Langenfeld: Wo die Mona Lisa Silberblasen trägt

Langenfeld: Wo die Mona Lisa Silberblasen trägt

Die Wasserburg Haus Graven zeigt 60 Varianten einer zeitlosen Ikone.

500 ist sie alt und hat nichts an Attraktivität eingebüßt: die Mona Lisa und ihr berühmtes Lächeln. Jetzt ist sie in sechzigfacher Ausführung in der Wasserburg Haus Graven zu sehen. 18 zeitgenössische Künstler haben sich mit da Vincis Meisterwerk auseinandergesetzt und das Porträt der geheimnisvollen Dame in die Gegenwart transferiert. Was dabeiherauskam, ist unbedingt sehenswert. Jetzt wurde die Ausstellung, die Colmar Schulte-Goltz, Kunsthistoriker und Galerist aus Essen, initiiert hatte, in der Wasserburg eröffnet.

Die Ausstellung zeigt das bekannte Porträt schemenhaft verschleiert in pastelligen Farben von Sebastian Herzau, in düsteren Fluten zerfließend von Burkhard Driest oder als imposanten großen Holzkopf, der von seinem Podest geholt neben einem Baustumpf mit goldener Oberfläche steht und dem Besucher nahezu verschmitzt zulächelt - eine Arbeit des Holzbildhauers Roger Löcherbach.

Zu welchen Abstraktionen kreative Köpfe fähig sind, zeigt die Konzeptkünstlerin und Bildhauerin Angela Schilling. Die Hobby-Schützin, die im Sportschützenverein der Polizei ist, hat Löcher in drei Metallplatten geschossen, durch die den Betrachter Teile der lächelnden Mona Lisa anschauen. Damit hat sie eine eigene Form der Ikone geschaffen. Man kennte die russisch-orthodoxe Variante, die gemalte Madonnen-Köpfe hinter gehämmertem Gold- oder Silberblech zeigt.

Wer das sagenumwobene Schmunzeln der Mona Lisa zu seinem eigenen machen will, kann sich eine von Angela Schilling geschaffene Silberbrosche ans Revers heften. Darauf ist das Lächeln der Mona Lisa bogenförmig mit Perlen angedeutet.

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Interessant auch die Mona-Lisa-Darstellung von Fabian Pfleger, die in fast barocker Maltechnik zeigt, was Mona Lisa wohl gesehen haben mag, als sie dem Künstler Modell saß: einen alten Leonardo mit nacktem Oberkörper und ihren jugendlichen Ehemann im Hintergrund, der da Vinci Hasen-Öhrchen macht, um Mona Lisa zum Lächeln zu bewegen.

Dann gibt es die bekannte Dame noch psychodelisch verschwommen und grob verpixelt als Aufdruck einer Tragetasche, die eine moderne Frau umgehängt hat von Holger Kurt Jäger.

Ein wirklich interessantes Gemälde, dessen Motiv man erkennt, je weiter man sich von ihm entfernt. Es zeigt, wie gut das Gehirn Bekanntes abspeichert, das man es derart grob gerastert noch wiedererkennt. Mitunter reichen auch nur die Hände der Mona Lisa, um zu wissen, um wen es sich handelt. Im roten Salon der Wasserburg begeistert besonders die präzise, fast fotorealistische Arbeit des jungen Künstlers David Uessem, der der Mona Lisa das Äußere seiner Frau gibt, aber nur bis zur Nase. Darüber lässt er silberne Blasen aufsteigen, in denen sich das Atelier des Künstlers spiegelt aber vor allem auch ein aufgeschlagenes Buch mit dem Original-Gemälde Leonardo da Vincis.

(RP)