfen.

Die Zahl der Schüler, die über einen längeren Zeitraum die Schule schwänzt, steigt. Waren es im April 2021 drei Schüler, sind es im Januar diesen Jahres 43 Jugendliche. Diese Zahlen legte Jerome Schneider nun den Mitgliedern des Schulausschusses vor. Zu seinen Aufgaben gehört es, Lehrer an weiterführenden Schulen auf das Thema hinzuweisen und sie zu sensibilisieren, ihn über abwesende Schüler zu informieren.

„Schulabsentismus gibt es an allen weiterführenden Schulen von der 5. bis zur 13. Klasse“, erläuterte Schneider. Es sei auch kein schichtenspezifisches Problem. Auf die Frage nach der Geschlechterverteilung erklärt Schneider, dass mehr Jungen fehlten. Unter den derzeit bekannten 43 Fällen seien sieben Mädchen. Dank der engen Zusammenarbeit mit den Schulen hätten in den vergangenen Monaten zahlreiche Gespräche stattgefunden. „Je früher wir mit den Schülern ins Gespräch kommen, desto größer die zeitnahe Rückkehrchance zu einem regelmäßigen Schulbesuch.“

Es gebe in der Regel mehrere Gründe, die Schule zu meiden: Mobbing, Beziehungen zu Gleichaltrigen, das Klassenklima, Versagensängste, mangelnde Konzentrationsfähigkeit oder die Angst, sich peinlich zu benehmen. Hinzu kämen Belastungen in der Familie, sei es Streit unter den Eltern, Krankheit oder die absehbare Trennung, Einkommen, Bildungsgrad der Eltern und deren der Erziehungsverhalten. Oft gebe es auch eine Wechselwirkung dieser Faktoren.

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Ob Corona die Situation verschärft habe, könne er nicht sagen. „Es gibt Fälle, da sind Jugendliche zum regelmäßigen Unterricht zurückgekehrt, weil der online stattfand“, sagt Schneider. Das Kurssystem beispielsweise erleichtere längere Abwesenheitszeiten. Auch wenn ein Schüler immer „nur“ montags und freitags fehle, dauere es, bis das auffalle. Es gebe sehr unterschiedlichen Muster zur Verschleierung.

„Klassisch beginnt Schulabsentismus ab der siebten Klasse“, berichtet Thomas Bremer, Leiter des Referats Allgemeiner Sozialer Dienste. „Es ist die eigenständige Entscheidung der Schüler, dem Unterricht fernzubleiben.“ Das sei der Unterschied zu Kindern bis zur fünften Klasse. „Die Kleinen klagen über Bauch- oder Kopfschmerzen, um nicht in die Schule zu müssen.“ Zum Teil verhinderten aber auch die Eltern den Schulbesuch der Kinder.

Es gebe Fälle, in denen Jugendliche mehr als ein Jahr nicht in der Schule waren, berichtet Bremer. Dies künftig zu verhindern, sei Aufgabe von Jerome Schneider. „Aber geben sie uns ein wenig Zeit“, bittet der Referatsleiter. Die Ausweitung des Aufgabenbereiches auch auf die Grundschulen lehnt Bremer ab. „Mit den derzeit 43 Fällen ist die Kapazitätsgrenze erreicht.“

„Es kann dauern, bis bei den Beteiligten, Schülern, Eltern oder beiden Parteien der Groschen falle, dass ein regelmäßiger Schulbesuch wichtig ist.“ Der Zeitrahmen sei individuell sehr unterschiedlich und immer abhängig von den Gründen. In Einzelfällen könne es auch ein Jahr dauern, bis das „chronische Verhalten und die eingefahrenen Familiensituationen“ sich verändern. Deswegen sei eine engmaschige Abstimmung aller Beteiligten wichtig.