Monheim: Wo der Rhein seine Steine her hat

Monheim : Wo der Rhein seine Steine her hat

Bei einer Exkursion erkundeten Monheimer Volkshochschüler mit Lupe und Beutel das Ufer des Stroms.

Die Kiesel des Rheins können einem die Welt erschließen. Davon erzählt der autobiografisch grundierte Roman "Das verborgene Wort" von Ulla Hahn. Wenn der Großvater mit Hilla und ihrem jüngeren Bruder Bertram am "Dondorfer" Rheinufer spazieren geht, hebt er hin und wieder einen "Booch-steen" (Buchstein) auf und und liest daraus eine Geschichte vor. Wer weiß, was aus Ulla Hahn, dem Kind aus bildungsfernem Hause, geworden wäre, wenn der liebevolle Großvater nicht die Fantasie seiner Enkeltochter angeregt hätte? Wäre auch dann aus der Monheimerin die berühmte Schriftstellerin geworden? Die hat den Rheinkieseln auch optisch ein Denkmal gesetzt: Auf dem Umschlag der Originalausgabe des "Verbogenen Worts" (2001) sind die Handschmeichler in all ihrer Schönheit zu sehen.

Doch die Steine des Rheins erzählen nicht nur - auch ü b e r sie lässt sich einiges erzählen. Das bewies jetzt die Geologin Angela Herzberg bei einer Exkursion der Volkshochschule Monheim. In vier Etappen beantwortete sie die Frage: Wo hat der Rhein seine Steine her?

Gleich zu Beginn räumte Herzberg mit der Vermutung auf, dass die Steine aus den Alpen stammen könnten. Eher schon seien sie über die Nebenflüsse wie Mosel, Main oder Neckar in den Rhein gelangt. Mit Hilfe einer Karte veranschaulichte die Expertin die Steinvorkommen am Rhein. Nicht immer sind die Kiesel sichtbar. So etwa an den "Kniekehlen" des Flusses, also den Innenseiten der Rheinbögen. Dort sind die Steine oft mit einer Schlammschicht bedeckt.

Angela Herzberg hat die Gabe, durch ihre lockere Art des Vortrags sowohl kundige als auch unerfahrene Zuhörer mitzunehmen. Begriffe, die nicht auf Anhieb verständlich sind, werden sofort erklärt. So ist mit "Rheineinzugsgebiet" nur der Bereich gemeint, in dem Niederschläge direkt in den Rhein fließen. Auch die "fluviatil" gerundeten Gerölle wurden erläutert. Das sind Steine, die von den Wellen des Rheins beständig bewegt werden und so nach und nach "rollend" eine rundere Oberfläche bekommen. Mit Humor beantwortete die Fachfrau die Frage, wie alt denn "jung" für einen Geologen sei. Herzberg: "Wenn der Geologe ,jung' sagt, dann ist das schon verdammt alt." Im Klartext: Ein paar Milliönchen Jahre können da schon zusammenkommen.

Nach ein bisschen Steinkunde und Bestimmungslehre ging es an die Praxis. Mit Lupen und Beuteln ausgerüstet, machten sich die Teilnehmer auf die Suche nach Steinen, um mit Hilfe von Geologin Herzberg Herkunft und Alter herauszufinden.

Nach der Exkursion durften die Monheimer Uferläufer ihre Fundstücke mit nach Hause nehmen und hatten so direkt ein persönliches Souvenir im Gepäck. Wer weiß, vielleicht lässt sich dem einen oder anderen Stein daheim sogar noch mehr entlocken als nur dessen eigene Geschichte.

(RP)
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