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Marc Kretkowski: Wupsi-Chef wehrt sich gegen Kritik der Kammer

Marc Kretkowski : Wupsi-Chef wehrt sich gegen Kritik der Kammer

Kretowski nimmt Stellung zur Kritik der Industrie- und Handelskammer, die unter anderem die Werkstatt infrage stellt.

Herr Kretkowski, vorige Woche hat die IHK in einem Positionspapier gefordert, alle städtischen Beteiligungen zu überprüfen und gegebenenfalls zu privatisieren. Als Wupsi-Chef kann Sie das kaum begeistern.

Kretkowski Das ist ein alter Hut, Ähnliches hat die IHK Anfang 2000 gefordert. Für mich transportiert das Papier klar die bekannte ordnungspolitische Position der IHK Köln: Privat vor Staat. Mich ärgert es, wenn so getan wird, als ob private Unternehmen immer alles besser können als öffentliche. Das ist nicht so. In der Bankenkrise war doch am meisten Verlass auf die Sparkassen. Es gibt auf beiden Seiten gute und schlechte Beispiele. Ich finde es im übrigen befremdlich, dass die Forderungen von einer Einrichtung wie der IHK, mit behördenähnlichen Strukturen und Zwangsmitgliedschaften, aufgestellt werden.

Es wurde auch die Notwendigkeit der Wupsi-Werkstatt in Frage gestellt.

Kretkowski Ich halte das für eine wenig sachkundige Aussage eines Einzelnen. Dass unsere Werkstatt wettbewerbsfähig ist, hat ein Gutachten vor wenigen Jahren ergeben. Unsere Kostensätze sind sehr günstig, auch im Vergleich mit privaten Werkstätten. Wenn es günstiger wäre, den Bereich auszulagern, würden wir es machen. Aber es rechnet sich nicht. Und hier wartet auch keiner auf Arbeit. Das ist völliger Quatsch. Die Auslastung der Werkstatt ist stets hoch. Bei 150 Fahrzeugen gibt es immer was zu tun: neben Reparaturen auch Wartungen, TÜV und andere Sonderprüfungen.

Wie stehen Sie zu der Forderung der IHK, das Liniennetz auf einzelnen Strecken auszuweiten und Linien untereinander besser zu vernetzen?

Kretkowski Das ist sehr oberflächlich. Denn natürlich überprüfen wir mit der Stadt ständig unser Netz und reagieren auf Nachfragen oder die Erschließung neuer Gebiete wie der Bahnstadt oder seinerzeit die Eröffnung der Rathaus-Galerie. Die IHK sollte auch nicht so tun, als ob alle anderen schlafen. Die Forderung nach einem Fahrrad-Verleih-Sytem etwa: Das wurde längst untersucht, würde in Leverkusen 230.000 Euro an Betriebskosten aufwerfen. Geld, das nicht zur Verfügung steht. Zudem wird die Wupsi mit einem Kooperationspartner noch in diesem Monat ein Angebot zum Car-Sharing präsentieren.

Sie sehen keinen Verbesserungsbedarf für den ÖPNV in Leverkusen?

Kretkowski Doch, den gibt es. Das Angebot hier ist gut. Aber es gibt auch ein großes Problem: Der Verkehr müsste besser fließen. Durch die Staus auf den Autobahnen oder die Baustellen in der Stadt kommt es in einigen Bereichen regelmäßig dazu, dass der Verkehr steht. Wenn man den ÖPNV stärken möchte, müsste man mehr separate Busspuren und beeinflussbare Ampeln einrichten. Und wenn der Bus an Menschen im Stau vorbeifährt, kommen diese ins Überlegen, ob es nicht lohnt, das Auto stehen zu lassen.

ROMAN ZILLES FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)