1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Langenfeld: Zahl der Einbrüche hat sich verdreifacht

Langenfeld : Zahl der Einbrüche hat sich verdreifacht

Die Fallzahlen sind seit 2005 drastisch gestiegen. Die Ratsopposition fordert mehr Geld für Prävention.

Der städtische Ordnungsausschuss befasst sich morgen mit der Kriminalitätsentwicklung in Langenfeld. Dabei dürfte vor allem die Zahl der Wohnungseinbrüche manchem Ratsmitglied Sorgen machen. Denn die Statistik, die die Polizei den Lokalpolitikern vorlegt, zeigt eine deutliche Zunahme der Fälle. Waren es im Jahr 2005 noch 96 Wohnungseinbrüche in Langenfeld, lag diese Zahl 2013 gut dreimal so hoch, bei knapp 300. Für 2014 haben die Behörden noch keine Gesamtsumme veröffentlicht, auch 2015 sind Einbrecher - wie die Meldung von der Poststraße auf dieser Seite zeigt - aber aktiv.

"Der Langenfelder Trend entspricht in etwa der Entwicklung im gesamten Kreisgebiet, die Zahlen steigen in allen Städten", sagt dazu Kriminalhauptkommissar Uwe Axnich. Der 60-Jährige gehört der auf Einbrüche spezialisierten Einheit der Kreispolizei an, die 2012 ins Leben gerufen wurde, um den Einbrechern das Handwerk zu legen. Insgesamt sieben Kripo-Beamte arbeiten in der Mettmanner Zentrale nur an Einbruchsfällen. Der Erfahrung nach ist Langenfeld seit Jahren ein besonders beliebtes Pflaster für Einbrecher, die gut organisiert vorgehen. Axnich: "Meistens handelt es sich um bandenartig organisierte Kleingruppen aus Südosteuropa."

  • Warnung im Ernstfall : Brandmelder retten Leben
  • Das sichere Haus : Keine Chance für Einbrecher
  • Polizei zuversichtlich : Einbruchszahlen in Düsseldorf gehen deutlich zurück

Deren Vorgesehensweise sieht meist so aus: Die Täter kaufen sich einen billigen Gebrauchtwagen und fahren damit durch die Wohngebiete. Erspähen sie ein lukratives Objekt, in dem wahrscheinlich niemand zu Hause ist, schlagen sie innerhalb von Minuten zu - und verschwinden schnell wieder. "Oft fahren sie danach in die nächste Siedlung oder gleich in eine andere Stadt. Das macht die Ermittlungen natürlich schwierig", sagt Axnich. Immerhin: Die Aufklärungsquote im Kreis Mettmann habe mit rund 21 Prozent mehr als fünf Punkte über dem Landesdurchschnitt gelegen. Viele Einfamilienhäuser, gute Autobahn-Anbindungen und eine relativ hohe Einkommensstruktur - nach Einschätzung von Langenfelds Erster Beigeordneter Marion Prell gibt es für Diebe viele Gründe, in die Posthorn-Stadt zu kommen. "Was auf der einen Seite unser Vorteil ist, kann auf der anderen Seite auch ein Nachteil sein."

Zugleich gibt Prell zu bedenken, dass in die Statistik nicht nur vollendete, sondern auch versuchte Einbrüche einflössen. Bei etwa 40 Prozent bleibe es beim Versuch, sagt Axnich dazu. Für Prell ist das ein Indiz, dass die städtischen Maßnahmen in der Kriminalprävention greifen. "Wir machen schon viel auf kommunaler Ebene." Mit Polizei, Ordnungsamt, Verbänden und Vereinen sei vor einigen Jahren der Kriminalpräventive Rat gegründet worden, der unter anderem mit Aufklärungskampagnen sowie Info-Material beim Einbruchsschutz helfen könne.

Die Kriminalitätsbekämpfung aber ist Aufgabe der Polizei. Das ist einer der Gründe, warum sich die Stadt schwer tut, Maßnahmen gegen steigende Einbruchszahlen zu treffen. Die Polizei wiederum verweist auf zu wenig Personal, um flächendeckende Sicherheit rund um die Uhr zu garantieren. Weil diese Entscheidungen auf Landesebene getroffen werden, bringt die Forderung nach mehr Beamten vor Ort meist wenig. "Trotzdem kann es nicht sein, dass es nachts nur einen Polizeiwagen für eine Stadt mit rund 60 000 Einwohnern gibt", kritisiert CDU-Ratsherr Rolf Kamp. Zudem sei es unzumutbar, dass die Kommunen mit ihren Geldern strukturelle Defizite der Polizei ausbügeln müssten. "Wir können höchstens verstärkt in der Prävention tätig werden und weitere Aufklärungskampagnen starten."

Die Langenfelder SPD fordert, den Kriminalpräventiven Rat mit zusätzlichem Geld ausstatten und das Netzwerk ausbauen. "Wir sehen weitergehenden Handlungsbedarf", meint Ratsherr Kurt Jaegeler. Ein entsprechender Antrag sei in Vorbereitung. Gerold Wenzens (BGL) sieht es ähnlich: "Die Möglichkeiten der Kommunalpolitik sind in dem Zusammenhang eher indirekt, aber auch das sollten wir nutzen." Für die Prävention müsse mehr Geld bereitgestellt werden. "Mit relativ wenig Geld lässt sich in dem Bereich viel erreichen."

Hier geht es zur Infostrecke: So schützen Sie Ihr Haus vor Einbrechern

(RP)