Windkraft in Langenfeld: Jetzt dreht sich Windrad Nummer zwei

Langenfeld: Jetzt dreht sich auch das Windrad Nummer zwei

Es ähnelt den Kerzen auf dem Adventskranz: Erst eins, dann zwei,... Wie es aussieht, wird es im Falle der Windkraftanlagen in den Reusrather Feldern aber bei den beiden jetzt vorhandenen Exemplaren bleiben.

Das 99,5 Meter hohe Windrad Nummer 1 stand an der Rennstraße gut ein Jahr lang allein auf weiter Flur, jetzt hat Betreiber SL Naturenergie (Gladbeck) als Zwilling Nummer 2 aufgestellt. Anders als beim Adventskranz hat SL-Chef Klaus Schulze Langenhorst indes nach eigenen Worten die ursprünglich geplante Installation eines dritten und vierten Windrads „erst einmal verworfen“.

„Es wurde auch Zeit, dass diese zweite Windkraftanlage endlich in Betrieb geht“, meinte Bürgermeister Frank Schneider im Gespräch mit unserer Zeitung. „Bei der aktuellen UN-Klimakonferenz tun wir Deutschen uns nicht besonders hervor.“ Umso wichtiger sei es, dass auf kommunaler Ebene etwas passiert. „Langenfeld leistet seinen Beitrag mit dem Klimaschutz-Konzept, zu dem auch die Windenergie gehört.“ Der Bürgermeister bezeichnete es als billig und inkonsequent, einerseits den Kohleausstieg zu fordern und dann Windräder vor der Haustür abzulehnen. „Ich bin schon oft bei dem im Oktober 2017 errichteten ersten Langenfelder Windrad gewesen.“ Die zuvor von Gegner vorgebrachten Befürchtungen etwa zu Lärm oder Schattenwurf hätten sich nicht bestätigt.

Ein Thema bleibt indes auch nach Inbetriebnahme der Artenschutz. Schon das erste Windrad durfte sich zwischen 15. März und 1. September tagsüber nicht drehen, weil dies den Rotmilan gefährden würde; eine unter Artenschutz stehende und in Reusrath heimische Greifvogelart. Zudem musste Betreiber SL wegen Fledermäusen vom 1. April bis zum 31. Oktober Abschaltzeiten bei bestimmten Temperaturen und Wetterbedingungen einhalten. Und diese Vorgaben gelten auch im kommenden Jahr. Wie berichtet, hatte das Düsseldorfer Verwaltungsgericht im März die Klage von SL gegen die Artenschutz-Auflagen abgewiesen. Die Mettmanner Kreisverwaltung hatte bei der Genehmigung der beiden 99,5 Meter hohen Anlagen in der vom Langenfelder Stadtrat mit einer 100-Meter-Höhengrenze versehenen Windenergie-Zone deren Betrieb an strenge Bedingungen geknüpft. „Wir haben Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt“, betonte Schulze Langenhorst.

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Unter dem Namen „Ruhiger Horizont Reusrath“ hatte eine Bürgerinitiative seit Jahren versucht, den Bau der Windkraftanlagen in ihrem Ortsteil zu verhindern. Deren Mitglieder haben nach den Worten ihres Sprechers Andreas Lobb weiterhin ein Auge darauf, dass SL die Auflagen erfüllt; vor allem hinsichtlich des Rotmilans, dessen Vorkommen und Sichtung die Initiative weiterhin dokumentiert. Dass das zweite Windrad trotz der langen Baupause noch vor dem 31. Dezember aufgestellt wurde, sei zu erwarten gewesen, so Lobb, „weil ab dem neuen Jahr Subventionen für Windkraftbetreiber sinken“.

Laut Schulze Langenhorst wird die neue Anlage nach Abschluss technischer Arbeiten in den nächsten Tagen in Betrieb gehen und dann Strom aus Windenergie erzeugen.

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