Monheim/Haan: Winterreifen: Wechsel einen Monat später als sonst

Monheim/Haan : Winterreifen: Wechsel einen Monat später als sonst

Sommerreifen im ADAC-Test

Der lange Winter hat dazu geführt, dass die Kfz-Werkstätten mit dem Saisongeschäft immer noch gut zu tun haben.

Nasskalt und grau in grau — wer seinem Auto jetzt noch keine Sommerreifen aufgezogen hat, der kommt auch erst mal nicht mehr auf die Idee, dies im "gefühlten Herbst" nachzuholen. Denn Reifenwechsel ist ein wetterfühliges Geschäft, wetterfühliger jedenfalls, als manch ein Laie geglaubt hätte. "Ja, wir haben in Sachen Reifen noch einige Aufträge", berichtet zum Beispiel Jochen Kramer von der Reifen-Service Monheim-Baumberg GmbH an der Sandstraße.

"Normalerweise kommen die ersten Kunden Mitte März und die letzten Mitte Mai, dieses Jahr aber sind wir damit etwa 14 Tage später beschäftigt", sagt der Kfz-Meister und Firmeninhaber.

Im April sei der Kundenandrang in seinem Betrieb "bei ein paar Tagen Sonnenschein richtig heftig" gewesen, danach sei die Welle aber schnell wieder abgeflaut. Grund: Mit dem Reifenwechsel ist es ein bisschen wie mit den Erdbeeren: "Die Leute müssen schon das Gefühl haben, dass die warme Jahreszeit wirklich da ist — sonst drängt es sie nicht so, die Autowerkstatt aufzusuchen", weiß Kramer aus Erfahrung.

Nächste Woche werde sein Team mit Reifenwechsel noch gut zu tun haben, "danach dürften aber nur noch einzelne Kunden kommen, die es wirklich vergessen haben". Und wenn man mit den Winterpneus einfach bis Oktober durchfährt? "Das würde ich nicht tun", warnt Krämer: "Aus Sicherheitsgründen und weil die Reifen kaputtgehen. Dann zahlen Sie am Ende drauf."

Für die Mitarbeiter des Autohauses Altmann in Haan waren die vergangenen Wochen hart. "Im März hatten wir zu wenig zu tun, ab April kam dann alles geballt, und die Arbeit war kaum zu schaffen", berichtet Geschäftsführerin Birgit Niegel. "Diesmal kamen die Kunden mindestens drei Wochen später mit ihrem Sommerreifenwunsch, und es ist immer noch nicht abgeebbt." Man habe es kaum geschafft, Reparaturen dazwischen zu schieben, weil die Arbeitsbühnen ständig für die Reifenwechsel belegt gewesen seien. Genauso sieht es beim Reifenhändler D & S an der Rheinischen Straße in Haan aus. "Wir haben auch noch genügend Reifen auf Lager", sagt Geschäftsführer Hartmut Dietrich.

Er rät davon ab, die Winterreifen wegen des kürzeren Sommers jetzt einfach drauf zu lassen. "Bei warmen Temperaturen nutzen sie sich viel schneller ab. Außerdem haben sie einen längeren Bremsweg, weil sie weicher sind." Von Ganzjahresreifen hält er nicht viel. Murat Demircan auch nicht. "Ganzjahresreifen sind weder im Sommer noch im Winter gut. Bei Schnee versagen sie", erklärt der Serviceleiter bei Mercedes Jüntgen. Daher würden sie auch nur selten nachgefragt.

Bei Jüntgen kam durch den verzögerten Reifenwechsel besonders ein Personalproblem hinzu. "Weil der große Andrang sonst im März ist, hatten die Mitarbeiter da Urlaubssperre und ihren Urlaub für April geplant", berichtet Demircan. Als dann aber der April und der Ansturm kamen, seien nur noch wenige Mitarbeiter da gewesen, die die Arbeit kaum bewältigen konnten.

Die Polizei hat ihre Fahrzeuge schon komplett umrüsten lassen. "Wir halten es mit den beiden ,O's, also von Ostern bis Oktober", sagt Sprecher Frank Sobotta. Sommerreifen hätten eine ganz andere Fahrqualität als Winterreifen, die im Sommer durchgefahren würden. "Es ist zwar nicht verboten, die Winterreifen drauf zu lassen, aber das Fahrverhalten und der Bremsweg sind bei Temperaturen über sieben Grad nicht optimal. Zur eigenen Sicherheit raten wir deshalb zum Reifenwechsel." Sommer- und Winterreifen seien für die jeweilige Jahreszeit die beste Wahl.

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht, meint Birgit Niegel vom Altmann Autoland. Lediglich einige Besitzer von alten Fahrzeugen verzichteten jetzt darauf, Sommerreifen aufziehen zu lassen. "Wenn man mit den Winterreifen den Sommer durchfährt, kann man sie anschließend wegwerfen", ist die Geschäftsführerin überzeugt. Deshalb lohne sich der Wechsel auch für kürzere Sommer. "Und wir haben ja nicht die Hoffnung aufgegeben, dass noch ein echter Sommer kommt."

(RP/rl)