Anja Steinbeck Und Gregor Berghausen: "Wir holen die größten Talente in die Stadt"

Anja Steinbeck Und Gregor Berghausen: "Wir holen die größten Talente in die Stadt"

Der Verein zur Förderung der Wissensregion Düsseldorf will neue Brücken zwischen Hochschul- und beruflicher Bildung bauen. Die Uni-Rektorin und der IHK-Hauptgeschäftsführer erklären, wie sie das erreichen wollen.

Hochschulen, Verbände, Unternehmen und die Stadt Düsseldorf tauschen sich regelmäßig aus. Warum schaffen Sie mit der Wissensregion Düsseldorf eine zusätzliche Struktur?

Steinbeck Es stimmt, dass es viele sehr gut funktionierende bilaterale Beziehungen gibt. Dennoch will der im Aufbau befindliche Verein die enormen Stärken des Standortes Düsseldorf noch sichtbarer machen. Im Wettbewerb um die besten Talente und forschungsintensive Unternehmen ist ein geschärftes Profil ein zentraler Standortfaktor. BERGHAUSEN Es geht vor allem darum, die Bildungslandschaft als Ganzes in den Blick zu nehmen und noch attraktiver für qualifizierte Bewerber zu werden. Die Botschaft muss sein: Düsseldorf mit den Nachbarkreisen Neuss und Mettmann ist ein Top-Ziel für Bildung, Ausbildung und berufliche Karrieren. Hat das Erfolg, wird es uns dabei helfen, die Versorgung der Region mit Fachkräften zu sichern.

Haben Sie denn auch ein Leuchtturmprojekt, an dem man erklären kann, worum es Ihnen bei der Sache konkret geht?

Steinbeck Die Wissensregion möchte innovative Ausbildungsformate anbieten. Besonders am Herzen liegt uns das Projekt Innovationssemester. Darin wollen wir im kommenden Jahr junge Menschen aus der dualen Berufsausbildung in den Betrieben und aus den Hochschulen zueinanderführen. Sechs bis acht Köpfe sollen das sein, der eine studiert an der Uni, der andere an der Hochschule Düsseldorf, einer kommt aus dem Handwerk, wieder einer absolviert gerade eine handwerkliche Lehre und auch einer von der Kunstakademie könnte dabei sein.

Und was machen die dann miteinander?

Steinbeck Sie planen beispielsweise, ein sehr altes Buch auszustellen. Der Jurist klärt, ob es rechtliche Probleme geben könnte, der Betriebswirt entwickelt einen Plan, wie das organisiert wird, der Historiker erläutert die Bedeutung des Werkes, der Schreiner baut die Präsentationsvitrine, und der IT-Experte kümmert sich um die digitale Vermarktung. BERGHAUSEN Uns geht es darum, Gräben zwischen beruflicher und akademischer Ausbildung zu überwinden. Studierenden fehlt nicht selten der Praxisbezug. Sie erhalten so die Gelegenheit, ihr Wissen auf die Straße zu bringen. Umgekehrt erfahren Auszubildende, dass Theorie nicht immer grau sein muss, sondern, dass dieses Wissen in der Praxis durchaus verwertbar ist.

Welche Erfahrungen machen Sie denn mit den Uni- und Hochschulabsolventen?

Berghausen Ein Bachelor, der beispielsweise in einer internationalen Unternehmensberatung seinen ersten Job erhält, ist bisweilen überfordert, weil er auf eine Welt trifft, deren Regeln er überhaupt nicht kennt. Es fehlen ihm schlicht bestimmte, in der Berufswelt selbstverständliche Kulturtechniken. Unsere Projekte zielen darauf, die beiden Welten früher miteinander zu verzahnen. Das hilft den Unternehmen und den Berufsanfängern.

Die Wirtschaft warnt vor Über-Akademisierung. Gibt es zu viele Studierende?

Steinbeck Selbst wenn es so wäre, ist es nicht an mir, das zu steuern.

Die Folge sind aber hohe Abbrecherquoten.

Steinbeck Die sind sehr unterschiedlich. Grundsätzlich kann man sagen: Wo es einen hohen Wettbewerb mit einem Numerus clausus gibt, also beispielsweise in Medizin, Jura und Betriebswirtschaftslehre, liegen diese Quoten bei zehn, 15 oder 20 Prozent. In anderen Fächern können es aber auch bis zu 40 Prozent sein, der Durchschnitt liegt bei etwa 30 Prozent.

Wie groß soll der Verein "Wissensregion Düsseldorf" denn werden?

Steinbeck Sicher werden zu den zwölf Gründungsmitgliedern noch welche hinzukommen. Studierendenwerk und die Akademie der Wissenschaft und Künste haben das bereits angekündigt, Gespräche gibt es auch mit der Kunstakademie.

Wie viel Geld kann der Verein Wissensregion denn einsetzen?

Berghausen Das aktuell zugesagte Jahresbudget liegt bei knapp über 100.000 Euro.

JÖRG JANSSEN UND UWE-JENS RUHNAU FÜHRTEN DAS INTERVIEW.

(RP)