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Langenfeld/Monheim: Wohndauer in Altenheimen sinkt

Langenfeld/Monheim : Wohndauer in Altenheimen sinkt

Altenheimplätze werden inzwischen schnell wieder frei. Die Verweildauer der Bewohner sinkt in allen Heimen kontinuierlich. Dadurch werden auch die Wartelisten kürzer.

Für alte Menschen ist die Heimunterbringung spätestens dann notwendig, wenn sie pflegebedürftig werden und keine Angehörigen ihre Betreuung leisten können. In den letzten Jahren gelang es, ältere Menschen länger in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung zu lassen. Dazu wurden vielfältige ambulante Leistungen entwickelt, das Pflegegeld für Angehörige erhöht, Netzwerke wie die Quartiersarbeit geknüpft, und auch die besseren medizinischen Möglichkeiten spielen eine Rolle.

Eine Nebenwirkung dieser positiven Entwicklung ist nun verstärkt in den Altenheimen zu erkennen. Ursprünglich als Wohnheime konzipiert sind es heute vielfach Altenpflegeheime geworden. Folge: Die Verweildauer der Bewohner sinkt beständig. "Früher lebten bei uns Bewohner häufig mehr als zehn Jahre", bestätigt Christa Reinders vom Seniorenzentrum Karl-Schröder-Haus der Arbeiterwohlfahrt (Awo).

Dieses Jahr verstarben rund 30 Heimbewohner, in 2012 sogar fast 50. Anastasia Chatziioannidou, Pflegdienstleiterin im Haus Katharina im Seniorenzentrum St. Martinus, nennt "inzwischen 1,5 Jahre" als durchschnittliche Verweildauer.

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Ulrich Hensch vom Hewag-Seniorenstift konnte/musste in 2014 fast zwei Drittel der insgesamt 94 Heimplätze neu vergeben. "Vor zehn Jahren kaum ein Fünftel, heute mehr als ein Drittel" beschreibt Norbert Molitor, verantwortlich für die CBT-Heime St. Franziskus in Langenfeld und das Peter-Hofer-Haus in Baumberg die jährliche Fluktuation.

"Viele Angehörige entscheiden sich (zu) spät zu diesem Schritt, oftmals überfordern sie sich und nehmen selbst Schaden", bedauert Hensch. Drei Viertel der Neuaufnahmen sind an Demenz erkrankt, "sie kommen erst, wenn es zu Hause gar nicht mehr geht", weiß auch Norbert Molitor. Mehr als jeder zweite Bewohner gilt als "multimorbid", ist also von mehreren Krankheiten gezeichnet. Längst arbeiten die Heime eng mit Palliativmedizinern zusammen oder haben ihre Mitarbeiter gerontopsychiatrisch zusätzlich qualifiziert. Soziales Miteinander, Geselligkeit sind bei diesem Klientel daher kaum noch möglich, also gibt es überwiegend Individualbetreuung statt Gruppenangebote - bei gleich bleibenden Leistungen der Pflegekassen. Es gibt weitere wirtschaftliche Folgen. Die Pflegekassen unterstellen eine 98,5- prozentige Auslastung der Heime. Jeder Bewohnerwechsel bedeutet jedoch, dass Zimmer bzw. Betten einige Tage leer bleiben.

Auch für die Heimverwaltungen und das Stationspersonal sind die häufigeren Neuaufnahmen problematisch, es müssen jeweils umfangreiche Pflegedokumentationen angelegt und abgeschlossen werden. Molitor sieht in der starken Fluktuation vor allem eine Belastung für die Psyche der Mitarbeiter. Im Gegensatz zu Krankenhäusern, wo der Patient nur kurzzeitig betreut wird, "ist die Heimunterbringung auf Beziehungspflege angelegt". Diese Beziehungen enden inzwischen oft sehr schnell, und in immer kürzerer Zeit muss der Mitarbeiter sich auf neue Bewohner einstellen.

Allerdings sind in den meisten Heimen die Wartelisten kleiner geworden. Die Todesfälle machen zuverlässig Platz für Nachrücker "Vor 2003 hatten wir Endlos-Wartelisten" erinnert sich Ulrich Hensch. Jetzt sind es bei ihm kaum ein Dutzend potenzielle Bewohner, im Haus Katharina gibt es zehn konkrete Anmeldungen, 15 dringende Anfragen liegen Christa Reinders vor, fürs Peter-Hofer-Haus in Baumberg interessieren sich immerhin fast 60 alte Menschen.

(mmo)