Monheim: "Wir halten die Zeit fest - und die Jugend"

Monheim: "Wir halten die Zeit fest - und die Jugend"

Meteorologisch hat der Frühling bereits angefangen und auch die Temperaturen sind wieder zweistellig - über Null. Jetzt beginnt die Saison für die Fahrer von Oldtimern jeglicher Art. Auch in Monheim gibt es einige Hobby-"Traktoristen".

Mir fehlt sofort der fürsorgliche Druck eines Gurtes. In den Kurven fährt die Hand unwillkürlich zu einem Haltegriff, um nicht über die niedrige Beifahrertür zu purzeln. Als Quasi-Verankerung mit dem Fahrzeug müssen die Beine herhalten, die ausgestreckt in dem engen Kanal des Fußraumes stecken. An meiner linken Wade brennt der schon heiß gelaufene Motor, der sich beim Unimog 411 direkt unter dem Armaturenbrett befindet. Nebenan rührt Günter Ochs mit dem langen Schaltknüppel im Getriebe, er schaltet, der Wagen ruckelt, dennoch wogt der Sitz nur sachte hin und her. "Der Wagen hat acht Gänge: zwei niedrige Arbeitsgänge, vier Fahr- und zwei Rückwärtsgänge", berichtet Ochs.

Der militärgrüne Unimog von 1963 ist ein Männertraum. Bullig im Auftreten, vielseitig in der Verwendung. So fasziniert den 65-jährigen, der aus einer landwirtschaftlich geprägten Familie aus Ostpreußen stammt, vor allem die Funktionalität des Fahrzeugs. Mit seinen profilstarken Reifen kann der Wagen jedes Gelände meistern und er besitzt zahlreiche Anbaumöglichkeiten für andere Geräte.

Auch vor der Garage von Hans Peter Anstatt in Zaunswinkel steht ein landwirtschaftliches Fahrzeug aus der Zeit, als nach dem Weltkrieg die Motorisierung der Landwirtschaft begann. Der Traktor von 1954 im klassischen Grasgrün mit gelb abgesetztem Markenzeichen sieht aus, als hätte er gerade erst die Deutz-Werke in Köln verlassen. Schon als Fünfjähriger habe er eine starke Vorliebe für den Traktor auf dem Kirmeskarussel gehabt, sagt Anstatt augenzwinkernd. Als er dann vor 25 Jahren sein Haus kaufte, kam gerade in Deutschland die nostalgische Bewegung für landwirtschaftliche Maschinen auf - und er besaß eine Garage. Den völlig heruntergekommenen Traktor kaufte er einem Bauern in Pulheim ab. "Mit der relativ einfachen Technik kann man sich auch als Laie leicht vertraut machen", sagt der städtische Angestellte. Das Schrauben und Basteln sei für ihn natürlich auch ein Ausgleich zur Büroarbeit. Inzwischen könne er seinen Traktor komplett auseinander- und wieder zusammenbauen.

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Und im Sommer genießt er es, mit seinem grünen Traktor mit 20 kmh durch die Gegend zu tuckern. "Der Reiz liegt im Langsamen", versichert er. Außerdem treffe man dabei immer auf Gleichgesinnte. Verkehrsreiche Straßen meide er schon deshalb, weil es immer einige eilige Menschen gebe, "denen ich offenbar zu viel Lebenszeit stehle". Die längste Einzeltour führte ihn einmal nach Kröv an der Mosel, zum größten Oldtimertreffen in Westdeutschland. Sein Reisegepäck hatte er samt Schlafgelegenheit in einem Anhänger verstaut. Auf diesen Treffen würde auch immer mit Ersatzteilen gehandelt. "Man kauft dort Dinge, die man sicherlich mal gebrauchen könnte", sagt er grinsend. Außerdem würden dort die alten landwirtschaftlichen Arbeitsweisen vorgeführt. "Wir halten die Zeit fest - und konservieren dabei natürlich auch unsere Jugend", sagt Anstatt. Obwohl sich nur zwei, drei landwirtschaftliche Betriebe gehalten haben, "gibt es heute in Monheim mehr Traktoren als früher".

Klaus Brinkmann knüpft mit dem Besitz eines Lanz Buldogg Traktors von 1956 an die bäuerlichen Traditionen seiner Familie an. Und auch, wenn man die in Monheim längst hinter sich gelassen hat, freue er sich, wenn er seine Enkelkinder auf eine Ausfahrt mitnehmen kann. Der Einzylinder Vier-Takt-Motor des kleinen taubenblauen Traktors meldet sich beim Anlassen mit dem klassischen langsamen Flapp-Flapp-Flapp zu Wort, schon der Sound ist urig. Überhaupt sieht er mit seinen deutlichen Gebrauchsspuren so aus, als wäre er eben erst außer Betrieb genommen worden. Um so mehr freut es die Hobby-Traktoristen, wenn sie mit ihrem Fahrzeug mal in die Pflicht genommen werden. So hat Ochs im Herbst mit der Seilwände geholfen, die alte Steganlage des Segelclubs ans Ufer des Monbagsees zu ziehen. Und Anstatt durfte mal einen Anhänger mit Getreide bewegen. "Das freut den Traktor, wenn er nicht nur sinnlos durch die Gegend fährt", sagt sein Fahrer stellvertretend.

(RP)
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